Nattheim / Nadine Rau Nachwuchs: Jede Menge Kinder und 15 Trainer: Davon träumt so manche Fußballabteilung. Die TSG Nattheim hat all das indes bereits. Doch wie wird mit so vielen Leuten geplant?

Man versteht sein eigenes Wort kaum mehr in der vollen Turnhalle. Lauter kleine Fußballer wuseln mit ihren Bällen umher, wären die Trainer nicht viel größer, würde man sie in der Menge nicht einmal finden. Nach ein paar Minuten tritt einer davon aus der Menge heraus: „Wir lassen die Kids immer erst ein bisschen toben, bevor wir richtig anfangen“, sagt Frank Wiedenmann.

Heute sei ein besonderer Tag für die Kleinen – nicht nur, weil die Presse da ist. Die ältesten Bambini trainieren heute nämlich zum ersten Mal mit den Spielern der F-Jugend zusammen. Insgesamt sind 45 Kinder da. „Wir wollen bald zusammen draußen trainieren, da sollen sich die Kleinen mit den Älteren verstehen“, so der Coach.

Wiedenmann ist einer von 15 ehrenamtlichen Trainern der Fußballabteilung. „Bei uns gibt es nie Not am Mann“, sagt sein Kollege Armin Haas, der heute auch zum achtköpfigen Trainergespann gehört. 14 der 15 Trainer haben ihren eigenen Sohn im Verein, lediglich einer kommt aus der A-Jugend und macht das auch einfach gerne.

Die beiden Trainer stehen auf, gehen zurück zu ihren Schützlingen. Genug getobt: Alle kommen in einem Kreis zusammen. Wiedenmann begrüßt sie, dann teilt er die Kinder in kleine Gruppen ein, die sich zu verschiedenen Trainern in allen Ecken der Halle aufmachen.

Es geht nicht nur um Fußball

Jetzt heißt es dribbeln, passen, aufs Tor schießen, die Koordination trainieren. Doch eigentlich geht es bei der TSG Nattheim gar nicht nur um Fußball. „Der Schwerpunkt liegt bei uns nicht auf der sportlichen Ausbildung“, sagt Haas. Vielmehr gehe es darum, den Kindern soziale Kompetenzen zu vermitteln: Was heißt Fairplay, wie gehe ich mit Schwächen um, wie verhalte ich mich im Team? Außerdem solle der Verein ein Beitrag für den Standort Nattheim und die Gemeinschaft sein.

Gerade weil es nicht nur um Fußball geht, haben sich die Trainer etwas einfallen lassen: den Fußball-Kindergarten. Das heißt, auch Vierjährige dürfen schon ins Training kommen und werden dort separat betreut. Dabei geht es ganz generell um Bewegung und um Koordination, vor allem aber auch um Spaß und ums Team.

Neben dem Fußball-Kindergarten gibt es noch ein freiwilliges Fördertraining. Das richtet sich an die Kinder, die von den Bambini in die F-Jugend kommen und deshalb auf zweimal Training pro Woche aufstocken. So können sie sich an das neue Pensum gewöhnen. „Wir wollen die Übergänge in neue Gruppen und die Integration dort gut hin bekommen“, so Haas.

Aber wie soll man sich bei so vielen Kindern und verschiedenen Angeboten organisieren? „Das ist eine Art logistisches Werk“, sagt Haas, während Wiedenmann die Pläne fürs Training heraus kramt.

Wie klappt die Organisation?

Wiedenmann erklärt, wie's geht: Jeder Trainer trägt in einen Online-Terminplaner ein, wann er kann und wann nicht. Daraus entsteht ein Monatsplan, in dem den verfügbaren Trainern jeweils ein Drittel der Zeit zugeteilt wird. In einem E-Mail-Postfach sind außerdem Übungen angelegt. Da kann sich jeder Trainer Übungen aussuchen oder neue hinzufügen.

Wenn es zu Turnieren geht, laufe es ähnlich ab. Da gebe es online die Auswahlmöglichkeiten „Ich bin dabei“, „Wir fahren direkt“ oder „Leider kann ich nicht teilnehmen“. Die nächste Spielrunde beginnt im Mai, die TSG hat dafür bereits fünf Mannschaften gemeldet. An vier Spieltagen gilt es dann, den Überblick zu behalten. Die Stränge laufen alle bei Wiedenmann zusammen, er investiert für die Planung circa eine Stunde Zeit am Tag.

Das liegt nicht nur am Training und an den Spieltagen. Die Kinder machen auch bei Läufen mit oder bei vereinseigenen Turnieren wie der Mini-Champions-League, die heuer auf dem Plan steht. Alles soll dann genauso aussehen wie bei der echten Champions League. Das Siegerteam darf sogar im Regen aus goldenem Glitter stehen. „Aber natürlich bekommt jedes Kind einen Pokal“, so Wiedenmann.

Wenn Kinder Kindern Vorbild sind

„Auf Turnieren und Spielen sind wir immer gut“, sind sich die jungen Fußballer Niklas Hahn, Julian Wiedenmann und Sven Prockl einig. Sie lieben es, Fußball zu spielen, mögen aber auch die anderen Dinge im Training, Seilhüpfen etwa. „Einmal haben wir Sit-ups gemacht, da waren wir richtig fertig“, erinnert sich Hahn. Heute haben die acht- und neunjährigen Kids eine besondere Aufgabe: „Wir erklären den Neuen alles, wollen einfach ein Vorbild für die sein“, so der angehende Torhüter Prockl.

Wie viele Torhüter gibt es eigentlich bei so vielen Kindern? „Gefühlt sind sie alle Torhüter“, sagt Wiedenmann und lacht. Aber er schaut danach, dass jedes Kind jede Position kennenlernt. Am Ende eines jeden Trainings, beim Abschlussspiel, können die Kinder dann zeigen, was sie können.

Damit nicht alle nur im Pulk hinter dem Ball herlaufen, hat Wiedenmann ein System. „Die Kinder bilden einen Drachen“, sagt er. Aufgeteilt sei der in Drachenkopf, zwei Drachenflügel und einen Drachenschwanz. Wenn Wiedenmann „Kleiner Drache!“ schreit, heißt das für die Kinder, eng zu stehen. Bei dem großen Drachen, dann, wenn die Mannschaft in Ballbesitz ist, sollen sie den ganzen Raum der Halle nutzen.

Den Raum der Halle, so Wiedenmann, nutze die Truppe übrigens nicht nur zum Fußballspielen. „Bei unserer Weihnachtsfeier sind wir so viele Leute – wo sollten wir also sonst feiern als in der Turnhalle?“