Heidenheim / Thomas Jentscher Heidenheims Baseballer gewinnen die Heimspiele gegen Paderborn nach hartem Kampf und dank starker Werfer mit 8:2 und 3:0. Nun trifft die Mannschaft auf Mainz.

Um Viertel vor vier stockte den Zuschauern im Heideköpfe-Ballpark gestern noch einmal der Atem. Bei zwei Mann auf Base schlug der Paderborner Maurice Bendrien einen weiten Ball über den Kopf von Heidenheims Leftfielder Shawn Larry hinweg, doch der sprintete ein Stück zurück und fing die Kugel aus der Luft. Das war das letzte Aus zum 3:0-Sieg in Spiel vier, damit ging die Serie mit 3:1 (10:0, 10:13, 8:2, 3:0) an die Heideköpfe, die zum sechsten Mal in Folge im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft stehen.

Es war die härteste Viertelfinalserie seit Langem, Heidenheims Trainer Klaus Eckle hält die Paderborn Untouchables auch für die stärkste Mannschaft in der Nordgruppe. So war das gestrige Spiel extrem spannend. Wäre Bendriens Schlag noch zwei Meter weiter über den Zaun gesegelt, hätte es Unentschieden gestanden.

Abwurf sorgt für Ärger

Dabei waren die HSBler glänzend ins Spiel gekommen. Werfer Justin Erasmus ließ trotz zwei Baserunnern keinen Punkt zu, im Rückschlag erkämpfte Philip Schulz gegen Paderborns Pitcher Matt Kemp gleich einen Freilauf. Simon Gühring schlug den Ball perfekt die linke Linie entlang und schon stand’s 1:0. Danach wurde Andrew Campbell vom Spielertrainer der Gäste abgeworfen. Der Australier vermutete Absicht und beinahe hätte es eine größere Auseinandersetzung gegeben.

Bench Clearing nennen die Amerikaner das, wenn plötzlich die Spielerbänke leer sind und sich alle Akteure drohend auf dem Feld gegenüberstehen. Die Schiedsrichter behielten aber den Überblick, beruhigten die Streithähne und es ging weiter. Nach einem Schlag von Ludwig Glaser kam Gühring nach Hause, ein Double von Larry ermöglichte Campbell den Punkt zum 3:0.

Es sah also bestens aus, im zweiten Inning schlugen die Heideköpfe die nächsten beiden Hits, blieben aber ohne Punkt. Und auf einen Schlag riss in der Offensive der Faden. Es waren ein paar unglückliche Schläge dabei, die einfach genau im Handschuh eines Verteidigers landeten, aber irgendwie schafften die Heidenheimer es nun auch nicht mehr, Kemp unter Druck zu setzen.

Auf der anderen Seite sah es freilich genauso aus. Der glänzend aufgelegte Erasmus ließ in sieben Innings nur vier Hits und keinen Walk zu. Im achten Abschnitt übernahm Enorbel Marquez-Ramirez und hatte zunächst ebenfalls keine Probleme. Auch im Schlussdurchgang warf der Deutsch-Kubaner glänzend, und doch wurde wieder deutlich, wie schnell es im Baseball gehen kann. Ein glücklicher Hit und ein Abwehrfehler bescherten den Gästen – bei zwei Aus – zwei Baserunner, ehe Larrys Aktion das Spiel beendete.

Bolsenbroek erneut stark

Tags zuvor war in Spiel drei alles nach Plan gelaufen. Werfer Mike Bolsenbroek knüpfte an seine Vorstellung von der Auftaktpartie an und kam mit nur 18 Würfen und sechs schnellen Aus durch die ersten beiden Innings. Auf der anderen Seite begann Schulz mit einem Hit gegen Untouchables-Starter Daniel Thieben. Ein Hit von Glaser brachte ihn nach Hause. Im zweiten Durchgang punktete dann Johannes Krumm auf einen Schlag von Schulz und im dritten Campbell auf ein Double von Krumm.

Bolsenbroek musste zwar zwischendurch etwas kämpfen, hatte aber immer wieder die richtige Antwort und konnte sich auch auf seine Feldverteidigung verlassen. Die blieb nicht nur fehlerfrei, Shortstop Schulz zeigte einige außergewöhnliche Plays und Larrys Fly-out mit Hechtsprung nach 15-Meter-Sprint, war allein das Eintrittsgeld wert.

Paderborn wehrte sich nach Kräften, spielte selbst eine hervorragende Defense, kam aber bis in neunte Inning nur vereinzelt zu Hits. Im fünften Durchgang gab der mit drei Hits herausragende Glaser mit einem Homerun das Signal. Kurz darauf luden die HSBler die Bases und erhöhten durch Schulz auf 5:0. Daraufhin wechselten die Gäste den Werfer. Benjamin Thaqui wurde aber von Simon Gühring gleich mit einem weiteren Hit begrüßt, der die Punkte zum 7:0 brachte.

Das war natürlich die Vorentscheidung, beim Stand von 8:0 ging es schließlich ins letzte Inning. Bolsenbroek hatte nun schon sehr viele Würfe im Arm, wollte aber das „Complete Game“ (alle 9 Innings als Pitcher bestehen) und möglichst den Shut-out (im ganzen Spiel keinen Gegenpunkt zulassen).

Das klappte nicht ganz, drei Hits und ein Walk führten zum ersten Punkt für Paderborn, ehe der Niederländer verdientermaßen ins Dug-out ging. „Man ist da so fokussiert, da ist es manchmal gut, wenn einen der Trainer herunterholt“, meinte der bestens gelaunte Bolsenbroek nach der Partie. Sein Nachfolger Logan Grigsby ließ zwar noch einen Punkt zu, beendete dann aber mit zwei Strike-outs die Begegnung.

Coach Eckle war sichtlich erleichtert, dass es in der Hitze nicht zu einem fünften Spiel gekommen war, zumal einige seiner Spieler leicht angeschlagen waren. „Das wäre gegen die junge Truppe aus Paderborn schwer geworden.“ Die Probleme am Schlag wollte er nicht überbewerten. „Wir waren ja vorne, insgesamt haben wir in dieser Serie gut geschlagen. Aber natürlich gebührt vor allem den Werfern ein ganz großes Lob“, sagte Eckle, der nun optimistisch ins Halbfinale geht. Gegner sind die Mainz Athletics, die als einziges Team im Viertelfinale keine Probleme hatten und Dohren in drei Spielen vom Platz fegten.

Namen und Zahlen

Heidenheim Heideköpfe – Paderborn Untouchables 8:2 / 3:0
Hits: 13:6 / 5:6, Errors: 0:0 / 2:0
Heideköpfe: Schulz (SS; 2 Hits bei 6 Schlagversuchen, 1 RBI, 2 Walks), Gühring (C; 2/9, 1 Double, 3 RBI), Owens (CF; 0/9), Campbell (RF; 2/8), Glaser (3B; 3/7, 1 Homerun, 1 Double, 3 RBI), Larry (LF; 3/7, 1 Double, 1 RBI), Krumm (DH; 2/7, 1 Double, 1 RBI), Escarra (1B/3B; 3/6, 1 Walk), Liedtke (2B; 1/6, 1 Walk), Tsopatalo (1B; 0/1) – Pitcher: Bolsenbroek (8.1 Innings, 1 Earned Runs, 5 Strike-outs), Grigsby (0.2 I, 0 ER, 2 SO), Erasmus (7 I, 0 ER, 7 SO), Marquez-Ramirez (2 I, 0 ER, 4 SO)