Heidenheim / Nadine Rau Die Heidenheim Heideköpfe haben sich ihre vierte deutsche Meisterschaft letztlich mit einem hart erkämpften Arbeitssieg gesichert. Danach haben sie noch in Bonn gefeiert, ehe es zurück nach Hause ging.

So abgedroschen es auch klingen mag: Der Sport schreibt fantastische Geschichten. Jeder, der am Wochenende beim Sieg der Heidenheim Heideköpfe über die Bonn Capitals dabei war, hat das einmal mehr miterleben dürfen: diese Stimmung, die Anspannung, die Erleichterung, der Jubel.

Lange Zeit hätte das vierte Spiel zwischen den Capitals und den Heideköpfen in beide Richtungen gehen können, nach einer Stunde brach das fünfte Inning beim Stand von 0:0 an. Würden die Bonner die Serie noch mal nach Heidenheim bringen oder werden Meister und Vizemeister des vergangenen Jahres dieses Mal die Plätze tauschen?

Zwei Stunden später begann für die Heideköpfe die Party des Jahres, nicht nur Manager Klaus Eckle ist schnell von Bier überschüttet worden.

Youtube Heidenheim Heideköpfe sind Baseball-Meister 2019

Die Heideköpfe haben sich nicht nur den Titel, sondern damit auch das Double in diesem Jahr gesichert, sind sie doch in Brünn beim CEB-Europacup ohne einen einzigen Gegenpunkt ebenfalls erfolgreich gewesen.

Die 3 scheint der Mannschaft dabei 2019 Glück gebracht zu haben: Ein 3:0 über Brünn, ein 3:2 über die Capitals, drei Homeruns im dritten Spiel, davon ein echt wichtiger 3-Run-Homerun, und am Ende außerdem drei wohlverdiente Auszeichnungen für Gary Owens als besten Schlagmann (7 Hits bei 16 Versuchen und 2 Homeruns in der Finalserie), für Mike Bolsenbroek als besten Werfer (in 11.1 Innings gingen nur ein Run und ein Walk auf sein Konto, er schaffte zwölf Strikeouts) und für Shawn Larry als Most Valuable Player (7 Hits bei 14 Versuchen, 1 Homerun und die so wichtige Vorlage zum zwischenzeitlichen 3:1). Alle drei haben sich diese Auszeichnung redlich verdient, als Most Valuable Player hätten sich sogar noch einige weitere Spieler der Heideköpfe angeboten – was die Stärke der Mannschaft zum Ende dieser Saison nur unterstreicht.

Ludwig Glaser etwa war trotz gesundheitlicher Beschwerden immer zur Stelle, Simon Gühring hat sehr gut gecatcht, Enorbel Márquez-Ramirez die Innings in brenzligen Situationen beendet.

Noch mehr Grund zum Feiern konnte es also kaum geben für die Heidenheimer und so war an die Heimfahrt zunächst nicht zu denken. Am Sonntagabend ging die Party für die Heideköpfe und ihre Familien noch in Bonn weiter. „Planung ist immer etwas, das umgeschmissen werden muss“, scherzte Eckle, der allerdings nicht mehr über Nacht geblieben ist. „Wir haben noch zusammen in einer Pizzeria in einem Golfclub neben dem Hotel gegessen. Das war ein netter Rahmen und ein schöner Abend“, so Eckle. Mannschaftskapitän Simon Gühring verriet, dass die Spieler den Wellnesbereich im Hotel noch recht spät nutzen durften. „So konnten wir feiern und relaxen.“

Relaxen war nach dem anstrengenden Wochenende wohl bitter nötig. „Wir haben zwar nicht viel geschlafen, aber ich glaube, alle sehr tief. Wir waren ziemlich fertig, ich habe es nicht länger als bis viertel eins geschafft“, so Gühring.

Die Anspannung fällt ab

Langsam falle die Anspannung ab, sagte er, vielleicht mache er jetzt zwei, drei Tage lang ein bisschen weniger. Dann aber sei wieder gutes Training angesagt, steht für ihn und einige Mitspieler doch am 19. August die Reise mit der Nationalmannschaft nach Japan zur Vorbereitung auf die Baseball-Europameisterschaft an. Die wiederum findet vom 6. bis zum 15. September in Bonn und Solingen statt.

Die Saison der 1. Bundesliga also ist vorüber, nicht aber der Baseball-Sommer. So denkt Klaus Eckle auch schon an die nächsten spannenden Spiele. Am 21. und 22. September kämpft die Juniorenmannschaft der Heideköpfe in Regensburg um die Deutsche Meisterschaft. Auch die Saison der 2. Bundesliga dauert an.

Keine Selbstverständlichkeit

Zunächst aber soll es noch um den jüngst gewonnen Titel gehen. Heute empfängt Oberbürgermeister Bernhard Ilg Mannschaftsvertreter der Heideköpfe in seinem Amtszimmer, am Freitagabend dann gibt es eine Feier im Ballpark. „Dieser Sieg war wirklich nicht selbstverständlich und ein Double hat es, soviel ich weiß, noch nicht gegeben“, zeigt sich Eckle Stolz.

Wie hat das am Ende des Tages alles klappen können? „Wir haben eine sehr starke Mannschaft. Die einzige Frage war noch: Welche Leistung rufen wir wann ab?“, erklärt Gühring. Während der Saison hätten sie sich immer weiter gesteigert und sich die Bestleistung bis zum Höhepunkt der Saison aufgehoben. „Wir wussten: Irgendwann können sie uns nicht mehr aufhalten.“

Nicht zu viel Training

Immer entscheidend für einen solchen Erfolg ist auch die richtige Trainingsstrategie. „Manchmal ist weniger mehr“, ist Eckle überzeugt. Die Heideköpfe seien keine Mannschaft mehr, die zweimal am Tag trainieren sollte, die Zeiten seien vorbei. Vielmehr müssten die oft angeschlagenen Spieler rechtzeitig so hergestellt werden, dass sie zum richtigen Zeitpunkt liefern können. Gerade deshalb seien auch Athletiktrainer Markus Winkler und die Physiotherapeutin Olga Stenske so wichtig.

Nach den happigen zurückliegenden Wochen geht es den Spielern allen soweit gut. In Bonn hat man einmal mehr gesehen, dass sie nicht nur eine Truppe zusammengewürfelter Männer, sondern eine zusammengewachsene Mannschaft sind. Das und die individuelle Stärke jedes Einzelnen waren mit der Garant für das erfolgreichste Jahr der Heideköpfe. Außerdem die Tatsache, dass keiner verkrampft hat, als es schwieriger geworden ist.

Dennoch wäre Klaus Eckle nicht Klaus Eckle, würde er den Sport nicht bis zur Perfektion zu Ende denken wollen. „Ich habe noch viele Sachen auf dem Zettel, die besser gehen“, gibt er lachend zu.

Am Freitagabend wird im Ballpark gefeiert

Die Mannschaft will ihren Erfolg mit den Fans am Freitagabend ab 19 Uhr im Ballpark auf dem Schlossberg feiern, nicht, wie bei den vorhergehenden Meisterschaften, mit einem Empfang im Sitzungssaal des Rathauses.

Für die Musik haben sie sich mit
Tom Collins einen Berufsmusiker
geholt, der seit vielen Jahren Baseball-Spiele fürs Fernsehen und Radio, auch für die Heideköpfe, überträgt. „Das wird ein Baseball-Gig“, freut sich Klaus Eckle.