Heidenheim / Edgar Deibert Der Neu-Heidenheimer Valtrim Saliu über das Bild seiner Sportart, den belgischen Schauspieler Jean-Claude van Damme und seinen Spitznamen „Der Professor“.

Seit knapp fünf Monaten lebt Valtrim Saliu in Heidenheim mit seiner Frau. Mit dem Rough Gym hat er eine neue sportliche Heimat gefunden und bestreitet am Samstag seinen ersten Kampf in Deutschland. Im Interview spricht der mazedonische Albaner über seinen Lebenstraum, Verletzungen im Thaiboxen und einen Film, der ihn geprägt hat.

Herr Saliu, kennen Sie den Schauspieler Jean-Claude van Damme?

Valtrim Saliu: Ja, klar. Ich liebe den Film „Bloodsport“.

Was verbinden Sie mit dem Namen des belgischen Filmstars, den dieser Film berühmt gemacht hat?

Der Film sagt etwas übers Thaiboxen aus, natürlich nicht alles.

Wie oft haben Sie den Film schon gesehen?

Oft. Mehr als fünfmal.

Und deswegen wollten Sie Thaiboxer werden?

Ja, als Kind wollte ich wegen des Films zum Thaiboxen. Da schaut man Filme und denkt: Ich will so werden wie van Damme. Aber nun bin ich erwachsen und habe eine andere Motivation, um diesen Sport zu betreiben. Ich habe in Mazedonien angefangen, bin dann nach Österreich, wo es etwas professioneller war. Hier in Deutschland habe ich verstanden, dass es kein Spiel, sondern mein Lebensziel ist.

Van Damme wurde auch für seinen Spagat zwischen den Ringen berühmt. Haben Sie den auch schon probiert?

Ja, habe ich. Manchmal kann man das schaffen, dafür muss man aber bestimmt einen Monat lang trainieren. Mein Training geht aber anders, ich trainiere dafür, um schnell kicken zu können. Ich trainiere meine Beine also anders.

Muss man bei einer Kampfsportart wie Thaiboxen besonders hart sein?

Man muss schon Schmerzen ertragen können. Aber bei anderen Sportarten, wie zum Beispiel Fußball, kann man sich schlimmer verletzten als im Thaiboxen. Wir trainieren unseren Körper ja ständig. Ich kann die gegnerischen Kicks zum Beispiel richtig blocken, da ich die entsprechenden Muskeln dafür habe. Die Schmerzen spüre ich fast gar nicht.

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Was für Verletzungen hatten Sie denn bislang?

Ich habe meine rechte Hand mal im Kampf angebrochen. Das war aber mein Fehler, da ich nicht auf den Trainer richtig gehört habe. Es ist nun mal so, wenn man jung ist, denkt man, dass alles so leicht geht wie im Film.

Wie alt waren Sie damals?

16.

Und worin genau lag Ihr Fehler?

Ich habe meine Hände nicht richtig bandagiert. Wenn du in diesem Sport nicht auf deine Trainer hörst, hast du schon verloren.

Gab es denn bei Ihnen auch andere Verletzungen?

Ein kleiner Cut kann passieren.

Die Kämpfe wirken brutal, ist es eher Straßenkampf als Sport?

Nein, das ist kein Straßenkampf. Natürlich gibt es Amateur- und professionelle Kämpfer. Amateure betreiben aber keinen Sport. Wir, meine Trainer und ich, bereiten uns dagegen auf die Kämpfe sehr professionell vor. Es ist wie bei einer Playstation. Ich bin der Spieler und der Trainer kontrolliert mich, was ich im Ring machen darf und was nicht. Auf der Straße darf man alles machen.

Was ist denn im Thaiboxen erlaubt und was nicht?

Vorne darf man mit den Händen, den Füßen und Knien überallhin hinschlagen und treten, aber nicht in den Unterleib. Du darfst auch nicht weiter zuschlagen, wenn du deinen Gegner getroffen hast und er etwas benommen ist. Es gibt Knock outs, aber du willst ja niemanden töten.

