So ist das mit den Rekorden, man sollte sie wohl nie zu sehr thematisieren. Am 20. Oktober 2012 hatte der FCH sein letztes Heimspiel verloren, bei einem Erfolg gegen Leipzig hätten die Heidenheimer ein Jahr voll gemacht, da das nächste Punktspiel in der Voith-Arena erst am 26. Oktober ansteht. Doch die Gäste aus Sachsen hatten da etwas dagegen. Der mit riesigem Etat, großen Vorschusslorbeeren und gesundem Selbstvertrauen (Motto: „Ab durch die 3. Liga“) in die Saison gegangene Aufsteiger zeigte auch nach Meinung der mitgereisten Beobachter sein wohl bisher bestes Auswärtsspiel in der 3. Liga und nahm mit einem 2:0-Sieg verdientermaßen die Punkte mit.

„Das war ein deutlich anderes Niveau von uns, als wir es in diesem Jahr schon gesehen haben“, meinte auch Leipzigs Trainer Alexander Zorniger, der sein Team wie immer sehr offensiv ausgerichtet hatte. Mit drei Stürmern und einer sehr hoch stehenden Viererkette ließen die Gäste dem FCH nur wenig Möglichkeiten zum geordneten Spielaufbau. Überraschend war diese Taktik ja nicht, Heidenheims Trainer Frank Schmidt hatte seine Truppe in der Trainingswoche darauf eingestellt, trotzdem fanden seine Mannen am Samstag nicht die geeigneten Mittel.

FCH agiert mit einem Stürmer

Beim FCH hatte es gegenüber dem 2:2 in Burghausen zwei Änderungen gegeben. Nachdem Julius Reinhardt wieder zur Verfügung stand, setzte Schmidt gegen die geballte Offensivkraft des Aufsteiger wie erwartet auf nur einen Stürmer (Smail Morabit blieb also zunächst draußen) und drei defensive Mittelfeldspieler. Reinhardt, Sebastian Griesbeck und Marcel Titsch-Rivero konnten aber diesmal nicht an die schon gezeigten Leistungen anknüpfen. In der Viererkette spielte wieder Dennis Malura anstelle von Robert Strauß, kam jedoch kaum zu seinen gefürchteten Vorstößen in die gegnerische Hälfte. Die gesamte Abwehrreihe agierte nach starkem Beginn in den zweiten 45 Minuten nicht mehr souverän, ließ sich mehrfach von den Gästen ausspielen.

Dabei birgt die Leipziger Spielweise durchaus großes Risiko, zwischen Tor und Abwehrreihe klaffte ein große Lücke, doch gelang es den FCHlern nur selten, in diese hineinzustoßen. „Der lange Ball war – zumal bei diesen Wetterverhältnissen – nicht das richtige Mittel, wir wollten viel mehr über die Außen kommen, aber das ist uns nicht gelungen“, resümierte Schmidt. Ihm war klar, dass seine Mannschaft angesichts des Leipziger Pressings höllisch aufpassen musste. „Da war ich auch zufrieden und bin davon ausgegangen, dass meine Mannschaft in der zweiten Halbzeit so weitermacht“, sagte Schmidt, der dann aber mit ansehen musste, wie Leipzig nach dem Seitenwechsel immer ballsicherer und kombinationsfreudiger wurde, während seine Mannschaft nach einer ausgeglichenen und trotz der wenigen Chancen guten ersten Halbzeit abbaute.

Fehlpass bringt Heidenheim auf die Verliererstraße

Die Entscheidung fiel dann wohl um die 60. Minute, als die Heidenheimer zunächst die Chance zur Führung vergaben und dann nach einem Fehlpass das 0:1 kassierten. „Solche Fehler dürfen auf diesem Niveau einfach nicht passieren“, schimpfte Schmidt. Der Rückstand kam natürlich auch zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, Heidenheims Trainer hatte schon einen Doppelwechsel vorbereitet, wollte – was in den letzten Spielen ja gut funktionierte – durch neuen Schwung von der Bank das Blatt wieder wenden.

Doch so stand es schon 0:1, als Michael Thurk und Smail Morabit ins Spiel kamen, und ein echtes Aufbäumen der FCHler blieb aus. „Von der Moral, die uns sonst immer auszeichnete, war diesmal wenig zu sehen. Aufgrund einer schwachen zweiten Halbzeit haben wir heute verdient verloren“, so Schmidt.

Obwohl es in den letzten beiden Partien nur zu einem Punkt gereicht hat, führt der FCH noch klar die Tabelle an, da auch die bisherigen Verfolger Wehen-Wiesbaden und Erfurt verloren. Das Feld ist aber wieder enger zusammengerückt und die Heidenheimer werden in den nächsten Wochen den Beweis erbringen müssen, dass sie auch gegen die Mannschaften aus dem vorderen Drittel der Liga gewinnen können. Bis zur sicherlich sehr schweren Aufgabe in Erfurt dauert es aber noch 14 Tage, das nächste Wochenende pausiert die 3. Liga wegen eines Länderspiels.

FCH – RB Leipzig 0:2 (0:0)
Heidenheim: Sabanov – Malura, Göhlert, Wittek, Heise – Reinhardt, Griesbeck, Titsch-Rivero (78. Mayer) – Sökler (63. Thurk), Schnatterer – Niederlechner (63. Morabit)
Leipzig: Coltorti – Müller, Hoheneder, Franke, Heidinger – Kaiser (82. Sebas-tian), Ernst, Kimmich – Poulsen (38. Kammlot), Frahn, Morys (54. Röttger)
Tore: 0:1 Frahn (61.), 0:2 Kaiser (78.)
Schiedsrichter: Dr. Drees (Münster-Sarmsheim)
Gelbe Karten: Schnatterer – Morys, Heidinger, Röttger Rote Karte: Müller (81./Tätlichkeit)
Zuschauer: 10 200