Wer ist eigentlich dieser Hennes Behrens? Diese Frage stellten nicht wenige Fans des 1. FC Heidenheim, als der 21-jährige Außenverteidiger beim Trainingsauftakt Anfang Januar auf dem Platz stand. In den vergangenen drei Partien hat der Winterneuzugang von der TSG Hoffenheim eine sportliche Antwort gegeben. „Ich dachte, Frans Krätzig ist zurück, die Ähnlichkeit ist verblüffend“, sagte Frank Schmidt bei der ersten Trainingseinheit, „er ist auch ein ähnlicher Spielertyp.“

„Wir wissen, was wir ihm zu verdanken haben“ – warum der FCH an Trainer Frank Schmidt festhält
Und der Vergleich kommt nicht von ungefähr: Sein bevorzugter Arbeitsbereich ist – wie bei Frans Krätzig – die linke Außenbahn. Auch bei den Vorzeichen seines Wechsels auf die Ostalb gibt es Parallelen: Wie sein Vorgänger kam Behrens als Leihspieler (bis Saisonsende) von einem Bundesliga-Konkurrenten, wo er in der Hinrunde kaum Einsatzzeit hatte. Der 21-Jährige spielte zu Saisonbeginn vorrangig für die Drittliga-Mannschaft der TSG Hoffenheim, zog sich Ende September aber einen Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel zu, der ihn bis zur Winterpause zum Zuschauen zwang.
Neuzugang verdrängt „Platzhirsch“ Jonas Föhrenbach
Die Verletzung bremste ihn auch in den ersten beiden Wochen beim FCH, sodass er erst am 19. Spieltag gegen RB Leipzig nach Einwechslung sein Debüt auf dem Schlossberg feiern konnte. Dabei hinterließ er prompt einen guten Eindruck – auch bei Kapitän Patrick Mainka: „Man sieht, dass er Qualität hat und uns weiterhilft“, sagt er. Und nach dem Kurzeinsatz machte er genau das, was sich Frank Schmidt von seiner Verpflichtung erhofft hatte: Er sorgte für Konkurrenzkampf auf seiner Position. „Er bringt viel mit, was unserem Spiel entspricht“, so Schmidt. Mit größerem Offensivdrang entschied er das Rennen der Linksverteidiger gegenüber „Platzhirsch“ Jonas Föhrenbach für sich. „Ich bin super aufgenommen worden im Team, deswegen konnte ich gut mit ihnen harmonieren“, sagt der gebürtige Frankfurter zu seinem Start beim FCH.

In den vergangenen drei Bundesliga-Spielen stand er jeweils in der Startelf und brachte neuen Schwung in das Spiel des Abstiegskandidaten. „Er schafft Situationen, die uns guttun, vor allem in der Offensive“, so Patrick Mainka, der bei seinem Nebenmann in der Abwehrkette aber auch noch Verbesserungspotenzial sieht. „Er will viele Situationen noch spielerisch lösen“, sagt der 31-Jährige, „es fehlt manchmal noch der Schritt, den letzten Pass zu spielen.“
Zwischen Selbstkritik und Unbekümmertheit
Ein Punkt, den auch Behrens selbst in seinem Spiel ausgemacht hat. Seine Spielweise sei „intuitiv“, aber er müsse in einigen Momenten „etwas klarer sein“, sagt der Neuzugang. An Unbekümmertheit und Optimismus scheint es ihm im Abstiegskampf aber nicht zu mangeln. „Es ist vielleicht ein Vorteil, dass ich nicht aus einer negativen Situation komme und einfach frischen Wind reinbringe“, so der Verteidiger, „das hilft der Mannschaft weiter.“
Von den Negativerlebnissen in den vergangenen Wochen will er sich nicht entmutigen lassen. „Wir müssen weitermachen und weiter daran glauben“, blickt er voraus. Das gilt auch für das Heimspiel gegen den VfB Stuttgart an diesem Sonntag, 22. Februar (19.30 Uhr/Voith-Arena) – bei dem er und seine Mitspieler erneut die Außenseiterrolle haben werden. Hennes Behrens sieht darin aber vielmehr eine Gelegenheit für eine Überraschung. „Gegen Dortmund hat auch keiner gedacht, dass wir eine Chance haben“, sagt er mit Blick auf die knappe 2:3-Niederlage. „Und da hätten wir sogar einen Sieg holen können“, fügt Behrens hinzu.
Der Glaube an einen Lauf im Abstiegskampf
Mit jugendlichem Optimismus denkt der Rechtsfuß gleich schon einen Schritt weiter. „Sobald wir ein Spiel gewinnen, traue ich uns zu, auch mal einen Lauf zu haben“, sagt er mit entschlossener Stimme. Für die mutigen Worte wird Hennes Behrens vielleicht von den kritischeren FCH-Fans belächelt, in der aktuellen Situation des Bundesligisten ist die Zuversicht aber einer der letzten Strohhalme – die man noch ergreifen kann. Ein weiterer wäre der Blick in die Vorsaison: Da hatten die Heidenheimer nach 22 Spieltagen mit 14 Punkten nur einen mehr als derzeit gesammelt und schafften bekanntermaßen noch die wundersame Rettung.

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Hennes Behrens wird alles dafür geben, dass sich diese besondere Geschichte wiederholt. Darauf hofft auch sein Trainer: „Bei Frans Krätzig war es ähnlich, da gab es einige Motzer und am Ende ist er als Publikumsliebling gegangen“, so Schmidt, der sich auch in dieser Sache über die nächste Parallele zwischen Krätzig und Behrens freuen würde.
