Das ganze Land steht Kopf – und Philipp Schmid ist mittendrin. „Ich habe noch nie so etwas Unbeschreibliches erlebt“, sagt der Hermaringer, der zuletzt für den Fußball-Bezirksligisten FV Unterkochen auf Torejagd ging, aber nun zum Verbandsligisten Sportfreunde Dorfmerkingen wechselt. Zusammen mit einem Kumpel war Schmid in Argentinien, eben an jenem Tag, an dem die Mannschaft von Lionel Messi Frankreich besiegte und Weltmeister wurde.

Alles in Blau (und Weiß): Partystimmung im argentinischen Mendoza.
Alles in Blau (und Weiß): Partystimmung im argentinischen Mendoza.
© Foto: ps

In Mendoza (knapp 115.000 Einwohner, im Westen des Landes) seien ab 9 Uhr Ortszeit fast alle Menschen bereits auf der Straße gewesen, erzählt Schmid. Um 12 Uhr Ortszeit wurde das Endspiel schließlich angepfiffen. „Für die Argentinier war es ja zum ersten Mal eine richtige Sommer-WM. Bislang kannten sie Weltmeisterschaften nur im Winter. Und da ist es auch in Mendoza normalerweise nur fünf, sechs Grad warm“, streicht Schmid die andere Perspektive heraus.

2021 stieg Philipp Schmid mit dem FC Gundelfingen in die Bayernliga auf.
2021 stieg Philipp Schmid mit dem FC Gundelfingen in die Bayernliga auf.
© Foto: Walter Brugger

„Das ganze Land ist im Fußball-Fieber, wirklich jeder war in Argentinien-Farben gekleidet, von Kindern bis zu den älteren Menschen. Und es gibt zu 99 Prozent nur ein Trikot, das getragen wird: Das von Messi.“ Und Philipp Schmid selbst? Na, klar. Auch er trug das Trikot mit der Nummer zehn. Bereits beim Einlaufen der Mannschaften und dem Erscheinen Messis seien die Menschen beim Public Viewing völlig ausgeflippt. „Messi ist hier wie ein Gott.“

Angst in den Gesichtern der Menschen

„Nach den ersten beiden Toren für Argentinien waren alle super happy. Als das 2:2 gefallen ist, konnte man aber in den Gesichtern die Angst sehen“, schildert Schmid. „Es war ein herzzerreißendes Finale, die Menschen haben alle so mitgelitten. Nach Spielende hat man aber nur lachende und stolze Gesichter gesehen. „Was die argentinische Nationalmannschaft mit den Menschen gemacht hat, ist schon der Wahnsinn.“

Es sei ein einzigartiger Moment gewesen. „Und für Messi war es ja die letzte Chance auf den Weltmeistertitel. Deshalb ist die Fußballnation Argentinien super happy“, so Philipp Schmid, der vom Land an sich nur schwärmt. „Argentinien ist sehr europäisch angehaucht. Die Menschen sind super herzlich, offen, freundlich und hilfsbereit.“

Jubel 2018: Mit dem FV Sontheim holt Philipp Schmid den Bezirkspokal und auch die Meisterschaft in der Bezirksliga.
Jubel 2018: Mit dem FV Sontheim holt Philipp Schmid den Bezirkspokal und auch die Meisterschaft in der Bezirksliga.
© Foto: Christian Thumm

Wie hilfsbereit, verdeutlicht er mit einem kleinen Beispiel. Während der Weltmeisterschaft sang der argentinische Anhang und auch die Mannschaft selbst über die lange Leidenszeit und die neue Hoffnung auf den WM-Titel: auf die Melodie des 19 Jahre alten argentinischen Tango-Hits „Muchachos, Esta Noche Me Emborracho“ von La Mosca Tse-Tse.

Das Lied handelt unter anderem auch von Ikone Diego Maradona, der vom Himmel aus zusammen mit seinem Eltern Lionel Messi und die argentinische Nationalmannschaft anfeuert. „Ein paar Argentinier, die wir vor Ort getroffen haben, waren so freundlich und haben uns den Songtext aufgeschrieben, damit wir mitsingen können und uns den Text natürlich auch übersetzt“, erzählt Philipp Schmid. „Ein Sänger werde er aber nicht mehr . . .“