Heidenheim / Thomas Jentscher Durch eine unglückliche 3:4-Niederlage gegen Tschechien verpasste das mit fünf Heidenheimern spielende Nationalteam auch noch das Olympia-Qualifikationsturnier.

Irgendwie wurde die deutsche Baseball-Nationalmannschaft bei der Heim-Europameisterschaft in Bonn vom Pech verfolgt. Nach zuvor schon knappen und zum Teil unnötigen Niederlagen ging am Ende auch das Spiel um Platz fünf gegen Tschechien auf fast schon kuriose Weise verloren und damit das Minimalziel – der Sprung zum Olympia-Qualifikationsturnier – verpasst.

„Eigentlich haben wir in diesem Turnier gut gespielt, aber irgendwie hat es einfach nicht sein sollen“, kommentierte Teamcaptain Simon Gühring von den Heidenheim Heideköpfe das Abschneiden. Nach Rang fünf bei der letzten EM sei der sechste Platz auch nicht schlecht, war doch erstmals ein durchweg mit US-Profis besetztes Team aus Israel dabei gewesen.

Aber es war mehr drin. „Wir hätten auch im Finale stehen können, es waren immer nur Kleinigkeiten“, betont Gühring, der nicht von einem Rückschritt sprechen möchte und auch hofft, dass der neue Bundestrainer Steve Janssen an Bord bleibt. Ein Problem war natürlich, dass der wohl klar beste deutsche Werfer, Markus Solbach, nicht teilnehmen konnte, da er seinem Team in den USA verpflichtet war.

Durch die enttäuschende Vorrunde mussten die deutsche Auswahl schon im Viertelfinale gegen Italien ran, hatte den haushohen Favoriten aber am Rande einer Niederlage, führte Mitte des fünften Innings mit 5:0. Doch den Italienern gelang der Ausgleich und im letzten Inning per Homerun doch noch der 7:5-Sieg.

In der Platzierungsrunde gab es einen klaren 14:4-Erfolg über Frankreich, doch das letzte Spiel gegen die Tschechen ging verloren. Dabei kam wieder alles zusammen. Ein weiter Schlag des Heidenheimers Simon Gühring wurde von einem Tschechen noch über dem Zaun gefangen, der Homerun hätte die Vorentscheidung gebracht.

Beim Stand von 3:4 kamen im letzten Inning Philip Schulz und Gühring von den Heideköpfen sowie sowie Ex-USA-Profi Donald Lutz auf Base. Bei keinem Aus war das die Riesenchance zum Sieg. Aber der Mainzer Max Boldt schlug den Ball so unglücklich zum Shortstop, dass die Tschechen in einem Spielzug Schulz und Gühring aus machen konnten. Ein Fly-out gegen den als Schlagmann eingewechselten Luke Sommer beendete dann die Partie. „Irgendwie war das symptomatisch für das ganze Turnier“, ärgert sich Gühring.

Für die fünf Heidenheimer, die bei der EM im Einsatz waren, fällt die Bilanz ganz unterschiedlich aus. Gühring wurde in sechs der acht Spiele eingesetzt. Obwohl er gleich im ersten Spiel an der Hand getroffen wurde und diese bis zum Turnierende stark schmerzte, zeigte der 36-Jähirge eine hervorragende Leistung als Catcher und war drittbester deutscher Schlagmann.

Bei 23 Versuchen gelangen ihm acht Hits und er brachte sechs Punkte nach Hause. Philip Schulz durfte sich in fünf Partien in ungewohnter Position im Outfield beweisen, blieb ebenfalls ohne Fehler und überzeugte mit fünf Hits bei 15 Versuchen.

Enorbel Marquez-Ramirez war mit zehn Innings in zwei Spielen der am meisten beschäftigte deutsche Pitcher. Der Deutsch-Kubaner gab acht Hits und fünf Walks, aber nur fünf Punkte ab, warf dabei sechs Strike-outs. Luke Sommer gab im Spiel gegen die sehr schlagstarken Italiener in fünf Innings fünf Punkte ab – allerdings gingen nur drei davon auf sein Konto.

Logan Grigsby wurde in zwei Spielen eingesetzt. Bei der knappen Vorrundenniederlage gegen Israel hielt er sich gut, gab aber bei der 6:10-Vorrundenniederlage der Deutschen gegen Tschechien in nur zwei Innings sechs Punkte ab.

Ein Heidekopf durfte jubeln

Auch wenn’s für die deutsche Mannschaft bei der Baseball-EM nicht ganz wie erwünscht lief, ein Heidenheimer konnte zufrieden sein: Mike Bolsenbroek wurde mit dem Team der Niederlande, die im Finale Italien 5:1 besiegte, erneut Europameister. Die ersten fünf der EM und das Team aus Südafrika spielen nun einen Startplatz für das olympische Baseballturnier 2020 in Tokio aus. Deutschland hat diese Chance knapp verpasst, allerdings wären die Aussichten im Qualifikationsturnier ohnehin gering gewesen.