Heidenheim / Thomas Grüninger Jubilar mit Perspektive: FCH-Kapitän Marc Schnatterer bestreitet am Samstag gegen RB Leipzig sein 150. Drittligaspiel. Absolviert hat er sie allesamt für den FCH, bei dem er noch bis 2015 unter Vertrag steht. An seinem Ziel lässt der 27-Jährige keine Zweifel: Er will in die 2. Liga. Marc Schnatterer, wussten Sie, dass Sie am Samstag gegen Leipzig ihr 150. Drittligaspiel bestreiten werden?

Nein. Aber nachdem ich mein 100. Spiel schon einige Zeit hinter mir habe, war klar, dass das irgendwann kommen wird.

Bedeutet es Ihnen etwas, schon so lange dabei zu sein?

Wenn ich das richtig gerechnet habe, steht für den FCH am Samstag das 164. Drittligaspiel auf dem Programm. Das heißt, ich habe in all den Jahren nur 14 Spiele verpasst. Das ist dann, denke ich, schon eine tolle Geschichte.

Können Sie sich noch ans erste Drittligaspiel erinnern?

Klar, es war 2009 das Heimspiel gegen den Wuppertaler SV (2:2). Das Stadion war gerade noch so für den Saisonstart fertig geworden, der Rasen frisch verlegt, es gab noch eine Holztribüne. Wenn man heute sieht, was daraus entstanden ist – ein echtes Schmuckkästchen.

An welches Spiel erinnern Sie sich gerne, was wir Ihr bitterster Moment?

Den bittersten Moment hatte ich in diesem Jahr. Es war das 0:0 am letzten Spieltag gegen Offenbach. Wenn man so nahe dran war am Relegationsplatz, dann ist man hinterher schon ziemlich leer.
Mein schönstes Erlebnis? Es gab viele schöne Momente. Ich kann da nicht ein einzelnes Spiel herauspicken. Die Heimspiele gegen Dresden gehören sicher dazu. Da war immer viel los – und wir waren ja auch zweimal erfolgreich.

Wenn's ums Ärgern geht: Grund dazu gab's auch am vergangenen Samstag in Burghausen. Hat Sie das Gegentor in der 90. Minute lange gewurmt?

Das hat mich schon richtig geärgert. Wir haben es Burghausen in dieser Situation zu leicht gemacht. Bitter war, dass wir uns für eine gute Leistung nicht belohnt haben. Das regt einen mehr auf, als wenn man schwach spielt und kurz vor Schluss noch ein Gegentor hinnehmen muss. In Burghausen haben wir gezeigt, dass wir auf einem guten Weg sind, dass unser Spiel nach vorne Klasse hat, dass wir nicht den Kopf verlieren und nur noch lange Bälle spielen, wie das im letzten Jahr noch manchmal der Fall war.

Was hat sich sonst noch positiv entwickelt im Vergleich zur Vorsaison?

Wir stehen hinten kompakter, lassen weniger Chancen zu, sind variabler, ideenreicher und haben mehr individuelle Klasse. Es stimmt in der Mannschaft – die Absprachen, die Harmonie auf dem Platz und auch außerhalb. Deshalb haben wir auch das nötige Selbstbewusstsein, um beispielsweise ein Spiel wie das gegen Münster noch drehen zu können.

Im vergangenen Spieljahr haben Sie noch nahezu jeden Freistoß und Eckball selbst getreten, jetzt wurden Spieler geholt, die Sie in dieser Hinsicht unterstützen und entlasten sollen. Macht sich das für Sie persönlich positiv bemerkbar?

Wir haben jetzt mit Sven Sökler und Julius Reinhardt zwei Spieler in der Mannschaft, die bei ihren bisherigen Vereinen als Schlüsselspieler agierten und ebenfalls für die Standards zuständig waren. Da liegt es nahe, sich bei diesen Aufgaben abzuwechseln. Das klappt auch ganz gut, ein kurzer Blickkontakt genügt da auf dem Spielfeld. Für mich sind die Wege dadurch etwas weniger geworden. Man kann durchschnaufen und hat Kraft für andere Dinge. Aber es ist zuvor auch nie so gewesen, dass ich da eine Belastung empfunden hätte.

Wie sind Sie denn mit Ihrer eigenen Leistung bislang zufrieden?

Ich habe sicher ein paar Spiele gebraucht, um wieder richtig reinzukommen, meinen Rhythmus zu finden. Aber seitdem läuft es eigentlich richtig gut. Die alte Spritzigkeit ist wieder da. Ich denke, dass hat man in Burghausen und gegen Münster auch sehen können.

Der nächste Gegner Leipzig war angeblich im Sommer daran interessiert, Sie zu verpflichten. Hätte es auch gut sein können, dass Sie am Samstag auf der anderen Seite stehen?

Leipzig hat das ja dementiert. Ich selbst will mich heute nicht mehr dazu äußern.

Trotzdem nochmals nachgehakt: War die Gefahr groß, dass Sie den FCH verlassen würden?

Die 2. Liga ist mein Traum. Da will ich hin, dafür haue ich mich rein. Ich werde demnächst 28 Jahre alt, da hat man nicht mehr so viele Chancen, diesen Traum wahr werden zu lassen. Ich habe nach dem verpassten Aufstieg mit dem FCH lange und sehr offene Gespräche mit den Verantwortlichen geführt. Ich wollte mir bewusst auch Zeit nehmen, alles genau überlegen. Letztlich habe ich mich entschieden zu bleiben. Und ich bleibe auch sehr gerne. Mit Heidenheim einen neuen Anlauf zu nehmen, ist auch nach fünf Jahren Zugehörigkeit noch eine sehr reizvolle Aufgabe.

War es für Sie da auch wichtig, dass der Verein entsprechende Signale in dieselbe Richtung gab?

Ja. Für mich war es wichtig, dass sich der Verein mit Spielern verstärkt, die die Qualität in der Mannschaft weiter verbessern. Ich muss das auch einmal sagen: Hier wird beim FCH seit Jahren sehr gute Arbeit geleistet. Die Erwartungshaltung steigt ständig, die Ansprüche werden höher. Das lässt sich nicht aufhalten. Aber man darf es auch nicht als selbstverständlich sehen, dass man über Jahre hinweg – mit wenigen Ausnahmen – vorne mitspielt. So etwas bekommen auch große Klubs nicht so konstant hin. Deswegen muss ich da auch mal ein Kompliment aussprechen. Auch jetzt haben wir wieder einen guten Saisonstart hingelegt. Ich hoffe, wir können das so beibehalten.

In diesem Jahr ist es sogar so, dass der FCH überall als Topfavorit angekündigt wird, im Stadionheft von Wacker Burghausen war sogar vom „Vorzeigeklub der 3. Liga“ die Rede. Ist es schwer, mit dieser neuen Rolle zurechtzukommen?

Wir kriegen das gar nicht alles so mit, was andere über uns sagen oder schreiben. Manchmal werden wir vielleicht auch in diese Rolle gedrängt, weil sich jemand dahinter verstecken will. Einige machen sich da bewusst kleiner als sie sind. Wir sind ganz sicher nicht die einzigen, die zum Kreis der Aufstiegsfavoriten zählen.