Bonn / Nadine Rau Die Heidenheimer behalten nach dem 7:2-Sieg in Spiel drei auch im vierten Duell mit den Bonn Capitals einen kühlen Kopf und holen sich mit einem knappen 3:2 den Pokal.

Überall Konfetti und Bier! Vor wenigen Sekunden hat Pitcher Peter Sykaras souverän das letzte Aus für die Heideköpfe gebracht, sie stürmen das Feld, sie jubeln und schreien. Sie haben ihre vierte deutsche Meisterschaft geholt, diesmal auswärts in Bonn und damit bei dem Gastgeber, gegen den sie vergangenes Jahr in der Finalserie noch den Kürzeren gezogen hatten. Dabei sah es lange Zeit gar nicht nach einem Sieg in Spiel vier aus.

Strittige Entscheidungen der Umpire, etwas Pech, dazu Verletzte wie Ludwig Glaser, der trotz eines Gichtanfalls zweimal eine starke Leistung gezeigt hat, waren nicht die besten Vorzeichen. Doch wie es Manager Klaus Eckle noch am Sonntagmorgen richtig gesagt hat: Durch den 7:2-Sieg in Spiel drei waren diesmal die Bonner mehr unter Druck.

Am Samstag hatten die Heideköpfe schon bewiesen, dass sie solchem Druck standhalten können. „Ganz locker bleiben, immer positiv denken“, sagte Pitcher Enorbel Márquez-Ramirez ganz einfach. In beiden Spielen war er, wie Eckle sagt, „zur richtigen Zeit“ eingesetzt worden, am Samstag nach Mike Bolsenbroek, am Sonntag nach Justin Erasmus. „Wir sind nie davon ausgegangen, dass wir dieses Spiel verlieren“, so der Pitcher nach dem wichtigen Spiel drei.

Youtube Heidenheim Heideköpfe sind Baseball-Meister 2019


Es war ein herrlicher Baseball-Tag: strahlender Sonnenschein, gut gelaunte Fans. „Jetzt müssen die Kinder nur noch mit dem Wasserschlauch fertigwerden, dann können wir anfangen“, scherzte Bonns Sprecher. Richtig gut drauf war Simon Gühring, der gleich im ersten Inning mit einem Solo-Homerun startete.

Ihm gegenüber trat wider Erwarten nicht Pitcher Sascha Koch, sondern Christian Tomsich. Linkshänder, genau wie Zackry Dodson, der den Heidenheimern in Spiel zwei und vier das Leben schwergemacht hat. Die Bonn Capitals wollten ihrem Gegner in nichts nachstehen, beschäftigten Mike Bolsenbroek von Anfang an weit mehr als noch vor einer Woche und hätten bei Bases Loaded nachziehen können, was Bolsenbroek aber zu unterbinden wusste. Im zweiten Inning feierten die Bonner mit angeklebten Schnurrbärten ihren Mann Adrian Stommel, Karnevalsstimmung im Rheinland mitten im Sommer.

Schon kurz darauf im dritten Inning ereignete sich eine richtungsweisende Szene. Erst zog Simon Liedtke an die erste Base, danach legte Philip Schulz einen Sacrifice Bunt hin, um seinen Kollegen weiterzubringen. Beinahe hätte auch er es an die erste Base geschafft. Stattdessen nahm diesen Platz Simon Gühring ein und Gary Owens kam an die Homeplate. Der schlug den Ball über den Zaun, 3-Run-Homerun, 4:0 für die Heideköpfe. In Inning fünf war es nach einem RBI von Glaser noch mal Gühring, der einen Run verbuchen konnte.

Aufschwung für die Capitals

Die Stimmung änderte sich rasch, als für Tomsich Sascha Koch eingewechselt wurde. Er kam perfekt ins Spiel und prompt gerieten die Heideköpfe auch in der Defense ins Hintertreffen. Mit einem RBI-Double sorgte Nicholas Miceli für den ersten Run der Capitals und nach einem Error von Gühring konnte auch Miceli selbst die Homeplate erreichen. Für Mike Bolsenbroek ging ein gelungener Arbeitstag zu Ende und die Heideköpfe bewiesen mit einem wunderschönen Double-Play über Glaser, Liedtke und Escarra einmal mehr ihre guten Nerven auch in der Defense.

