Heidenheim / Sandra Gallbronner Einen guten physischen Zustand attestiert FFV-Trainer Harald Fronmüller seiner jungen Mannschaft. schließt der Coach den Aufstieg in die Oberliga nicht aus.

Bescheidene Vorrunde, super Rückründe“ – so fällt das Fazit von FFV-Trainer Harald Fronmüller zur vergangenen Saison der Verbandsliga-Fußballerinnen aus. Nachdem sich die Mannschaft den Herbst und Winter über im unteren Tabellendrittel bewegt hatte, legte sie im Frühjahr nach und erkämpfte sich letztlich den fünften Platz. „Es wäre besser gewesen, wenn sie früher aufgewacht wären, aber grundsätzlich sind wir zufrieden“, sagt Georg Michelchen, der Präsident des FFV.

Doch aller Zufriedenheit zum Trotz: Ein solcher Saisonverlauf sollte sich nicht wiederholen. Fronmüller zeigt sich zuversichtlich: „Die Spielerinnen haben seit der Rückrunde hart gearbeitet. Man merkt, dass sie jeden Monat besser werden.“ Schließlich betreut der 48-Jährige ein sehr junges Team. Der Altersdurchschnitt liegt bei 19,14 Jahren, einige Sportlerinnen sind erst 16, 17 Jahre alt.

Fünf Neuzugänge aus der U-17

Die meisten Fußballerinnen stammen aus der eigenen U-17, wobei viele nun in die dritte Saison der Verbandsliga kommen. Auch das mache sich nun bemerkbar, so Fronmüller: „Sie sind körperlich richtig gut dabei. Sind bereit, intensiv zu trainieren.“ So hätten die jungen Sportlerinnen in puncto Schnelligkeit, Laufbereitschaft und Zweikämpfe deutlich aufgeholt. Zum Saisonstart sind bereits wieder fünf junge Fußballerinnen aus der U-17 in die Verbandsliga gewechselt. Doch der Coach weiß auch: Die Neuzugänge brauchen noch eine gewisse Zeit.

An dem System, auf die eigene Jugend zu setzten, hält der Verein nach wie vor fest. „Es bleibt uns auch nichts Anderes übrig“, so Michelchen. Gelder, um Spieler zu kaufen, gibt es nicht. Deshalb kooperiert der FFV verstärkt mit Firmen. Durch Praktikums- und Studienplätze sollen junge Fußballerinnen in der Region gehalten oder gar hergeholt werden.

Junges Talent aus Crailsheim

Tatsächlich hat der Verein nun zwei externe Fußballerinen ins Boot holen können. Maja Schmölz und Rebecca Fritz. Schmölz spielte beim TSV Crailsheim in der Jugend-Bundesliga, später in der Frauen-Regionalliga Süd. Von einer überragenden Fußballerin, die kaum Fehlpässe spiele, schwärmt Trainer Fronmüller: „Sie hat Erfahrung, wurde jahrelang auf höchstem Niveau gefördert. So eine Spielerin hat uns gefehlt.“

Schmölz, die am Sonntag 18 Jahre alt wird, beginnt im Herbst ein duales Studium in Heidenheim. Rebecca Fritz, in Nattheim wohnhaft, spielte zuletzt in Nördlingen in der Frauen-Bezirksoberliga Schwaben.

Derweil haben drei Spielerinnen den FFV verlassen: Während Johanna Brandtner die Fußballschuhe an den Nagel gehängt hat, ist Anna Hornetz studienbedingt zum 1. FFC Magdeburg gewechselt, Ilaria Avigliano zum FC Normannia Gmünd. Laura Konietzke setzt aufgrund eines Auslandsstudiums ein halbes Jahr aus.

Ziel: In der Liga stabilisieren

Wie sehen nun die sportlichen Ziele für die neue Saison, die kommendes Wochenende startet, aus? „Den Platz verteidigen oder besser stellen“, antwortet Michelchen. Der Trainer zeigt sich da schon mutiger: „Ich möchte den Aufstieg in die Oberliga kommende Saison nicht ausschließen.“ Die Vorbereitungen würden gut laufen. Ein früherer Trainingsbeginn und mehr Einheiten erzielen den gewünschten Effekt. In den jüngsten Partien sei der Gegner nach Spielende gut bedient gewesen, so Fronmüller. Die Mannschaft sei in der Breite besser aufgestellt, habe nun mehr Spielerinnen mit Qualität, fasst Michelchen zusammen.

