Kreis Heidenheim / Nadine Rau Ulrich Dannemann pfeift schon sein Leben lang, Felix Matthias Renner hat erst angefangen. Welche Erfahrungen haben die beiden Schiedsrichter bisher gemacht?

Sich über den Schiedsrichter aufzuregen, gehört zu einer waschechten Partie Fußball fast schon dazu. Ob in der Bundes- oder Bezirksliga: Die Emotionen kochen über, der Unparteiische kriegt sie meistens ab.

Ulrich Dannemann und Felix Matthias Renner kennen sich damit bestens aus, denn sie sind diejenigen, die mit gelber und roter Karte ausgestattet, das Sagen auf dem Rasen haben.

Dannemann ist mit 80 Jahren der älteste Schiedsrichter im Kreis, Felix Matthias Renner ist mit 15 Jahren der jüngste. Dannemann kommt aus Heidenheim und pfeift für den FCH, Renner kommt aus Giengen und leitete Spiele für den SV Bissingen.

„Damals, 1952, wurden dringend Schiedsrichter gebraucht. Und über das Taschengeld hab ich mich natürlich gefreut“, erzählt Dannemann von seinen Anfängen. Renner hat sich nach einer Anfrage aus dem Verein spontan dazu entschieden, Schiedsrichter zu werden. Bisher bereut er seine Entscheidung nicht, dem Nachwuchsmann macht es richtig Spaß.

Bei einem Neulingskurs, der sich über fünf Tage erstreckte, hat er alle Regeln kennengelernt, die man als Schiri drauf haben muss. In einer Prüfung wurde sein Wissen später abgefragt.

Im Amateurbereich ist es schwer

Selbst nach so kurzer Zeit „im Amt“, ist er sich schon jetzt mit Dannemann in einem Punkt einig: „Die Schiris in der Bundesliga haben es einfacher als wir, mit zwei Assistenten und manchmal sogar dem Videobeweis.“ Berufsspieler wollen außerdem immer spielen, denen schade jede gelbe Karte, während das hier im Kreis ganz anders sei. „Vielen Spielern ist das doch so egal, die kriegen rot und gehen dann halt nach Hause“, erzählt Dannemann.

Seine größten Probleme habe er auf dem Rasen damit, dass er oft zu großzügig pfeife und nicht konsequent genug sei. Renner hingegen fällt es bislang am schwersten, alleine zu sehen, wenn ein Spieler im Abseits ist. Beide Schiedsrichter versuchen aber, nach dem Spiel aus ihren Fehlern zu lernen. „Manchmal weiß ich selbst, das war nix“, so Dannemann.

Kritik von den Trainern

Am meisten kritisiert werden die beiden dann von den Trainern. „Es gibt Trainer, da weiß ich vorher schon ganz genau, heute wird es laut“, sagt Renner. „So schnell können wir nach einem Foul gar nicht zur Pfeife greifen, wie die los schreien“, sagt auch Dannemann. Tätlich angegriffen wurden die beiden glücklicherweise noch nicht, sondern nur verbal.

In der Klemme steckte Renner aber schon. „Nach einer Halbzeit hat ein Team gesagt, es geht jetzt. Da wusste ich echt nicht mehr, was ich machen soll.“ Dannemann hingegen blieb ein positives Erlebnis im Gedächtnis: „Da hat doch wirklich der Trainer des Verlierer-Teams hinterher zu mir gesagt, dass er selten einen so guten Schiedsrichter erlebt habe.“

Heute fällt Dannemann das Pfeifen zunehmend schwerer. Deshalb übernehme er am liebsten die Spiele der Frauen, da habe er kürzere Strecken zu laufen. Am schwierigsten fand er schon immer die Spiele von der B-Jugend, also von den 15- bis 16-Jährigen. „Die sind echt schwer in den Griff zu kriegen.“ Renner ist jetzt in genau dem Alter, aber er selbst spielt gar nicht mehr.

Der perfekte Schiedsrichter?

„Bis zur A-Jugend war ich aktiv, danach nicht mehr“, sagt er. Dannemann hingegen hat sein ganzes Leben lang Fußball gespielt und war auch selbst mal Trainer. Er kennt alle Perspektiven – also: Wie sollte der perfekte Schiedsrichter aussehen?

„Er braucht ein souveränes Erscheinungsbild, muss energisch auftreten, sowohl durch Gestik als auch mit der Pfeife und darf auf keinen Fall zögerlich sein. Die Regeln muss er perfekt beherrschen und läuferisch immer so gut sein wie die Spieler auf dem Platz.“

Eine Vorlage also für den jungen Renner, der sein Schiedsrichter-Dasein erst so richtig beginnt. „Ich kann mir schon vorstellen, auch so lange dabei zu bleiben“, sagt er. Dannemann hingegen denkt langsam übers Aufhören nach: „Ich bin froh über jedes Spiel, das ich nicht pfeifen muss.“

Sie sind gefragt

In unserer diesjährigen Sommerserie „Die Spitzenreiter“ sind wir auf der Suche nach den Superlativen im Kreis Heidenheim. Diesmal haben wir Ihnen den ältesten und den jüngsten Schiedsrichter vorgestellt. Kennen auch Sie Menschen im Kreis, vielleicht welche, die in anderen Sportarten tätig sind, die schon ewig dabei sind oder ganz jung angefangen haben? Dann melden Sie sich bei uns. Schreiben Sie eine E-Mail an

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