Ohne Sportveranstaltungen gibt es ja nichts zu sehen. Schlimm genug. Doch auch die sportliche Sprache kommt im gefühlten Dauer-Lockdown zu kurz. Viel zu kurz! Schließlich fehlen zum Beispiel montags in der HZ anderthalb Seiten allein zum Amateurfußball. Fußball und Sprache: Fußballsprache! Was soll das denn bitte sein, könnte sich der ein oder andere fragen. Bei anderen wiederum klingelt’s gleich im Kasten. Wobei das wiederum ein gern verwendetes Bild in Fußballberichten fürs Tore schießen ist. Klar soweit?

Gebälk oder Kasten? Die Pfosten und Latte eines Fußballtores sind allerdings aus Aluminium.
Gebälk oder Kasten? Die Pfosten und Latte eines Fußballtores sind allerdings aus Aluminium.
© Foto: Eibner

Deutschland ist nicht nur ein Land der Dichter und Denker, sondern auch eine Fußballnation, in der sich vieles sprachlich um die Faszination Tore erzielen dreht. Dabei sind der Ausdrucksweise keine Grenzen gesetzt, wie ein Blick ins Archiv der Heidenheimer Zeitung belegt. Tooooooooooooor! Und nun? Hm, wie wär’s mit: „Es klingelt im Gebälk“, hieß es in einem Bericht. Google sagt: „Gebälk bezeichnet in der Architektur allgemein die zu einer Decken- oder Dachkonstruktion gehörenden Balken.“ Hat mit einem Fußball-Tor, das aus Aluminium besteht, also eigentlich nichts zu tun, hört sich aber nach großer Musik an, oder?

Kling, kling, klingeling: ein Tor ist gefallen

Alternativ kommt gerne „es klingelt im Kasten“ zum Einsatz. Dabei dürfen Fußballer nicht einmal Schmuck tragen, von einer Klingel mal ganz abgesehen. Übrigens, es geht auch in die andere Richtung. Am Querbalken kann man als Fußballer auch „scheitern“. Dann nämlich, wenn der Ball von der Latte wieder ins Feld springt. Das sprachliche Bild muss halt stimmen.

Und während sich einige Verfasser mit „Gebälk“ und „Kasten“ auf Pfosten und Latte eines Tores konzentrieren, hat es anderen das Tornetz angetan: „Sein Schuss landete unhaltbar in den Maschen.“ Äh, sind wir hier beim Stricken? Nein, nein, eine Masche nach der anderen! Das Tornetz hat halt ein bestimmtes Muster, allerdings nicht aus Wolle.

Zirkel hinter den Schienbeinschonern?

Apropos Muster: So ein Ball kann schon mal „wie an einer Schnur gezogen“ fliegen. Und fast noch schöner, aber geometrisch womöglich anspruchsvoller: Er kann auch „in den Winkel gezirkelt“ werden. Kleiner, nicht ernst gemeinter Tipp: So ein Zirkel lässt sich am besten hinter den Schienbeinschonern verstecken!

Eleganz spielt beim Akt des Toreschießens immer eine große Rolle. Zum Beispiel, wenn die Fußballer mit ihren Arbeitswerkzeugen, auch Kickschuhe oder schlicht Treter genannt, den Ball nur noch ins Tor „schieben“ müssen, was ein einfaches Tor bezeichnet. Sie können aber auch das – Achtung, Floskel – „runde Spielgerät“ einschießen.

Knuuuuuuuutsch: Im Fußball gibt es eine besondere Sprache. Wo wird man sonst von einem Ball geküsst?
Knuuuuuuuutsch: Im Fußball gibt es eine besondere Sprache. Wo wird man sonst von einem Ball geküsst?
© Foto: Foto: stock.adobe.com/ Bernd Ege

Ziemlich rabiat, oder? Etwas romantischer geht es zum Beispiel im Vereinslied des FCH-Ligakonkurrenten VfL Osnabrück zu. Hier heißt es, Achtung, FCH-Fans bitte nicht weiterlesen: „Hat der Ball das Netz geküsst, dann hat Osnabrück gegrüßt.“ Knutschende Bälle, was will das Fanherz mehr?

Traf im DFB-Pokal mit Wilhelmshaven auf Borussia Dortmund um den damaligen Trainer Jürgen Klopp: Reinhold Fanz (links).
Traf im DFB-Pokal mit Wilhelmshaven auf Borussia Dortmund um den damaligen Trainer Jürgen Klopp: Reinhold Fanz (links).
© Foto: Eibner

Zu gerne erzielen Fußballer also Tore für „ihre Farben“, also für ihre Mannschaft. Denn schon Reinhold Fanz (70 Bundesligaspiele/3 Tore und 116 Zweitligaspiele/13 Treffer) wusste: „Wenn man keine Tore macht, ist es schwer, ein Spiel zu gewinnen.“ Somit dreht sich im Fußball alles darum „das Runde ins Eckige“ zu bekommen, wie Sepp Herberger, Weltmeistertrainer von 1954, es sprachlich auf den Punkt brachte.

Der Chef auf dem Platz: Bundestrainer Sepp Herberger (Mitte) führte das deutsche Nationalteam bei der Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz zum Titel. Links ist Walter Birkhold, 19-facher Amateurnationalspieler aus Heidenheim, zu sehen.
Der Chef auf dem Platz: Bundestrainer Sepp Herberger (Mitte) führte das deutsche Nationalteam bei der Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz zum Titel. Links ist Walter Birkhold, 19-facher Amateurnationalspieler aus Heidenheim, zu sehen.
© Foto: HZ-Archiv

Und Hobby-Philosoph Martin Driller (spielte unter anderem beim FC St. Pauli und beim 1. FC Nürnberg) stellte einst, ähnlich wie „Forrest Gump“, fest: „Fußball ist wie eine Frikadelle, man weiß nie, was drin ist.“ Und das eben auch sprachlich gesehen . . .