Aalen/Heidenheim / LUKAS DIETZEL Beim Fußball-Drittligisten VfR Aalen rumort es derzeit gewaltig. Der VfR-Aufsichtsratsvorsitzende Uwe Burkhardt sah sich am Mittwoch sogar genötigt, seinen Posten zu räumen, weil er die Zusammenarbeit des VfR mit einem NPD-Capo als Fanvertreter verharmloste. Doch wie sieht es beim 1. FC Heidenheim mit rechtsextremistischen Strömungen aus?
Die Vorgeschichte: Vor einigen Wochen hatten sich Sponsoren und Vereinsvertreter des VfR zu einem Strategiegespräch in Abtsgmünd getroffen. Das Brisante: Teil der Gesprächsrunde war auch Dominik Stürmer, VfR-Anhänger und Kreisvorsitzender der NPD Ostalb. Stürmer war als Fanvertreter in die Runde geladen worden, er ist laut einem Bericht der „Schwäbischen Post“ als „Capo“ der Anheizer bei den Ultras der VfR-Fußballer. Ein mehrjähriges Stadionverbot, das wegen tätlicher Angriffe auf gegnerische Fans gegen ihn verhängt wurde, sei derzeit ausgesetzt, schreibt die „Schwäbische Post“.

Wie die Zeitung weiter berichtet, war Stürmer vom Aufsichtsratvorsitzenden Uwe Burkhardt, der gleichzeitig auch Geschäftsführer beim VfR-Hauptsponsor Prowin ist, über den VfR-Fanbeauftragten persönlich angesprochen worden. Auf die politische Gesinnung des NPD-Mannes und seine Teilnahme am Strategiegespräch angesprochen, antwortete Burkhardt: „Was soll daran verwerflich sein?“ Weiter sagte der Aufsichtsratvorsitzende: „Wir sind ein Fußballverein. Wir kümmern uns um Fußball. Fertig.“

Zwei Tage nach Veröffentlichung des Artikels zum Thema in der „Schwäbischen Post“ reagierte nun der VfR Aalen: Am Mittwochabend teilte der Verein mit, dass Uwe Burkhardt von seinem Posten im Aufsichtsrat zurückgetreten sei und sich für seinen Fehler entschuldigt habe. In der Pressemitteilung distanzierte sich der Fußball-Drittligist ausdrücklich von Burkhardts Aussagen sowie von Rechtsradikalismus, Gewalt und Diskriminierung jeder Art.

VfR-Pressesprecher Sebastian Gehring sagte unserer Zeitung, dass es – solange die NPD nicht verboten ist – schwierig sei, nationalistisch gesinnte Fußballfans fern zu halten. „Sollte im Stadion aber irgendetwas auftauchen, wie etwa verbotene Symbolik, werden wir sofort reagieren“, versicherte Gehring. Außerdem werde der Verein auch dieser Saison wieder Aktionen mit Flüchtlingen bei Heimspielen des VfR veranstalten und weiterhin das „Kicken gegen Rechts“ des Kreisjugendrings Ostalb in Oberkochen unterstützen.

Kein Verein ist davor gefeit, dass sich nationalistisch eingestellte Fans unter die eigenen Anhänger mischen. Beim 1. FC Heidenheim ist man sich dieser Problematik bewusst: „Wir haben auf der Tribüne einen Querschnitt der Bevölkerung. Daher ist nie auszuschließen, dass es welche gibt, die rechtes Gedankengut pflegen“, sagt der FCH-Fanbeauftragte Fabian Strauß.

„Wir tun aber alles dafür, um nicht derart unterwandert zu werden und geben dieser Art Gedankengut keinerlei Plattform“, sagt Strauß. Um rechte Tendenzen unter Fans nicht zum Tragen kommen zu lassen, unterstütze der FCH die positiven Strömungen. „Unsere Möglichkeit ist es, die guten, gesellschaftlich richtigen Werte zu stärken“, so Strauß.