449 deutsche Athleten sind bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro dabei. Davon allerdings nur vier Fechter. Nun steht beim deutschen Fechterbund (DFeB) eine spannende Zeit an. So gab nicht nur Constantin Böhm sein Karriereende bekannt (wir berichteten). Zudem muss der DFeB den Abgang von Didier Ollagnon verkraften.

Der Franzose ist seit 2008 Degen-Bundestrainer, wird aber ab 2017 Nationaltrainer der Schweiz. Bereits 2004 bis 2007 hatte Ollagnon das Schweizer Nachwuchsteam um den heutigen Spitzenfechter Max Heinzer betreut.

Ob die verpasste Olympia-Qualifikation etwas damit zu tun hat beantwortet der 53-Jährige mit einem „Jein“. Ollagnon ist schon länger davon überzeugt, dass im deutschen Fechtsport ein Umdenken einsetzen muss. „Ich möchte etwas erreichen. So wie es momentan in Deutschland ist, gelingt das leider nicht“, betont er.

Die Athleten selbst stünden im Spannungsfeld ihrer Heimatvereine, den jeweiligen Landesverbänden und dem deutschen Fechterbund. Die meisten Vereine und Landesverbände sehen es am liebsten, so Ollagnons Erfahrung, wenn ihre Spitzenfechter „zu Hause“ trainieren und nur ab und zu zum jeweiligen Bundesstützpunkt reisen. Ollagnon dagegen wünscht sich eine stärkere Zentralisierung.

Allerdings habe er im Zuge der Olympia-Qualifikation am Degenfechter-Stützpunkt in Tauberbischofsheim nur mit drei bis sieben Fechtern trainieren können. Das seien deutlich zu wenig. Auch darum habe sich das Herrenteam letztlich nicht für die Olympischen Spiele qualifiziert.

Das Problem: Wenn Fechter zu Hause trainieren und Fehler machen, würden diese nicht bestraft, weil sie sich dort nicht mit den Besten messen. Es fehlten einfach die notwendigen Wettkampfbedingungen. Die Athleten zusammenzubekommen sei leider immer „ein Riesentheater“ gewesen, ärgert sich Ollagnon. Dies sei mit viel Zeitaufwand verbunden gewesen und habe viel Energie gekostet.

Ollagnon ist allerdings davon überzeugt, dass im deutschen Fechtsport die Strukturen gegeben sind, um international erfolgreich zu sein. Dafür müsse aber die Kleinstaaterei überwunden werden. Es gehe nicht, dass jeder sein eigenes Süppchen koche. Positive Beispiele sieht er in den Vereinen HSB, Bayer Leverkusen und FC Leipzig, die sich in der Zusammenarbeit „sehr bemüht“ hätten.

„Wir haben alles, um erfolgreich zu sein. Wir müssen es einfach nur machen“, hofft Ollagnon auf ein Umdenken bei den Vereinen und Landesverbänden. So lange dies jedoch nicht der Fall ist, sei er in Deutschland fehl am Platz. Hier fühle er sich „wie ein Fußballer, der dafür bezahlt wird, um auf der Bank zu sitzen“.

Und was kommt nach Ollagnon? Zu einem möglichen Nachfolger möchte sich DFeB erst nach den Olympischen Spielen bzw. in der neuen Saison äußern, ließ DFeB-Sportdirektor Sven Ressel auf Anfrage wissen.