Bei den Testspielen konnte der FFV zwei Siege und ein Unentschieden einfahren. Allerdings mussten die Heidenheimerinnen neben einem 0:1-Endstand beim TSV Albeck auch eine 0:7-Niederlage gegen den SV Alberweiler einstecken. Fronmüller verteidigt sein junges Team: „Alberweiler spielt zwei Klassen höher und stand kurz vor dem Saisonstart.“ Zwei Wochen später sah die Welt schon wieder anders aus: In der ersten Runde des WFV-Pokals bezwangen die Heidenheimerinnen Ligakonkurrent Nürtingen mit 8:1-Toren. Den nächsten Gegner, Regionenligist TB Ruit, konnten sie am Wochenende ebenfalls aus dem Rennen schießen (2:0).

Saisonauftakt: Kein leichter Gegner

Viel wichtiger als Test- und Pokalspiele ist für den FFV-Coach der Saisonauftakt kommenden Sonntag gegen den FV Asch-Sonderbuch (11 Uhr, Kunstrasenplatz Waldsiedlung Königsbronn). „Das wird eine kernige Aufgabe, die es zu lösen gilt“, sagt Fronmüller, der von einem Willensspiel spricht. In der vergangenen Saison war der FFV dem FVA in beiden Aufeinandertreffen unterlegen. Doch der Trainer sieht die anstehende Partie auch als Chance: „Hier können wir auch mal was riskieren.“ Letztlich müsse zum Saisonauftakt aber ein Sieg rausspringen. Schöner Fußball sei da erstmal nebensächlich, so Fronmüller.

Nach wie vor trägt der FFV seine Heimspiele in Königsbronn auf dem Kunstrasenplatz in der Waldsiedlung aus. Bis vor kurzem hatte der Verein eine Nutzung des neuen Rasenplatzes des 1. FC Heidenheim südlich der Voith-Arena angedacht. Dieser Gedanke ist nun vom Tisch. Der FFV habe seine Heimat in Königsbronn gefunden, so Präsident Michelchen.

Junger Fußballverein im Stillstand?

Seit acht Jahren gibt es den Frauenfußballverein (kurz FFV) Heidenheim. In der Saison 2011/12 übernahm er den Startplatz des SV Mergelstetten in der Landesliga. Zwei Jahre später folgte der Aufstieg in die Verbandsliga, in der sich die Mannschaft seither befindet.

Geplant war dieser lange Liga-Aufenthalt bei Vereinsgründung nicht. Gemäß der "Vision 2020" nannte der FFV das Ziel, bis 2020 mit einer Heidenheimer Mannschaft in der Frauen-Bundesliga zu spielen. Was ist aus dem Plan geworden?

Die Vision ist geblieben, die Ziele habe der Verein korrigiert, sagt FFV-Präsident Georg Michelchen. Heißt: Der Zeitplan hat sich verschoben. „Innerhalb so kurzer Zeit so oft aufzusteigen, war utopisch“, so Trainer Harald Fronmüller.

Warum aber will es mit dem Aufstieg Jahr für Jahr nicht klappen? „Es fehlen größere Sponsoren, mehr Kapital, um Spielerinnen zu holen oder auch Fahrtgeld zahlen zu können“, sagt der Coach. Stattdessen rücken stets junge unerfahrene Spielerinnen aus der eigenen Jugend nach. „Man fängt immer wieder von vorne an, muss die Mannschaft immer wieder neu aufbauen.“ Zudem sei die Konkurrenz in der Verbandsliga, in der ehemalige Bundesligistinnen spielen würden, hoch.

„Es ist harte Arbeit, aber ich bin guter Dinge“, sagt Fronmüller, für dessen Mannschaft es nun heißt: Neue Saison, neuer Versuch. sga