Es war in diesem Jahr coronabedingt einige ungewöhnliche und kurze Punkterunde in der Baseball-Bundesliga. Sportlich mussten aber überraschenderweise kaum Abstriche gemacht werden und die Favoriten setzten sich auch ziemlich souverän durch: Heidenheim, Regensburg, Bonn und Paderborn bestreiten nun das Halbfinale um die deutsche Meisterschaft.

Selbiges wird 2020 – von dieser eher unnötigen Vorsichtsmaßnahme konnte sich der Verband nicht mehr lösen – jeweils innerhalb der Süd- und Nordgruppe gespielt. Bonn trifft also erneut auf Paderborn, die Heideköpfe haben es wieder mit den Legionären zu tun. Die ersten Spiele der Serie werden  am Samstag und am Sonntag (jeweils 14 Uhr) in der Regensburger Armin-Wolf-Arena ausgetragen, am folgenden Wochenende geht es in Heidenheim weiter. Wer zuerst drei Siege hat, steht im Finale.

Wer macht weniger Fehler?

Heideköpfe-Trainer Klaus Eckle hat eine klare Vorstellung. „Wir wollen Spiel eins gewinnen, egal welcher Werfer uns da gegenüber steht.“, sagt der Trainer der Heideköpfe, der im Gegensatz zur Punkterunde zwei knappe Spiele erwartet. Zuletzt konnte er gegen Haar noch einige Spielzüge testen, auf der anderen Seite rechnet er auch mit aggressivem Baserunning von Seiten der Regensburger. „Am Ende gewinnt das Team, das weniger Fehler macht“, so seine Prognose. Personell gibt es keine Probleme, auch wenn einige Spieler leicht angeschlagen sind, werden die Heideköpfe wohl in Bestbesetzung spielen können.

Für viele Beobachter ist es schon ein vorweggenommenes Endspiel. So weit sollte man vielleicht nicht gehen, die Bonn Capitals sind auch ohne ihren besten deutschen Werfer (Markus Solbach spielt zusammen mit Catcher Vincent Ahrens in Italien) sehr stark besetzt. Schade ist es auf jeden Fall, dass es nicht gleich zum richtigen Nord-Süd-Vergleich kommt.

Die Heideköpfe müssen sich also schon im Halbfinale mit ihrem „ewigen Konkurrenten“ auseinandersetzen. Die beiden Teams beherrschten die „Regular Season“, teilten sich im direkten Duell die Siege (14:3 und 7:12) und gewannen alle anderen Spiele. Überhaupt prägen die beiden Klubs seit langer Zeit den deutschen Baseballsport. In den vergangenen zwölf Jahren holte Regensburg fünf Titel und vier Vizemeisterschaften, für Heidenheim stehen in diesem Zeitraum vier erste und drei zweite Plätze zu Buche.

Und 2020? Bei den Regensburgern, die vor einiger Zeit einen Umbruch einleiteten und seit 2013 auf eine erneute Meisterschaft warten, scheinen die seit Jahren aus ganz Deutschland zusammengeholten und im eigenen Internat untergebrachten Talente nun soweit zu sein. Mit nahezu unglaublicher Offensivstärke überrollten die Oberpfälzer in der Punkterunde die meisten ihrer Gegner, schlugen Homerun und Homerun und markierten 157 Punkte (mehr als elf pro Spiel).

Auch defensiv haben die hervorragend trainierten, zum Teil noch recht jungen Spieler, von denen ein großer Teil der Nationalmannschaft angehört, ein absolutes Topniveau erreicht. Angeführt werden sie dabei dennoch von Ausländern: Die Amerikaner Matt Vance und Ramirez Beaver sind die besten Schlagleute, auf dem Mound stehen die Tschechen Jan Tomek und Tomas Ondra.

Was müssen die Heidenheimer besser machen also beim Duell in der Punkterunde? Das erste Spiel verlief damals bis ins sechste Inning auf Augenhöhe, ehe Werfer Enorbel Marquez-Rámirez überhaupt nicht zurecht kam und die Heideköpfe doch noch eine ihrer ganz seltenen vorzeitigen Niederlagen kassierten. Auch die zweite Begegnung war hart umkämpft, diesmal ging den Bayern am Ende ein wenig das Pitching aus. Das dürfte auch ein Knackpunkt sein. Wer hält länger durch – die Regensburger Werferriege um Tomek und Ondra, den Deutsch-Brasilianer Christian Pedrol sowie die Nationalspieler Niklas Rimmel und Sven Schüller oder die Heidenheimer um Mike Bolsenbroek, Enorbel Marquez, Lars Huijer und Wes Roemer?

Klar ist, dass die Heidenheimer die Offensive der Oberpfälzer irendwie stoppen müssen. Dazu gehört nehben hervorragendem Pitching auch eine möglichst fehlerfreie Feldverteidigung – anders also zuletzt gegen Haar.

Weiter geht’s in Heidenheim

Da Regensburg den direkten Vergleich gewonnen hat, dürfen sie die Serie zu Hause starten. Spiel drei findet am 3. Oktober um 16 Uhr (späterer Beginn, da zuvor der FCH ein Zweitligaspiel bestreitet) bei den Heideköpfen statt. Sollte danach noch kein Team drei Siege haben, folgt am 4. Oktober (12 Uhr) die vierte Begegnung. Und auch ein mögliches Entscheidungsspiel würde (direkt im Anschluss) in Heidenheim gespielt werden, allerdings mit dem letzten Angriffsrecht für Regensburg. Alle Spiele sind auf die vollen neun Innings angesetzt, die Begrenzung auf 14 Spieler pro Spieltag wurde vom Verband fürs Halbfinale aufgehoben.

Heideköpfe gewinnen das „Grüne Band“


Einen Erfolg können die HSB-Baseballer neben dem Erreichen des Halbfinals schon verbuchen: Die Heideköpfe gewannen das vom Deutschen Olympischen Sportbund und der Commerzbank ausgeschriebene, mit 5000 Euro dotierte „Grüne Band“ für vorbildliche Nachwuchsarbeit.

Aus 50 Sportarten wird beim „Grünen Band“ immer ein Verein in ganz Deutschland ausgewählt. Die HSBler überzeugten mit ihren zahlreichen Jugendnationalspielern (aktuell 5) sowie den aktiven Nationalspielern (7), die im Verein ausgebildet wurden. Zudem ist Heidenheim seit 15 Jahren Landesleistungszentrum und inzwischen auch regionales Spitzensportzentrum.

Bereits 2008 hatten die Heideköpfe erstmals das „Grüne Band“ gewannen, nach einem Sieg müssen die Klubs fünf Jahre aussetzen, ehe .sie sich wieder bewerben dürfen. tj