Eigentlich wollte Manfred Raab alias „Manne“ erst einmal eine Pause in seiner Trainerlaufbahn einlegen – wenigstens bis zur Winterpause. Doch es kam anders als er dachte. Nachdem der SV Neresheim vergangene Woche Trainer Erdal Kalin entlassen hatte, bot die Vereinsführung den frei gewordenen Posten Raab an. „Ich war perplex, dass Erdal entlassen wurde“, so der 54-Jährige.

Auch die Anfrage überrumpelte ihn: „Ich wollte mir das noch mal durch den Kopf gehen lassen und mich in aller Ruhe auf diese Aufgabe vorbereiten.“ Der Verein zeigte Verständnis. Der Kompromiss: Raab sollte nach der Winterpause Ende Februar kommen. Um bis dahin die Zeit zur überbrücken, wählte der SV notgedrungen die Interimslösung.

Doch dass diese in der momentanen Lage der Neresheimer, die sich auf einem Abstiegsplatz befinden, erst recht nicht zum Erfolg führen kann, zeigte die jüngste 1:4-Niederlag in Neu-Ulm. Für Raab, der die Partie beobachtet hatte, stand anschließend fest: „Ich muss Farbe bekennen.“ Zumal mit dem Zweit- und Drittplatzierten, Ebersbach und Oberensingen, als nächstes zwei schwierige Gegner auf den SV treffen. „Bei so einem Mammutprojekt wäre es nicht schlecht, wenn ich doch früher als Trainer einspringe“, schlussfolgerte Raab, der in Stödtlen bei Ellwangen wohnt.

Gesagt, getan. Bereits am Montag leitete er das erste Training beim SV Neresheim. Auf was legt er dabei Wert? „Vor allem darauf, den Spielern das Selbstvertrauen zurückzugeben – auch über Einzelgespräche. Ich möchte am Teamspirit arbeiten und die Aufstiegseuphorie wieder aufleben lassen“, beschreibt Raab seine Ziele. Die Mannschaft sei sehr jung, die Landesliga Neuland. Es müsse noch an einigen Stellen geschraubt werden, etwa an der Defensive. „In den fünf Spielen vor der Pause müssen wir möglichst viele Punkte holen“, so Raab. Um dieses Ziel zu erreichen, hat Raab von zwei auf drei wöchentliche Trainingseinheiten aufgestockt. „Das tut dem Team gut. Wir wollen ja etwas bewegen.“

Raab glaubt an den Klassenerhalt des SV Neresheim: „Die Mannschaft hat Potenzial. Es sind junge, willige, dynamische Spieler, die mal wieder ein Erfolgserlebnis brauchen.“ Ob das bereits heute klappt? Der Aufsteiger empfängt den Zweitplatzierten SV Ebersbach/Fils (14.30 Uhr). „Mit viel Willen und der richtigen Taktik können wir uns schon eine Chance ausrechnen. Man sollte immer an den Erfolg glauben“, so Raab.

Sontheim will nachlegen

Ein erster Erfolg hat sich nun auch beim FV Sontheim eingestellt. Mit mit dem 1:0-Sieg gegen Geislingen konnten die Brenztäler ihren ersten Saisonsieg feiern. „Uns ist ein Felsbrocken vom Herzen gefallen“, so Spielertrainer Marcus Mattick. „Wir waren giftig und defensiv deutlich besser als zuvor gegen Bad Boll.“ Ausschlaggebend für den Sieg sei aber vielmehr gewesen, dass die Mannschaft erstmals in dieser Saison fast komplett war.

Doch der Sieg sei Fluch und Segen zugleich, so Mattick: „Denn nun müssen wir nachlegen. Sonst ist das Glücksgefühl gleich wieder verpufft.“ Das entscheidende Spiel findet morgen beim Tabellenletzen und -nachbarn TSV Köngen statt (14.30 Uhr). Köngen könne zu Hause gefährlich werden, sagt der Coach. „Wir müssen die positive Energie mitnehmen, um am Wochenende zu punkten.“ Bis auf Timo Gauß, der immer noch verletzt ist, kann er auf den Kern der Mannschaft zählen.

Viele langjährige Stationen


Gute Aussichten für Manfred Raab? Zumindest hat er bei seinen vergangenen Stationen jeweils als langjähriger Trainer fungiert. Siebeneinhalb Jahre betreute er den SV Wört, den er mehrmals in die Bezirksliga führte. Nach dem Abstieg in die Kreisliga A beendete er seine Tätigkeit.

Zuvor coachte Raab für sechs Jahre den SC Röhlingen, mit dem er in die Bezirkliga aufstieg. Auch mit dem SV Lippach, bei dem
er zuvor sieben Jahre verpflichtet war, gelang ihm der Aufstieg in die
Bezirksliga.
Mit seinem Heimat-
verein
DJK Stödtlen stieg er 1995 als Spieler in die Landesliga auf. Nach zehn Jahren Spieleinsatz übernahm er für zwei Jahre den Trainerposten. sga