Es war gemütlich, es war eng und es war stimmungsvoll: Der vierte Kneipenabend des 1. FC Heidenheim im Vereinsheim des RSV Heuchlingen ließ das Gefühl eines Heimspiels in der Voith-Arena aufkommen. Dazu passten auch die Gäste, die sonst auch im Stadion auftauchen: Vorstandschef Holger Sanwald saß aber nicht auf der Tribüne und Trainer Frank Schmidt stand nicht an der Seitenlinie. Die beiden wichtigen Köpfe des FCH nahmen gemeinsam mit Stadionsprecher Dominik Köstler, U19-Trainer Patrick Mayer, Kicker-Redakteur Christian Biechele sowie Björn Bauer, Mitglied des Fanclubs „Alb.Rot.Blau“, im Gastraum auf einer kleinen Bühne Platz. Und das Sextett war in Plauderlaune.
Die größte Neuigkeit des Abends kam von Holger Sanwald, der den gut 100 Gästen – unter denen sich auch Gerstettens Bürgermeister Matthias Heisler befand – die nahezu feststehende Entscheidung über die neue Spielklasse der Heidenheimer U21-Mannschaft verkündete. Außerdem ordnete der 58-Jährige die Rolle des FCH in der 2. Bundesliga bei einem möglichen Abstieg ein und sprach über mögliche Verkäufe.
Das Dilemma mit der Verbandsliga
„Die Tendenz geht dahin, dass wir sehr wahrscheinlich in der neu geschaffenen U21-Liga starten“, so der FCH-Verantwortliche. Alternativ hätte die zweite Mannschaft, die im Jahr 2014 in der Oberliga abgemeldet worden war, in der Verbandsliga wieder einsteigen müssen. Diese Spielklasse hätte den FCH aber vor ein Problem gestellt. „Es ist dort nicht erlaubt, Spieler des jüngeren Jahrgangs der A-Jugend und abwärts einzusetzen“, betonte Sanwald.

Wie schwer der direkte Übergang aus der U19 zu den Profis ist, verdeutlichte Patrick Mayer. Es ließe sich an einer Hand abzählen, wer das in den vergangenen Jahren geschafft habe, so der FCH-Nachwuchstrainer. „Das sind die Top-Talente der Bayern und des BVB“, sagte er. „Für uns ist es ganz wichtig, einen Übergang zu schaffen für die Spieler, die mit viel Potenzial aus der U19 kommen und den nächsten Schritt machen.“
Und beim FCH besteht Einigkeit darüber, dass dieser Schritt in der U21-Liga gelingen kann. Die Liga biete für junge Spieler eine große Chance, „mit Spielen auf Topniveau“ auf Spielzeit zu kommen, so Mayer. „Die Spielzeit ist in dieser Phase durch nichts zu ersetzen.“ Und so werden sich auch die älteren Heidenheimer Talente ab dem kommenden Sommer wohl mit dem Nachwuchs anderer Bundesligisten messen. „Ganz final beschlossen ist es noch nicht, aber da wird die Reise wohl hingehen“, sagte Sanwald, der auch Einblicke in seine Personalplanungen für die neue Saison gab.
Wirtschaftlich im ersten Drittel der 2. Bundesliga
Bis auf Angreifer Stefan Schimmer und Omar Traoré sowie die fünf Leihspieler besitzen alle Mitglieder des aktuellen Kaders auch im Abstiegsfall über den Sommer hinaus gültige Verträge. Abgänge sind aber möglich und einkalkuliert. „Der ein oder andere hat eine Ausstiegsklausel“, sagte er, „aber das gehört dazu, wir sind weiterhin auf Verkaufserlöse angewiesen.“ Und vielleicht erfüllt Holger Sanwald bei den Transfers auch die Wünsche der Fans. „Es ist wichtig, dass der Kern der Mannschaft bleibt“, sagte Björn Bauer.

Tierisch gut und viel Zukunftsmusik: Diese kuriosen Fragen stellten die Gäste Trainer Frank Schmidt und Co.
Sollte es tatsächlich zu einem Abstieg in die 2. Bundesliga kommen, ist der FCH gut gewappnet. „Wir sind bei den wirtschaftlichen Möglichkeiten in der 1. Bundesliga auf dem letzten Platz“, ordnete Sanwald die aktuelle Situation ein. In der zweiten Liga habe der Verein aber schon in der Aufstiegssaison zum ersten Drittel gehört, sagte er. „Diese Situation haben wir in den drei Jahren in der Bundesliga sogar noch verbessert.“ Doch nicht nur finanziell haben die Heidenheimer durch die Bundesliga-Spielzeiten einen Schritt nach vorn gemacht, auch in der Wahrnehmung in der Fußballwelt. „Meine Kicker-Kollegen aus ganz Deutschland sprechen immer mit einer großen Hochachtung, wenn das Spiel gegen den FCH ansteht“, erzählte Christian Biechele.
Offene Rechnung mit Bayer Leverkusen
Das dürfte auch für den Kicker-Reporter gelten, der über den kommenden Gegner aus Leverkusen berichtet. Vor dem Heimspiel an diesem Samstag, 21. März, hat Frank Schmidt mit der Bayer-Elf noch eine offene Rechnung. „Wir haben 0:6 in Leverkusen verloren, ich habe heute noch unseren Fan vor Augen, der die weiße Fahne schwenkt“, blickte der FCH-Trainer auf die heftige Niederlage im Rheinland zurück. „Wenn das nicht reicht, um bis in die Haarspitzen motiviert in dieses Spiel zu gehen“, sagte Schmidt mit entschlossener Stimme, „da gibt es noch etwas zu begleichen.“ Und verlaufen die 90 Minuten in der Voith-Arena aus FCH-Sicht ähnlich unterhaltsam und stimmungsvoll wie der Kneipenabend im Heuchlinger Vereinsheim, stehen die Chancen auf drei Punkte mehr als gut.

