Heidenheim / Thomas Jentscher Die Heidenheimer Baseballer setzen am Wochenende die Serie gegen Paderborn fort.

Seit über zehn Jahren – unterbrochen von drei Spielzeiten als Profi in den USA – zählt der gebürtige Niederländer Mike Bolsenbroek zu den herausragenden Werfern im deutschen Baseball. In diesem Jahr wechselte er von den Regensburg Legionären zu den Heideköpfen, die am Wochenende die DM-Viertelfinalserie gegen Paderborn (Zwischenstand 1:1) fortsetzen. In Heidenheim fühlt sich der 32-Jährige bestens aufgehoben und überzeugt mit glänzenden Leistungen, wie jüngst im ersten Spiel gegen Paderborn. So hält Bolsenbroek trotz des bisher etwas holprigen Saisonverlaufs auch nach wie vor die Meisterschaft für möglich.

Herr Bolsenbroek, können Sie uns sagen, wie man Ihren Namen ausspricht?

Bolsenbruk – wie mit einem u.

Wer bekommt das besser hin? Die Schwaben oder die Bayern? Sie waren ja viele Jahre in Regensburg.

Ach da tun sich die meisten schwer. Bolsenbrök, Bolsenbrok – du hörst immer was anderes.

In der Zeit bei den Legionären haben Sie sich unzählige Duelle mit den Heideköpfen geliefert. Damals hätte wohl kaum einer gedacht, dass Sie einmal für Heidenheim spielen. Wie kam das?

Es war immer nicht einfach, gegen Heidenheim zu spielen. Das war immer anstrengend für mich. Ich habe irgendwas Neues gebraucht. Ich habe auch immer nach der Saison mit Klaus Eckle gesprochen. Wir haben uns gut verstanden und immer ein bisschen rumgeblödelt. Irgendwann dachte ich mir, es wäre doch cool, auch mal für die Heideköpfe zu spielen.

Aus sportlicher Sicht?

Ja, Heidenheim hat immer um die Meisterschaft mitgespielt, Regensburg in den letzten Jahren etwas nachgelassen. Auf einmal waren nur noch junge Spieler am Start. Es ging aber auch um die Unterstützung für mich. Ich probiere, mit der niederländischen Nationalmannschaft zu den Olympischen Spielen zu kommen. Natürlich will ich auch die deutsche Meisterschaft gewinnen.

Wie fällt die Bilanz nach der ersten Regular Season aus?

Die Mannschaft ist cool, aber wir haben uns selbst ein bisschen das Leben schwer gemacht, Spiele blöd weggegeben. Wir haben nicht erwartet, die Regular Season als Dritter zu beenden, aber die ganze Bundesliga ist in diesem Jahr ein bisschen komisch. Mannheim hat auch jeder höher erwartet. Aber ich denke, es ist relativ egal, ob du als Erster oder als Vierter in die Play-offs gehst. Es wäre schon schöner gewesen, wenn wir unsere Stärke die ganze Saison über gezeigt hätten. Aber wenn du am Ende deutscher Meister wirst, sagt niemand: Die Heidenheimer haben aber eine schlechte Regular Season hingelegt. Am Ende wird ausgezahlt.

Was sehen Sie als Vorteil in Heidenheim?

Das ist einfach eine erfahrene Mannschaft, das habe ich in dem Moment gebraucht. In Regensburg wurde alles von mir erwartet, ich hatte wenig Rückendeckung. Die Offensive von Heidenheim war immer stark, da freut man sich als Pitcher. Aber wir haben hier auch viele gute Werfer, das sorgt für Entlastung.

Sodass man nicht jedes Wochenende 150 Würfe machen muss?

Wenn das in den Play-offs vorkommt, sind viele Würfe schon okay. Aber es darf nicht sein, dass man vorher schon sein Pulver verschießen muss.

Und bei den Heideköpfen darf man auch mal Shortstop spielen . . .

(lacht) Das war eine Blödelei zwischen Klaus und mir. Alle Pitcher denken, dass sie auch Position spielen können und dass sie die besten Hitter sind. Ich habe zu Klaus gesagt: Ich kann auch gut Shortstop spielen. Und dann hat sich tatsächlich mal die Chance ergeben. Ich habe sogar ein Aus gemacht – aber das bleibt wohl eher die Ausnahme.

Der Start ins Viertelfinale um die deutsche Meisterschaft war mit dem 10:0 und 10:13 in Paderborn ebenfalls durchwachsen. Wie sehen Sie die Chancen auf das Erreichen des Halbfinales?

Gut. Ich denke, dass wir mit unserer Erfahrung einen Vorteil haben, aber der Gegner ist schon stark. Paderborn hat eine junge Mannschaft, die Spieler wollen und im zweiten Spiel haben sie wohl etwas mehr gewollt als wir. Aber wir können mit einem Split in Paderborn schon zufrieden sein. Wir müssen jetzt gleich loslegen wie die Feuerwehr, dürfen die gar nicht ins Spiel kommen lassen.

Können Sie sich ein weiteres Engagement in Heidenheim vorstellen?

Auf jeden Fall. Es gefällt mir prima, so habe ich es mir vorgestellt. So lange es mir noch Spaß macht und der Körper mitmacht, will ich bei Heidenheim weiterspielen.

Mike Bolsenbroeks beeindruckende Karriere

Geboren wurde Mike Bolsenbroek in Apeldoorn in den Niederlanden, dort begann er auch mit dem Baseballsport und spielte in allen Jugend-Nationalmannschaften. 2004 zog es ihn in die USA, zunächst ging er auf die High School, später ans College. Trotz des Interesses von Profiklubs kam es aber zu keinem Vertrag und so zog der Zweimetermann 2007 nach Deutschland, um für die Regensburg Legionäre zu spielen.

Ein Jahr später klappte es dann doch mit der Profikarriere, Bolsenbroek spielte drei Saisons für verschiedene Teams der Philadelphia Phillies. 2011 erfolgte die Rückkehr zu den Oberpfälzern, mit denen er insgesamt fünfmal deutscher Meister wurde. Dreimal erhielt er die Auszeichnung als bester Werfer der Liga, begeisterte unter anderem mit 18 Strike-outs im 2015er-Halbfinale gegen Solingen. Im Finale unterlagen die Regensburger dann in einer dramatischen Serie den Heideköpfen, für die Bolsenbroek nun aufläuft. „Er ist sportlich wie menschlich ein Riesengewinn, ich hoffe, dass er noch viele Jahre für uns spielt“, kommentiert Manager Klaus Eckle den Zugang des langjährigen Konkurrenten.

Mit der niederländischen Nationalmannschaft wurde der rechtshändige Werfer 2014 Europameister, gegen Griechenland gelang ihm dabei ein extrem seltenes Perfect Game (kein einziger Gegenspieler kommt irgendwie auf Base).