Aufsteiger in die Fußball-Bezirksliga

Große Ziele und Erinnerung an eine bittere Niederlage: Stimmen zur Meisterschaft von Türkspor Heidenheim

Der Jubel bei Türkspor Heidenheim war nach dem 2:1-Sieg beim VfL Gerstetten riesengroß. Was Vorstandsvorsitzender Kemal Alizoroglu, Trainer Denis Werner und sein Bruder und Siegtorschütze Amir Werner zum Aufstieg in die Bezirksliga sagen und warum der Spielführer und Torschütze zum Ausgleich, Firat Ece, jetzt doch noch nicht ans Aufhören denkt:

Mit einem 2:1-Auswärtssieg beim VfL Gerstetten hat Türkspor Heidenheim den Aufstieg in die Bezirksliga perfekt gemacht. Die Anspannung war den Gästen vor dem entscheidenden Schritt deutlich anzumerken, obwohl der Vorsprung in der Tabelle komfortabel war. Spielertrainer Denis Werner blieb äußerlich ruhig, auch wenn die Bedeutung der Partie spürbar war. „Der Weg ist das Ziel“, sagte der 33-Jährige vor der Begegnung – eine Floskel, die für ihn dennoch den Kern der Saison traf. Nach der verlorenen Relegation im Vorjahr sollte nun die Wiedergutmachung gelingen.

Fußball: Türkspor Heidenheim gewinnt beim VfL Gerstetten und wird vorzeitig Meister

Türkspor Heidenheim gewinnt beim VfL Gerstetten und wird vorzeitig Meister

Sie haben es geschafft! Die Fußballer von Türkspor Heidenheim haben sich zwei Spieltage vor Saisonschluss die Meisterschaft in der Kreisliga A3 gesichert. Hier Bilder von der Feier:
Show more
Gerstetten
Bildergalerie

Werner musste zunächst wegen Rückenproblemen auf der Bank Platz nehmen. Auch Gerstettens Torjäger Steffen Wegmann fehlte aus demselben Grund. „Eine reine Vorsichtsmaßnahme, weil ich zu etwaigen Relegationsspielen fit sein möchte“, erklärte der mit 19 Treffern erfolgreichste Schütze seines Teams.

Bei hochsommerlichen Temperaturen von rund dreißig Grad erwischten die Gastgeber den besseren Start. Bereits in der zehnten Minute brachte Luis Lammel den VfL nach einem Torwartfehler in Führung. Türkspor wirkte kurzzeitig verunsichert, fing sich jedoch bis zur Pause. Mit Beginn der zweiten Hälfte brachte Denis Werner sich selbst ins Spiel – und veränderte die Statik der Partie.

Zum Ins-Trikot-beißen: Amir Werner erzielte den 2:1-Siegtreffer für Türkspor Heidenheim. Foto: Oliver Vogel

Die Gäste agierten jetzt druckvoller und wurden in der 52. Minute belohnt. Nach einer Ecke von Kemal Ayyildiz köpfte Kapitän Firat Ece zum 1:1 ein. „Meine Mannschaft mit dem Ausgleich wachzurütteln, war schon super“, sagte der 36-Jährige später. Türkspor drängte auf die Entscheidung, während Gerstetten auf Konter setzte und zwei gute Möglichkeiten vergab. In der Nachspielzeit fiel schließlich die Entscheidung: Amir Werner verwertete eine Hereingabe von Mert Sahan aus rund elf Metern direkt zum 2:1. Es war sein 22. Saisontor. Kurz darauf pfiff der Schiedsrichter ab, und der Jubel kannte keine Grenzen. Spieler und Anhänger feierten gemeinsam auf dem Platz.