Zum krönenden Abschluss wartete im vorletzten Spielabschnitt Shawn Larry mit einem 2-Run-Homerun auf, der über den Zaun, über die Bäume und wer weiß, wo noch hin, flog.

Keine Homeruns zwar, aber ein weiteres Mal Baseball auf allerhöchstem Niveau, sahen die Zuschauer gestern. Die Heideköpfe taten sich gegen Bonns Pitcher Zackry Dodson schwer, gleichzeitig forderten die Gastgeber Heidenheims Werfer Justin Erasmus von Anfang an mächtig, kamen recht früh erstmals in Scoring Position. Und auch die Defense konnte sich sehen lassen, in Inning zwei gelang den Capitals ein Double-Play, das nicht das letzte bleiben sollte.

Die Heideköpfe machten in Inning vier Druck, Gary Owens schaffte es bis zur dritten, Andrew Campbell bis zur ersten Base, eine große Chance, in Führung zu gehen. Ludwig Glaser schlug den Ball, doch ein weiteres Double-Play der Bonner verhinderte den Erfolg. Erasmus hatte die richtige Antwort parat, machte mit drei Strike-outs kurzen Prozess.

Dann der erste Rückschlag für die Gäste im fünften Inning: Nicholas Miceli rückte auf die erste Base vor, Danny Lankhorst buntete ihn weiter, ein Schlag von Stommel ins Centerfield brachte ihn an die dritte Base. Auch Eric Brenk schlug den Ball, Simon Liedtke warf ihn zu Escarra an der ersten Base. Der fing zwar den Ball, der Umpire erklärte aber, dass Brenk vorher da war. Für Eckle eine klare Fehlentscheidung, doch so wurde das dritte Aus für die Heideköpfe nicht gegeben und der Run von Miceli ließ sich nicht ungeschehen machen: 1:0 für Bonn. Heidenheim blieb unbeirrt und brachte sich in Scoring Position. Gary Owens schlug ordentlich auf den Ball, aber wieder fehlte das berühmte Quäntchen Glück: Der Ball kam kurz vor dem Zaun runter, wo ihn Kevin van Meensel, schon hängend im Gitter, fing.
Wenig später hatten sie wieder Männer auf Base eins und zwei, aber Krumm beförderte den Ball schnurstracks in den Handschuh von Stommel, Double-Play, schon wieder, und die Chance war dahin. Erst mit dem achten Inning änderte sich alles. Philip Schulz hatte es schon an die dritte Base geschafft, Simon Gühring an die erste. Dann kam Gary Owens und schlug den Ball ins Leftfield: Schulz kam heim, 1:1-Ausgleich. Und damit nicht genug. Kurz darauf bei Bases Loaded verfrachtete Shawn Larry den Ball ins Rightfield. Unter lautem Jubel passierten der Kapitän und Owens die Homeplate: 3:1. Bonn reagierte mit einem Pitcherwechsel und schickte Maurice Wilhelm ins Rennen. Auf der anderen Seite blieb Márquez-Ramirez im achten Inning cool genug, um keine weiteren Runs zuzulassen.

So gipfelte alles im neunten Inning. Simon Gühring beförderte den Ball zwar noch über den Zaun, allerdings erst, nachdem der auf dem Rasen aufgehüpft war. Ein Ground-Rule-Double also und der dadurch gewonnene Run von Liedtke war zerronnen. Die Bonner hatten sich noch nicht aufgegeben, verkürzten sogar auf 2:3. Zeit für Sykaras: Der wirft, ganz nach Eckles Plan, einen Ball, der so wegbricht, dass ihn Goebel nicht richtig erwischt. Kein Problem also für Philip Schulz, der den Ball an die zweite Base wirft und Eric Brenk ausmacht. Ganz locker, oder?