Heidenheim / Nadine Rau Es war ein Abend voller mitreißender Geschichten: Die Heidenheimer Zeitung hat auf dem Schlossberg zum 40. Mal die von den Lesern gewählten Athleten des Jahres ausgezeichnet.

Als Mario Götze 2014 in der Verlängerung das heiß ersehnte Tor zum Weltmeistertitel erzielt hat, war das ein sportlicher Moment, der unvergessen bleibt. Aber auch in kleineren Dimensionen ereignen sich im Sport faszinierende Augenblicke, und zwar bei uns vor der Haustüre. So war am Donnerstagabend bei der Sportlerehrung der Heidenheimer Zeitung die erste große Überraschung das Ergebnis bei den Mannschaften: die Ringer aus Nattheim, die die Saison in der Verbandsliga auf Rang vier abgeschlossen haben, konnten sich sogar gegen die Heideköpfe und den 1. FC Heidenheim behaupten. Mit einem komfortablen Vorsprung holten sich die Nattheimer den Titel – zum ersten Mal in den 40 Jahren, die es die HZ-Sportlerwahl gibt.

Wie sie das angestellt haben, das wusste auch Abteilungsleiter Alexander Esslinger nicht so recht zu beantworten. „Das ist eine gute Frage. Unsere ersten drei, vier Kämpfe waren so gut, dass in Nattheim eine Euphorie ausgebrochen ist“, vermutete der Sportler im Gespräch mit HZ-Redakteur Thomas Jentscher.

Mit 20 Mann waren die jubelnden Ringer auf die Bühne gekommen, eine verschworene, strahlende Truppe. Unter ihnen nur ein Mann ohne blauen Trainingsanzug: Herbert Maurer, der vor 40 Jahren bei der ersten Wahl platziert war und jetzt mit seinem Sohn auf die Bühne durfte. Noch eine Überraschung, die die Sportredaktion nicht ahnen konnte.

Sie konnte vor 40 Jahren auch nicht wissen, dass es die Ehrung der HZ so lange geben würde. Dass die Leser Jahr für Jahr für ihre Lieblingssportler abstimmen würden und so manche Erfolgsgeschichte gestrickt würde. Erfolgsgeschichten wie die von Sabine Krapf (Moderner Fünfkampf) oder dem Florett-Ass Ralf Bißdorf, die die Wahl mit ihren vielen Siegen geprägt haben. Die am Ehrungsabend dank Videos sogar ein bisschen im Congress-Centrum dabei waren, obwohl sie nicht mehr hier wohnen. Und die nicht mehr damit gerechnet hatten, dass die HZ irgendwann noch einmal bei ihnen anklopft, um nach Geschichten aus längst vergangenen Tagen zu fragen.

Auch HZ-Geschäftsführer Martin Wilhelm knüpfte an alte Zeiten an, indem er „aus Nostalgie heraus“ die Tradition des Pokals für die Sportler wieder hat aufleben lassen. Anlässlich des Jubiläums hat er die Preise für die Sportler erhöht und stattdessen auf eine Party, wie es Moderator Markus Brock erwartet hätte, verzichtet.

„Es gäbe zwar viele Gründe zu feiern, aber mein Großvater und mein Vater haben immer die Sportler in den Mittelpunkt gestellt“, betonte Wilhelm. Die Wahl sei mit 3292 Teilnehmern gut gelaufen, auch deshalb, weil die Leser durch den neuen Modus bis kurz vor Schluss mitverfolgen konnten, wer die Nase vorne hat.

Bis zum Schluss die Nase vorn hatte bei den Frauen die Skifahrerin Katharina Haas, die vor Turnerin Nicole Fritz und Sportakrobatin Celine Caro Erste wurde. Wie es bei einer erfolgreichen Skifahrerin nicht anders sein kann, konnte Haas wegen eines wichtigen Rennens in Berchtesgaden nicht zur Ehrung kommen. Ihre Mutter Beate Haas verriet an ihrer Stelle, dass sich ihre 16-jährige Tochter im Skiinternat in Oberstdorf gut eingelebt habe. Auf der Piste müsse Katharina in diesem Jahr schwer kämpfen, weil sie dem jüngsten Jahrgang ihrer Altersklasse angehöre. Top-Ten-Platzierungen bei Jugendwertungen seien daher ihr großes Ziel.

Schon viele Schritte weiter in ihrer sportlichen Karriere sind die Zweit- und Drittplatzierten. HSB-Turnerin Nicole Fritz verkündete gar das Ende ihrer Laufbahn beim HSB. Nach ihrem Umzug nach Stuttgart hat sie keine Möglichkeit mehr, ausreichend zu trainieren. „Es könnte also das letzte Mal sein, dass ich hier stehe“, sagte die 27-Jährige wehmütig.

Zum ersten, aber vielleicht nicht letzten Mal ausgezeichnet wurde Celine Caro vom SV Mergelstetten. Sie will als Trainerin in ihrem Verein noch viel erreichen und die Aussichten dafür stehen gut. Ihre Mutter Stefanie Caro wusste sogar von einem Aufnahmestopp im Verein zu berichten. Ebenso wie bei den Damen wählten die Leser auch bei den Herren neue Gesichter – alle drei standen zum ersten Mal auf der Bühne: Hammerwerfer Michael Burger wurde Erster, Fechter Niklas Multerer Zweiter, der Mountainbiker Ingo Kaufmann Dritter.

Im Hinblick auf seinen jüngsten Erfolg beim Grand Prix in Doha sagte Multerer: „Ich bin froh, wieder im Rennen zu sein.“ Der 30-Jährige möchte jetzt den Sprung in die Nationalmannschaft schaffen. Multerer verließ die Bühne aber nicht, ohne für ein paar Lacher zu sorgen. „Der letzte Olympiasieger war glaube ich 42. Man kann den Sport schon bis ins hohe Alter betreiben“, so Multerer.

Noch viel vor hat auch der diesjährige Sieger Michael Burger. Er will mit seinem neuen Hammer mit sechs Kilogramm Gewicht die 70-Meter-Marke endlich knacken und bei der Europameisterschaft in Schweden dabei sein. „Das ist mein ganz großes Ziel.“

Große Ziele fürs laufende Jahr

Und apropos Ziele: Heideköpfe-Trainer Klaus Eckle möchte zwar mit seiner Mannschaft beim CEB European Cup in Brünn gewinnen, weil die Baseballer dafür aber das nötige Kleingeld brauchen, verwandelte er die Ehrung kurz in eine Sponsoren-Veranstaltung: „Ich hoffe, wir toppen die Summe vom Vorjahr.“ FCH-Trainer Frank Schmidt indes bleibt bei seinem Ziel – dem komfortablen Klassenerhalt.

Manchmal ist es eben schön, auch an etwas festzuhalten. Und so hatte HZ-Geschäftsführer Martin Wilhelm noch eine Nachricht parat, die zur Abwechslung nicht so überraschend war: die Sportlerwahl, das versicherte er, wird es auch in diesem Jahr wieder geben.