Ein Platz unter den Top 3. Mit diesem ambitionierten Ziel war der VfL Gerstetten in die hiesige Fußball-Bezirksliga-Saison gestartet. Acht Spieltage sind absolviert, das Team, das sich mit namhaften Spielerin wie Oguz Yasar (zuvor Schwaben Augsburg/Bayernliga) und Denis Werner (Dorfmerkingen/Oberliga) verstärkt hatte, belegt aktuell nur Tabellenplatz 8. Vier Siege stehen vier Niederlagen gegenüber. Die Erwartungshaltung im Verein, aber auch außerhalb, ist groß. Der Druck somit auch.

Nach 4:4 komplett eingebrochen

Sicher, eine gewisse Anlaufzeit sollte einer neuformierten Mannschaft zugestanden werden. Doch eine 4:9-Niederlage, wie am Wochenende gegen die DJK-SG Schwabsberg-Buch, einem Gegner, der im unteren Bereich der Tabelle angesiedelt ist, auch? „Wir haben kurzfristig umdisponiert und Handball gespielt“, versucht es Patrick Bartak mit Ironie.

Der Trainer des VfL Gerstetten relativiert jedoch: „Natürlich geht sowas gar nicht. Wenn du in der Abwehr so dilettantisch verteidigst und sechs Tore nach Standards bekommst, dann wirst du kein Bezirksligaspiel gewinnen.“ Er habe zwar keine tote Mannschaft auf dem Feld gesehen, wohl aber eine bodenlos naive.

Nach 40 Minuten war der VfL auswärts mit 1:4 hinten gelegen, ehe Salvatore Lo Giudice, Meliksah Evrensel und der eingewechselte Denis Werner innerhalb weniger Minuten den Spielstand egalisierten. „Normalerweise muss so eine Aufholjagd etwas mit einer Mannschaft machen, aber keine zehn Minuten später kassieren wir innerhalb vier Minuten zwei weitere Standards. Und ein zweites Mal zurückkommen, das ist fast unmöglich“, ärgert sich Bartak.

Ihm sei allerdings immer bewusst gewesen, dass sich der Erfolg nicht über Nacht einstelle und es Zeit brauche, bis das Team sich finde. „Gerade im HZ-Tippspiel werden wir Woche für Woche als Team mit Landesliganiveau dargestellt. Das löst beim ein oder anderen Spieler sicher auch Druck aus“, sagt der 37-Jährige.

Auch verweist er auf die Verletzenmisere. Mit Markus Gentner, Amir Werner (beide Muskelfaserriss) und Selim Güven (Außenbandriss) stünden seit mehreren Spielen drei Stammspieler nicht zur Verfügung, zudem muss Fabrizio Lo Giuidice nach seiner Rotsperre aus dem Straßdorfspiel zwei Partien pausieren.

Mentalitätsproblem beim VfL?

Das allein will Stephan Ciupke jedoch nicht als Ausrede gelten lassen, schließlich hätten auch andere Vereine diese Probleme. Im Gegenteil. Der Abteilungsleiter des VfL findet deutliche Worte: „Keine Frage, man kann Spiele verlieren, aber gegen ein Team, das unter einem steht, darf man sich keine neun Buden einschenken lassen.“ Seiner Meinung nach würde der ein oder andere Spieler sein Potential falsch einschätzen, beziehungsweise es erst gar nicht auf den Platz bringen.

„Wenn ich mir Nattheim anschaue, die sind von der fußballerischen Qualität her bestimmt nicht besser als wir, aber die fressen eben auch mal Gras. Und statt immer alles schön-schön zu lösen, müssen wir das halt auch mal tun“, nimmt er seine Spieler in die Pflicht. Bereits die vorletzte Partie gegen Aufsteiger TV Straßdorf, in der man 0:4 zurücklag und erst in der 92. Minute traf, sei eine Warnung gewesen. Es müssten nun endlich Taten folgen und nicht nur Versprechungen ausgesprochen werden.

Er habe sich seit dem Wochenende viele Gedanken gemacht und auch mit einigen Fans gesprochen. „Die sagen ganz klar, dass sie nicht mehr zu den Auswärtsspielen mitgehen, weil ihnen die Art und Weise, wie wir verlieren, nicht gefällt.

Den Trainer stellt Ciupke aber nicht zur Diskussion. „Ich bin mir sicher, ein Trainerwechsel hätte null Effekt. Meiner Meinung nach sind jetzt ganz klar die Spieler gefragt. Gerade von den älteren und erfahreneren erwarte ich, dass sie die Mannschaft führen“, sagt er.

Pokal als Gradmesser?

Viel Zeit, die Niederlage aufzuarbeiten, bleibt dem VfL Gerstetten dabei nicht. Bereits am Mittwochabend steht das Viertelfinale im Bezirkspokal an. Um 18.30 Uhr ist der Bezirksligist bei der SG Bettringen II (Tabellen-13. Der Kreisliga A1) zu Gast. „Das wird kein Selbstläufer, die spielen auf ihrem kleinen Kunstrasen, werden tief stehen und uns das Spiel machen lassen. Und sie werden als ligatieferes Team alles dafür tun, um ins Halbfinale zu kommen“, lautet Patrick Bartaks Fazit.

Neben den drei Verletzten und dem heute letztmals gesperrten Lo Giudice muss der Trainer auf weitere Spieler, wie etwa Marcel Kässmeyer, verzichten, die studien- oder berufsbedingt unter der Woche nicht zur Verfügung stehen. Eine Ausrede sollte das besser nicht sein…

Viertelfinals im Pokal


Am Mittwochabend stehen im Bezirkspokal die Viertelfinals an. Neben fünf Bezirksligisten sind auch noch drei Kreisligisten vertreten. Die Partien lauten: SV Lauchheim – 1. FC Germania Bargau (17 Uhr), SG Burgberg/Hohenmemmingen – Sprortfreunde Dorfmerkingen II, SG Bettringen II – VfL Gerstetten (beide 18.30 Uhr), FC Härtsfeld – TV Neuler (19 Uhr).