Heidenheim / Thomas Jentscher Die Heidenheimer Baseballer wollen am Samstag und Sonntag (jeweils ab 14 Uhr) eine gute Ausgangsposition schaffen und ihre vierte deutsche Meisterschaft holen.

Unterschätze nie das Herz eines Champions. Da holpern Bonn und Heidenheim, die Meister der vergangenen beiden Jahre, etwas durch die Regular Season, belegen in ihrer Gruppe jeweils nur Rang drei – und nun stehen sie sich doch wieder im Endspiel um die deutsche Meisterschaft gegenüber. Los geht die Serie mit zwei Heimspielen im Heideköpfe-Ballpark am heutigen Samstag und morgen, Beginn ist jeweils um 14 Uhr.

Es ist sogar schon das dritte Mal in Folge, dass sich Capitals und Heideköpfe im Finale gegenüberstehen. 2017 hatten die HSBler in fünf Spielen die Nase vorn, vergangenes Jahr ging es ebenfalls über die volle Distanz und die Rheinländer triumphierten vor heimischer Kulisse.

In diesen Jahren und früheren Play-off-Duellen hat sich eine ziemlich ausgeprägte Rivalität entwickelt. Vor allem das vierte Spiel der letztjährigen Serie mit der durch einen Bonner Spieler verursachten Verletzung von Heideköpfe-Powerhitter Mitch Nilsson sowie der Entscheidung der Schiedsrichter, einen Punkt für Heidenheim zurückzunehmen, brachte die Gemüter in Wallung. Der Protest der HSBler und einige Kommentare bei der Siegerehrung trugen auch nicht zur Entspannung bei.

Heideköpfe-Trainer Klaus Eckle setzt jetzt aber auf Besonnenheit: „Das vergangene Jahr ist abgehakt. Wir haben damals schon gesagt: Wir wollen die Antwort auf dem Platz geben. Dazu haben wir nun die Gelegenheit.“ Und wirklich böse geht es bei den Baseballern ohnehin nie zu.

Trotzdem weiß Eckle, was sein Team am folgenden Wochenende im vermutlich wieder mit weit über 2000 Zuschauern besetzten Stadion Rheinaue erwartet. Deshalb müssen die Heideköpfe nun vor heimischer Kulissen unbedingt vorlegen – am besten mit zwei Siegen. „Wir müssen gleich zeigen, wer hier der Chef ist“, sagt der auf eine große Zuschauerkulisse hoffende Coach.

Zum Sportlichen: Bonn muss in diesem Jahr auf seinen wegen Dopingvergehen gesperrten Catcher Vincent Ahrens verzichten, hat sich dafür mit dem Amerikaner Niclas Miceli guten Ersatz besorgt. Dies war möglich, weil Daniel Lamb-Hunt mittlerweile als Deutscher antreten darf.

Ebenfalls nicht dabei ist der überragende deutsche Pitcher Markus Solbach, der als Profi in den USA spielt. Dafür haben die Capitals auf der Position des ausländischen Werfers mächtig zugelegt. Für den nicht so erfolgreichen Riley Barr kam Zackry Dodson, der in seiner amerikanischen Heimat bis AA-Level gespielt hat, also in der dritthöchsten Liga. Der Linkshänder kam dort übrigens auch wegen diverser Verstöße nicht mehr weiter nach oben, hätte aber sicher das Zeug dazu gehabt.

Mit Wilson Lee haben die Bonner zudem einen äußerst gefährlichen Schlagmann dazugewonnen, sind mit Alex Derhak auch auf der Trainerbank exzellent besetzt, unterm Strich also noch etwas stärker als 2018 einzuschätzen.

Die Probleme der Bonner hingen auch mit der Verletzung von Werfer Sascha Koch zusammen. Der Nationalspieler ist aber mittlerweile wieder fit und spielt starke Play-offs, warf vergangenes Wochenende sogar an zwei Tagen hintereinander. Er wird den Heideköpfen heute gegenüber stehen.

Morgen müssen sich die Heidenheimer dann gegen Dodson beweisen. Er warf bisher im Viertel- und Halbfinale in 30 Innings (516 Würfe) beeindruckende 45 Strike-outs. Nur im ersten Spiel gegen Regensburg wackelte der manchmal etwas wild werfende US-Boy etwas und gab sechs Punkte ab, danach gestattete er den Gegnern nur noch zweimal einen und einmal gar keinen Punkt. Dodson ist auch ein Werfer, der über die vollen neun Innings und weit über 100 Würfe gehen kann und stellt sicher eine hohe Hürde für die HSBler dar.

Wie müssen die Heideköpfe also zu Werke gehen? Die Basis ist sicher das Pitching. Nach der Rückkehr von Mike Bolsenbroek kann Eckle hier aus dem Vollen schöpfen, der Niederländer sollte im Verbund mit Enorbel Marquez-Ramirez, Justin Erasmus, Logan Grigsby und Peter Sykara in der Lage sein, die Bonner Offensive einigermaßen kurz zu halten.

Auf der anderen Seite kamen die Heidenheimer pünktlich zu den Play-offs selbst in Schwung. Besonders Andrew Campbell, Simon Gühring, Philip Schulz, Shawn Larry und Ludwig Glaser weisen hohe Trefferquoten auf. Eckle bangt noch um den Einsatz von Johannes Krumm, ansonsten sollten alle Spieler zur Verfügung stehen.

Beachtliche 9,1 Punkte markierten die HSBler seither im Schnitt, Bonn nur 4,9. Doch sagen diese Zahlen nicht viel aus, dass die Bonner gefährlich sind, manchmal urplötzlich eine Reihe von Hits schlagen können, hat man vergangenes Jahr gesehen. Eine große Rolle spielt sicher auch die Feldverteidigung, oft gewinnen in den Play-offs die Teams, die weniger Fehler machen.

Eckle hofft, dass sein Team heute das Pitching von Koch knacken kann, um so auch den Druck auf die Capitals zu erhöhen. Aber auch wenn es beim Stand von 1:1 nach Bonn geht, ist dort am 3. und 4. August (je 14 Uhr) noch alles drin. Insgesamt dürfte es wieder eine Serie auf Augenhöhe werden und die Chancen auf ein alles entscheidendes fünftes Spiel sind gar nicht so gering. Dieses wäre dann wieder in Heidenheim und – bedingt durch die Junioren-EM – erst am 17. August.

Wie voll wird der Ballpark?

Wenn es kein fünftes Spiel gibt, sind das am Samstag und Sonntag die beiden letzten Heimspiele der Heidenheim Heideköpfe in dieser Saison – und die wichtigsten. Deshalb mobilisieren auch die Fangruppen derzeit noch einmal alles. An den Rekord von Spiel fünf in der Serie 2017, als knapp 1900 Zuschauer in den Ballpark kamen, wird’s wohl nicht heran reichen, bei den Heideköpfen hofft man aber auf jeweils über 1000 Gäste.