Heidenheim / Thomas Jentscher Der europäische Championscup ist abgesagt, wann die Bundesligasaison beginnt, immer noch offen. Trotzdem bleiben die Heideköpfe optimistisch.

In der Regel haben die Heidenheimer Baseballer Jahr für Jahr alle Hände voll zu tun, um pünktlich zum Saisonstart alle Vorbereitungen getroffen und ein schlagkräftiges Team auf die Beine gestellt zu haben. 2020 ist alles anders. Die Mannschaft der Heideköpfe steht, der Ballpark strahlt in neuem Glanz, das Feld ist in hervorragendem Zustand – nur gespielt wird eben nicht.

Mitte März beschloss der Deutsche Baseballverband, den eigentlich fürs vergangene Wochenende vorgesehenen Saisonstart wegen der Corona-Krise auf die Zeit nach dem 3. Mai zu verschieben. Heideköpfe-Manager Klaus Eckle rechnet aber eher mit Beginn Ende Mai/Anfang Juni. Wann es los geht und in welchem Modus gespielt wird, will der DBV nach Ostern festlegen, auf jeden Fall ist mit einer verkürzten Runde zu rechnen.

Dazu kam nun die Absage der europäischen Wettbewerbe. Die Heidenheimer hätten – ebenso wie Vizemeister Bonn – im Champions-Cup gegen die besten Teams des Kontinents gespielt. „Das ist jammerschade, wir haben eine Truppe zusammen, die auf internationalem Spitzenniveau mithalten kann“, bedauert Eckle und hofft gleichzeitig, dass sich die nicht mehr ganz so jungen Routiniers der Heideköpfe auch für 2021 nochmals motivieren können.

Ob der HSB dann für den Champions-Cup gesetzt ist, muss ebenfalls erst noch entschieden werden. „Sportlich wäre das die gerechte Lösung“, sagt Eckle, als Trainer des amtierenden deutschen Meisters strebt er aber auch mindestens einen erneuten Finaleinzug und damit wiederum den Sprung in die internationalen Wettbewerbe an.

Doch das ist im Moment alles noch weit weg, Aktive und Nachwuchsspieler der Heideköpfe sind zum Warten verurteilt und versuchen, sich mit individuellen Programmen fit zu halten. „Um die Fitness der Jungs mache ich mir keine Gedanken, Markus Winkler aus unserem Trainerteam hat allen hervorragende Pläne geschrieben“, erklärt Eckle.

Dazu haben Gary Owens und Mitch Nilsson in Australien, Simon Liedtke in Südafrika gespielt, die Nationalspieler der Heideköpfe hatten zumindest drei Partien auf hohem Niveau in der Vorbereitung auf den Baseball Classics Qualifier, der dann aber ja wegen der Pandemie abgesagt wurde.

Ein Vorteil bei den Baseballern: Die wichtigen Elemente Werfen und Fangen lassen sich auch zu zweit auf der Wiese üben. „Und dabei sind wir immer mehr als zwei Meter voneinander entfernt“, schmunzelt Eckle. Werfen sich die hochklassigen Baseballer doch auf Distanzen von bis zu 70 Metern den Ball ziemlich punktgenau genau in den Handschuh. Aber natürlich fehlt das Schlagen, fehlt das Zusammenspiel, fehlen die im Baseball so wichtigen taktischen Schulungen.

Bleibt die Frage, wie der Klub das Ganze finanziell durchsteht. Im Moment sieht es noch einigermaßen gut aus, die Heidenheimer „Baseball-Familie“ zeigt Zusammenhalt. Von den Sponsoren gibt es keine Absagen und obwohl noch nicht feststeht, wie viele Spiele es geben wird, haben einige Fans sogar schon Jahreskarten erworben (diese kann man per E-Mail unter heidekopfe@heidenheim.com ordern).

„Wenn wir alle zusammen halten, dann stehen wir das irgendwie durch“, ist sich Eckle sicher. Vor allem aber wollen er und seine Jungs möglichst bald zeigen, was sie mit Ball und Keule drauf haben: „Wir sind alle heiß darauf, dass es wieder los geht.“

Wegen des Coronavirus fällt der Wettbewerb im tschechischen Ostrava aus.

Ist das deutsche Baseball in Gefahr?

Corona trifft auch die Baseballklubs in Deutschland mit Wucht, die Auswirkungen der Krise sind dabei noch völlig offen. Natürlich sind die Etats der Vereine im Vergleich zum Fußball verschwindend gering, aber auch hier gibt es fest angestellte Trainer, Internatsleiter oder andere Mitarbeiter.

In einem Artikel über die Regensburg Legionäre und deren Baseball-Internat berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ von einer durchaus bedrohlichen Situation. Laut der „Süddeutschen“ fallen für das vereinseigene Stadion der Oberpfälzer monatlich 12 000 Euro an Unterhaltskosten an. Dazu sind die Gastronomie und das Internat geschlossen, für 30 der insgesamt 80 Mitarbeiter der Legionäre sei Kurzarbeit beantragt.

Bei den Disciples aus München-Haar gebe es ebenfalls Einschränkungen, der eingeplante Werfer aus den USA reiste nicht an. Die Bonn Capitals, Finalgegner der Heideköpfe in den vergangenen drei Jahren, geben an, zunächst keine Verträge mit den ausländischen Spielern abschließen zu wollen.