Wer kennt’s noch aus der eigenen Schulzeit? Lange bevor es Zeugnisse gab, wurden Schülerinnen oder Schüler mit miserablen Noten und deren Eltern gewarnt: Versetzung stark gefährdet. Ähnlich ist der Fall beim Fußball-Bundesligisten 1. FC Heidenheim: In bislang 21 Spielen hat der FCH 13 Punkte geholt. Behält der Tabellenletzte den Punkteschnitt (0,619) bei, würde er bei 13 ausstehenden Partien am Saisonende auf 21 Zähler kommen. In den vergangenen Jahren waren in der Regel 33 Punkte nötig, um den Relegationsrang zu erreichen. Wobei die Heidenheimer in der vergangenen Saison dafür nur 29 Punkte gebraucht haben. Weil mit Kiel und Bochum zwei Mannschaften deutlich schlechter punkteten.
Heißt für den FCH: „Die Art und Weise, mit der man in so einer Situation, in der man komplett mit dem Rücken zur Wand steht, auftritt, die muss stimmen, um dann zu schauen: Können wir, Stand heute, das Unmögliche doch noch schaffen?“, wie es Frank Schmidt nach der 0:2-Heimniederlage gegen den Hamburger SV formulierte. Er könne keine sechs Siege aus den letzten 13 Spielen versprechen („das wäre jetzt nicht richtig von mir“), so der FCH-Trainer. Der Optimismus ist beim Schlusslicht der Liga ein zartes Pflänzchen: „Aber aus dieser Position kann man manchmal auch Rückenwind aufnehmen und kann auf einmal Dinge machen, mit denen keiner mehr rechnet“, erklärte Schmidt.
Auch Niklas Dorsch wählte einen psychologischen Ansatz: „Irgendwann musst du in diesen Modus schalten: Jetzt hast du nichts mehr zu verlieren. Irgendwann kommst du halt an den Punkt, an dem du sagst: Es ist eh schon egal. Dann kann es vielleicht Kräfte freisetzen. Punkte sind noch genug zu holen“, so der Defensivspieler, der in den vergangenen Wochen stets starke Leistungen zeigte.

Allen Spielern und Verantwortlichen ist es wichtig zu betonen, dass der FCH durchaus mithalten kann. Oder wie es Kapitän Patrick Mainka ausdrückte: „Wir sind phasenweise konkurrenzfähig, über Phasen auch besser. Aber über 90 Minuten schaffen wir es zu wenig, das Momentum auf unsere Seite zu ziehen, und bekommen zu bitteren Zeitpunkten Nackenschläge. Das bringt uns jedes Mal um Punkte. So graben wir uns nur tiefer in die Grube.“ Ähnlich fasste es Niklas Dorsch zusammen. Auf die Frage, was ihm Hoffnung mache, erklärte der 28-Jährige: „Die Spiele, wie sie verlaufen sind. Es ist ja nicht so, dass wir jede Woche 0:4, 0:5 verlieren und absolut chancenlos sind. Es gibt Phasen, in denen wir absolut auf Augenhöhe sind, das war auch in Dortmund so.“
Mit den Messern zwischen den Zähnen dahinfahren.
Niklas Dorsch, FCH-Spieler, wählt ein Bild vor dem Spiel in Augsburg, das Einsatz symbolisieren soll
Jetzt geht’s für die Heidenheimer am Sonntag, 15. Februar (15.30 Uhr), zum FC Augsburg, dem Ex-Verein von Dorsch. „Ich habe in Augsburg lange gespielt. Ich weiß, dass der FCH für sie nicht so angenehm ist. Das müssen wir nutzen. Wir müssen maximal unangenehm sein“, so der Oberfranke, der ein Bild der Entschlossenheit wählte, das im Abstiegskampf gerne verwendet wird: „Mit den Messern zwischen den Zähnen dahinfahren.“ Dorsch fügte aber auch an: „Und in den richtigen Momenten zuschlagen.“
Dies gelang dem FCH zuletzt eben nicht. Weshalb ja die Versetzung akut gefährdet ist.


