Virtueller Fußball mit Zuschauerzahlen wie bei einem echten Spiel: Über 100 Fans loggten sich am vergangenen Wochenende über die Streaming-Plattform „Twitch“ ein, um das Finale der „Fifa-Kreismeisterschaft“ live zu verfolgen. Nach vier Wochen an den Konsolen konnte sich dabei der SV Neresheim in einem spannenden „Härtsfeld-Derby“ gegen die Initiatoren des Fußball-Turniers von der TSG Nattheim durchsetzen.

Als erste Titelträger durften die SVN-Kicker entscheiden, an wen die Siegesprämie aus den Startgebühren der 14 Vereine gespendet wird. Die insgesamt 700 Euro gehen nun an das Neresheimer Samariterstift. „Dort gibt es eine Behindertenmannschaft, die sich mit dem Geld neue Trikots oder Trainingsanzüge besorgen kann“, sagt SVN-Spieler Max Wanner, der auch das Finale für Neresheim bestritt. Damit habe man eine Option im Lokalen gefunden, die zudem in den Bereich des Fußballs falle.

Die Spendensumme spiegelt auch die große Unterstützung wider, die das Turnier bei den teilnehmenden Vereinen und deren Umfeld gefunden hat. TSG-Spieler und Turnierorganisator Florian Horsch ist jedenfalls zufrieden. „Wir haben rundum positives Feedback bekommen und denken schon über eine mögliche Fortsetzung nach“, so der 25-Jährige.

Dennoch hätte man bei der TSG selbstredend auch gerne den Titel geholt. „Gerade gegen Neresheim schmerzt die Niederlage natürlich schon ein wenig mehr“, sagt der Nattheimer Spieler Lukas Kirschinger. „Aber immerhin war das Ganze ja für einen guten Zweck, daher können wir über die Niederlage etwas leichter hinwegsehen.“

Dabei ging Kirschinger, der im echten Leben in der zweiten Mannschaft der TSG spielt, im Finale früh mit 2:0 in Führung. Aus irgendeinem Grund sei Max Wanner aber wieder zurückgekommen, schaffte erst den Ausgleich und kurz vor Schluss sogar das 4:2 zum Turniersieg. War da bei Kirschinger auch Nervosität im Spiel? „Das glaube ich eigentlich nicht“, sagt der Fußballer. Vor Publikum habe der 19-Jährige zwar noch nie Fifa gespielt, aber er sei stets konzentriert geblieben. „Wie im echten Leben ist es schon cool, wenn Leute beim Spielen zuschauen. Aber eben vor allem, wenn man gewinnt.“

Max Wanner indes durfte sich über seinen Streich freuen. Dabei war nach dem Finale die Feierlaune im Team größer als die Möglichkeiten für eine ordentliche Meisterfeier. „Wir haben immerhin telefonisch angestoßen, aber dann hat halt jeder so vor sich hingefeiert“, sagt Wanner, der im echten Leben als Sechser für den SVN aufläuft.

Für den Finalsieg habe ihm auch seine Einstellung aus dem echten Fußballleben geholfen, so der 24-Jährige: „Aufgeben gibt es bei mir nicht.“ Wenn mancher Teamkollege bei großen Rückständen schon den Schiedsrichter zum Abpfiff auffordere, bleibe Wanner immer ehrgeizig.

Eine besonders große Fangemeinde konnte der FV Sontheim im Verlauf des Turniers vorweisen, was sich laut Spieler Tobias Hörger in regelmäßig hohen Zuschauerzahlen äußerte. „Ich denke, Fußball kann einfach gut begeistern, und das gilt offenbar auch für die virtuelle Variante.“ In der corona-bedingten Zwangspause fehle eben das Gemeinschaftliche rund um den Fußball. Mit dem Turnier an der Konsole habe man sich Abhilfe geschaffen. „Mit einigen Leuten sind neue Kontakte entstanden, wir sind zum Beispiel für die Zeit nach Corona bei den Bayern Bazis aufs Grillfest eingeladen“, erzählt Hörger. Einer Fortsetzung stehe nichts im Weg.

Landkreis Heidenheim

Fußballer aus dem Kreis messen sich an der Konsole

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