Kevin Müller verlässt Heidenheim und wird zweiter Torhüter beim Zweitligisten Schalke 04 – wer dieses Szenario vor acht Monaten prognostiziert hätte, wäre mit Sicherheit ausgelacht worden. Seither ist viel passiert bei den Torhütern des FCH. Publikumsliebling „Mü“ war plötzlich nur noch die Nummer zwei, dann die Nummer drei und jetzt wird er bis Saisonende an den Traditionsverein aus dem Ruhrpott ausgeliehen.
Für viele Fans ist das immer noch ein Unding, sie beklagen sowohl menschliches als auch sportliches Fehlverhalten des 1. FC Heidenheim. In der Tat ist nicht alles glücklich gelaufen. Anfang 2025 wurde von beiden Seiten Müllers Vertragsverlängerung gefeiert, im Sommer bekam er dann den von Borussia Dortmund ausgeliehenen Diant Ramaj vor die Nase gesetzt und beklagte, keine Chance für einen echten Konkurrenzkampf bekommen zu haben.
Vertragsverlängerung ohne Wirkung
Müllers großes Interesse an den USA ist kein Geheimnis. Nicht zuletzt der Wechsel zu einem anderen Berater ließ darauf schließen, dass er sich ernsthaft mit der amerikanischen Profiliga beschäftigt hat. Der Keeper wehrte sich verständlicherweise aber dagegen, dass der FCH daraus gleich ein „Müller will ja eh weg“ gemacht hat.

Kevin Müller verlässt den 1. FC Heidenheim: Ein Rückblick in Bildern auf spannende Jahre
Anschließend habe man sich ausgesprochen, so richtig funktioniert hat das aber wohl auch nicht. Der Verein machte deutlich – auch wenn hier manche Aussagen etwas aus dem Zusammenhang gerissen wurden –, nicht mehr auf Müller zu setzen, der Spieler selbst wirkt mehr an American Football als am Bundesliga-Abstiegskampf interessiert.
Zum Sportlichen: Ramaj spielt sicher keine fehlerfreie Saison, die von einigen Beobachtern aufgestellte Behauptung, mit Müller zwischen den Pfosten hätte der FCH mehr Punkte, ist aber nicht zu belegen. Es wäre verrückt zu denken, das Heidenheimer Trainerteam würde sich in der momentanen Situation nicht rein an der Leistung orientieren.
Generationswechsel war schon geplant
Und im Grunde ist es ein normaler Vorgang, dass der FCH mit Blick auf die Zukunft einen Torhüterwechsel einläutet – nach der Ramaj-Leihe soll der aus dem eigenen Nachwuchsleistungszentrum stammende Frank Feller übernehmen. Bei anderen Spielern hätte es wohl kaum so eine Aufregung gegeben, bei einem Kevin Müller wäre aber eine sensiblere Vorgehensweise klug gewesen.
Bei diesem etwas unwürdigen Schauspiel wurden von beiden Seiten Fehler gemacht und beide Seiten werden froh sein, wenn nun – zumindest erst einmal – Ruhe herrscht. Doch wie geht es weiter? Der FC Schalke 04 hat mit Loris Karius einen für die 2. Liga außergewöhnlichen Torhüter, der die klare Nummer eins bleibt. Aber auch eine Nummer eins kann sich jederzeit verletzen.
Wie geht's für Müller weiter?
In jedem Fall endet das Leihgeschäft im Sommer, danach müsste oder dürfte Müller theoretisch zum FCH – bei dem er noch einen Vertrag bis Juni 2027 hat – zurückkehren. Sehr wahrscheinlich ist das aber nicht, ebenso wenig wie ein weiteres Engagement des Keepers in Gelsenkirchen.
Zunächst einmal wird’s aber spannend: Möglicherweise steigt Müller mit Schalke auf, muss dann zurück zum Zweitligisten Heidenheim oder die „Königsblauen“ straucheln und der FCH schafft erneut den Klassenerhalt. Das wildeste Szenario: Schalke wird Dritter und Heidenheim Drittletzter, Karius fällt aus und Müller tritt seinem Heimatverein in der Relegation gegenüber. Da müsste viel zusammenkommen, aber siehe Eingang dieses Kommentars…