Wie hoch ist der Respekt vor

dem Gegner?

Bei mir: einhundert Prozent.

Lautet ihr Spitzname auch deswegen „Der Professor“?

Das stimmt. Ich habe vor jedem Gegner Respekt, egal woher sie kommen. Allerdings sprechen im Ring die Fäuste.

Steckt noch mehr hinter ihrem Spitznamen?

Ich war fünfeinhalb Jahre bei meiner ehemaligen Gym in Österreich. Da haben Sportler verschiedener Nationalitäten und Religionen zusammen trainiert. Das war die Zeit, in der es auch in Europa Terroranschläge gab. Wir haben es geschafft, dass wir friedlich zusammengelebt haben, ob Christen, Moslems oder Juden. Als Beispiel: Ein Mazedonier und ein Albaner können miteinander Probleme haben. Aber im Kampfstudio sind sie Brüder. Und viele der Jungs sind zu mir gekommen und meinten, dass ich einen guten Charakter hätte und zwischen allen Sportlern vermitteln könnte.

Wie gefällt Ihnen denn ihr Spitzname, „Der Professor“?

Naja, das ging ja nicht von mir aus. Ich habe nicht gesagt, dass ich der Professor sein will. Und am Anfang hat er mir nicht so gut gefallen, da er im Kampfsport nicht passt. Aber mittlerweile finde ich ihn gut.

Worauf kommt es beim Thaiboxen denn an?

Es kommt viel auf die eigene Bewegung und zudem darauf an, dass du dein Auge trainierst. Du musst sehen, wann dein Gegner zuschlagen will und dementsprechend ausweichen. Du musst seinen Plan kaputt machen und etwas schneller als er sein. Das wichtigste ist aber die Vorbereitung mit den Trainern und dass ich auf sie höre. Ich vergleiche es wieder mit einer Playstation. Auf deinen Trainer zu hören, das ist die beste Waffe.

Wollten Sie schon immer Kampfsportler werden?

Ja, ich wollte mit sieben Jahren anfangen, das ging damals in Mazedonien aber nicht.

Und wann ging es für Sie denn so richtig los?

Mit 12 habe ich in Mazedonien ein bisschen trainiert und bin mit 13 nach Österreich gegangen.

Nach Österreich wegen Thaiboxen? Und das ohne Familie?

Ja. Ich durfte aber nicht länger als drei Monate bleiben und musste immer wieder zurück nach Mazedonien. Es gab immer wieder Probleme mit meinem Visum. So ging es hin und her, insgesamt habe ich fünfeinhalb Jahre Kampfsport in Österreich betrieben.

Und nun sind Sie vor fünf Monaten nach Heidenheim gekommen. Warum?

Mit gefällt das Studio, das Serdar Karaca gegründet hat. Zudem kommt meine Frau aus Heidenheim. Und wir haben uns entschieden, hier zu leben.

Welches Karriereziel verfolgen Sie?

Ich möchte von diesem Sport eines Tages leben.

Man kann davon leben?

Ja, wenn du es richtig machst und ganz nach oben kommst. Es gibt die Organisation „Glory“ und vielleicht schaffe ich es eines Tages nach China.

Wie würden Sie Ihre momentane Leistungsstärke einschätzen?

Ich würde sagen, dass ich in der Mitte bin.

Am Samstag treten Sie in ihrem ersten Kampf fürs Rough Gym bei der Fightnight in Nürtingen an. Wie sehen Sie diesen Kampf?

Das ist wie eine Probe für mich. Wir wollen sehen, wie ich mit dem neuen Team arbeite. Und wir möchten meinen Namen In Deutschland bekannt machen.

Und wie geht es danach weiter?

Ich möchte in eineinhalb Jahren alle Gegner in meiner Gewichtsklasse schlagen.