Es war die erste Saison für die E-Sportler des 1. FC Heidenheim, die prompt zum Sieg der Virtual Bundesliga Club Championship am vergangenen Sonntag führte. Als Tabellenzweiter der Division Süd-Ost hatte sich der FCH nach RB Leipzig direkt für das Finale qualifiziert.

Finale wurde im Fernsehen übertragen

Für das Finale, das auch im linearen Fernsehen übertragen wurde, entsendete jedes Team mindestens zwei Spieler, beim FCH waren es drei Spieler, Denis Müller, Serhat Öztürk und Deniel Mutic. Mit zum Team gehören außerdem Niklas Luginsland und Oliver Häußler. In der Gruppenphase am Samstag holten die Heidenheimer im Stuttgarter Gaming-Room 18 Punkte und zogen damit souverän als Tabellenerste ins Halbfinale ein.

26 von 36 DFL-Klubs waren dabei

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) rief vor einiger Zeit die virtuelle Bundesliga ins Leben. Ziel war es, den Wettbewerb im Internet als dritte Wettbewerbsmarke neben der 1. und 2. Bundesliga zu etablieren. In der abgelaufenen Saison waren 26 von 36 DFL-Klubs vertreten, vor der Saison wurden zwei Divisionen mit jeweils 13 Mannschaften gebildet. In einer Play-off-Phase wurden am Sonntag dann die Finalpartien ausgespielt. So kam es, dass die FCH-Mannschaft im Halbfinale den 1. FC Köln mit 2:0 Siegen schlagen konnte.

Auch St. Pauli wurde geschlagen

Im Finale wurde der FC St. Pauli ebenfalls mit 2:0 Siegen geschlagen. Nachdem der FCH nach den ersten beiden Spielen mit 6:0 Punkten – für jeden Sieg gibt es drei Punkte – in Führung lag, musste die dritte Partie mit Deniel Mutic nicht mehr gespielt werden. Mutic hatte bereits in der Gruppenphase einige Siege einfahren können.

Wo kommen die Namen her?

Was bei den Matches sofort auffällt, sind die Spielernamen, die keine Klarnamen sind. Wie kommen diese Namen zustande? Deni „Deni_10“ Mutic etwa besitzt seinen Spielnamen bereits seit sieben Jahren: „Woher der Name kommt, ist klar, die Zehn kommt von meiner Rückennummer, mit der ich lange selbst aufgelaufen bin.“ Bei Serhat „Serhatino01“ Öztürk hingegen setzt sich der Spielername aus dem Namenszusatz „inho“, eine Hommage an Öztürks Lieblingsspieler Ronaldinho, und den letzten beiden Ziffern seines Geburtsjahres zusammen.

Das Geheimnis ist eine gute Vorbereitung

Wie konnte es die Mannschaft, die erst seit Herbst existiert, schaffen, deutscher Klubmeister zu werden? „Das Geheimnis liegt in der guten Vorbereitung“, erklärt Spielercoach Mutic. Schon zwei bis drei Wochen vor dem großen Finale trainierte die Mannschaft sowohl gemeinsam als auch getrennt. Darüber hinaus wurden die Gegner, wie beim realen Fußball auch, eingehend analysiert. „Man schaut sich Spiele online an und beginnt, die Gegner zu analysieren. Besonders haben wir uns natürlich auf die drei Gegner aus unserer Gruppe vorbereitet“, so Mutic.

Spielmuster kann man erkennen

Ist es wirklich so einfach, Muster und Spielzüge in den Online-Partien zu erkennen? Schließlich spielt man ja nur gegen einen anderen Spieler, nicht gegen eine ganze Mannschaft. „Jeder Spieler hat seine Spielart, die man auch erkennt, wenn man lange genug hinsieht. Das geht weit darüber hinaus, ob jemand auf Ballbesitz spielt oder nach dem Motto ‚kick and rush‘. So kann man sich zum Beispiel auch gut auf einen Gegner einstellen, der seine Angriffe hauptsächlich über außen spielt“, erklärt Mutic.

Geringe Entfernung ist Trumpf

Was die Mannschaft zudem zusammenhalte, sei die geringe räumliche Entfernung der Spieler zueinander. Während Spieler anderer Vereine mehrere Hundert Kilometer voneinander entfernt wohnen, sei es bei den FCHlern ein Vorteil, dass alle Spieler aus dem Großraum Stuttgart stammen. So hätte man sich fast jeden Tag im Stuttgarter „Gaming-Büro“ getroffen. Die Trainingseinheiten samt Analysen nähmen täglich mindestens vier bis fünf Stunden in Anspruch. Bei den Partien selbst motivierten sich die Spieler gegenseitig. Denn anders als bei großen Stadionpartien haben die E-Sportler keine Fans im Rücken.

Was tun bei Serverabbruch?

Während der regulären Saison kam es auch einmal vor, dass die Server-Verbindung abbrach und das Match damit unterbrochen wurde. Als Vereinsvertreter musste Jochen Kreiten, Bereichsleiter des E-Sports beim FCH, umgehend Kontakt zur Liga aufnehmen und den Vorfall melden. Nach einer kurzen Unterbrechung konnte das Spiel regulär fortgesetzt werden. „Ein Grund, nervös zu werden, ist es allerdings nicht. Man weiß, dass die Partie neu gestartet wird, und fokussiert sich dann auch neu auf den Gegner“, sagt Mutic. Angesetzt ist ein Spiel übrigens auf zweimal sechs Minuten, plus in der Regel 30 Sekunden Nachspielzeit.

Keine Angabe zur Prämie

„Eine Siegprämie im Mannschaftswettbewerb gibt es nicht. Vor der Saison gab es aber eine Antrittsprämie von der DFL, um die Teilnahme wirtschaftlich attraktiv zu gestalten“, sagt Kreiten. Um wie viel Geld es sich dabei handelt, darüber hat die DFL bereits zu Saisonbeginn auf HZ-Anfrage keine Auskunft gegeben.

40 000 Euro für den Einzelfinal-Sieger

Bekannt ist das jedoch beim Wettbewerb der Einzelspieler, der jetzt noch ansteht. Beim Einzelfinale, das am 6. Juni stattfindet, erwartet den Sieger eine Prämie von 40 000 Euro. Dorthin entsendet der FCH Denis Müller und Serhat Öztürk. Mutic hat über die Play-offs ebenfalls die Möglichkeit, ins Finale einzuziehen. Dafür muss er unter den besten 64 des Play-offs mindestens Platz acht erreichen.

Insgesamt 100 000 Euro Prämie


Das Einzelfinale, das genauso wie die Play-offs im Modus FIFA Ultimate Team (Bundesliga-Version) ausgetragen wird, findet dieses Jahr am ersten Juniwochenende statt und hat sich in den vergangenen Jahren zum Höhepunkt in der deutschen FIFA-Szene entwickelt. Im vergangenen Jahr betrug der Preispool 45 000 Euro, wovon der amtierende Deutsche Meister Yannic Bederke insgesamt 25 000 Euro gewann. Sein unterlegener Gegner, Kai „deto“ Wollin, erhielt 10 000 Euro. Im diesjährigen Grand Final geht es um 40 000 Euro für den Sieger, der Zweitplatzierte erhält immerhin 20 000 Euro. Damit aber nicht genug: Bis zu Platz 16 (1500 Euro) geht kein Teilnehmer des 32-köpfigen Teilnehmerfeldes leer aus.