Vorsitzender Kemal Alizoroglu zeigte sich nach dem Schlusspfiff erleichtert. „Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, denn wir haben über das Jahr viel kämpfen müssen und steigen verdient auf“, sagte der 48-Jährige. Besonders hob er seinen Trainer hervor: „Wir haben mit Denis einen super Spielertrainer, der durch seinen Umgang mit den Spielern und seine strukturelle Arbeit sehr viel Anteil am Aufstieg hat.“ Zugleich formulierte er ambitionierte Ziele: „Der Weg ist noch nicht zu Ende. Wir haben höhere Ziele, müssen viel arbeiten und Geld investieren, dann soll eines Tages der Aufstieg in die Landesliga gelingen.“

Denis Werner erinnerte an die Lehren aus dem Vorjahr. „Wir haben nach der Niederlage letztes Jahr in der Relegation unsere Lehren gezogen. Es gab zwei Möglichkeiten. Entweder man gibt einfach auf, oder man verspricht der Mannschaft, im nächsten Jahr aufzusteigen“, sagte er. Sein Erfolgsrezept beschrieb er so: „Wir bauen auf Vertrauen, Liebe und Entschlossenheit und haben dadurch unsere Ziele erreicht.“ Zudem gedachte er eines verstorbenen Anhängers: „Unserem Edelfan Burak habe ich das Versprechen gegeben, dass wir aufsteigen werden. Leider hat er es nicht mehr miterleben können, aber ich bin stolz, dass sein Bild auf unseren T-Shirts auf dem Aufstiegsfoto zu sehen ist.“ Mit Blick auf die Bezirksliga erklärte er: „Wir lassen erst mal alles sacken und tanken neue Energie für die kommende Saison.“

Jubel mit den mitgereisten Anhängern: Türkspor-Spielertrainer Denis Werner. Foto: Oliver Vogel

Siegtorschütze Amir Werner zeigte sich überzeugt: „Als zur zweiten Halbzeit angepfiffen wurde, war mir klar, dass wir es heute holen. Wir haben letztes Jahr enorm gelitten nach der Relegation.“ Für die kommende Saison gibt sich der Topstürmer der Kreisliga A3 (22 Tore) zurückhaltend: „Wir wollen weiter als Mannschaft wachsen und haben gute neue Spieler dazu bekommen. Wir wollen aber erst mal die Klasse halten.“

Auch Kapitän Firat Ece, der nach zwei Jahren in Günzburg zurückgekehrt war, lobte die Trainingsarbeit. „Von der ersten Minute an war mir klar, dass wir aufsteigen, weil wir unter der Woche super trainiert haben“, sagte der 36-Jährige. Eigentlich wollte Ece seine Karriere beenden, nun denkt er um: „Tatsächlich kann ich jetzt noch nicht aufhören. Ich habe zu Denis gesagt, dass, wenn wir heute gewinnen und aufsteigen, ich noch ein Jahr dranhänge.“

Gerstettens Trainer Harald Fronmüller zeigte sich enttäuscht, blieb jedoch fair: „Wir haben aktuell nicht so einen guten Fitnesszustand und viele sind angeschlagen.“ Beide Gegentore seien nach individuellen Fehlern gefallen. Dem Meister gratulierte der 55-Jährige: „Türkspor ist sehr verdient Meister geworden und ich wünsche der Mannschaft alles Gute in der Bezirksliga.“ Fronmüllers Team fehlt noch ein Punkt zur Vizemeisterschaft und zur Teilnahme an der Relegation. „Wir müssen jetzt noch einmal anpacken und das Training steigern. In den letzten beiden Spielen müssen wir den fehlenden Punkt noch holen, am besten mit einem Sieg“, so der VfL-Coach.

Für Türkspor Heidenheim ging es an die heimische Stätte am Fischerweg. „Aus Respekt vor Gerstetten wollen wir mit unseren Freunden und Familien in Schnaitheim feiern“, erklärte Denis Werner, und Vorsitzender Kemal Arizoglu schob nach: „Wir feiern heute sicher bis tief in die Nacht.“

Namen und Zahlen zum Topspiel

VfL Gerstetten: Lenny Fronmüller im Tor; Luca Fronmüller, Pfeiffer (7. Strobl), Eckardt, Freihart, Seibold, Walter (55. Dömel), Bayer (55. Sandru), Gruner, Lammel (76. Jahraus), Strebel (46. Tonigold)

Türkspor Heidenheim: Akana im Tor; Ayyildiz, Baytemur, Ece, Kovacs, Tulum (76. Sahan), Acar (46. Werner), Eroglu, Steinmetzer, Werner (92. Maliqi), Akcay (84. Türkmen)

Gelbe Karten: VfL Gerstetten 3; Türkspor Heidenheim 2

Gelb/Rot: Gerstetten (92.)

Zuschauer: 200

Schiedsrichter: Alexander Paluch