So ist das wohl, wenn man unten steht: Dann wird auch eine über weite Strecken couragierte Leistung wie die des 1. FC Heidenheim bei der 2:3-Niederlage am Sonntagabend in Dortmund nicht belohnt. Ein bisschen Pech, eigenes Unvermögen, aber auch zweifelhafte Schiedsrichterentscheidungen spielten die Hauptrollen.
Trainer Frank Schmidt hatte seine Mannschaft gleich auf sechs Positionen verändert, nahm Marnon Busch, Tim Siersleben, Omar Traore, Julian Nieheus, Hennes Behrens und den erst zwei Tage zuvor vom SC Freiburg ausgeliehenen Eren Dinkci in die Startelf. Und diese verkaufte sich gut. Der erstmals von Beginn an spielende Behrens versuchte viel, und auch wenn noch nicht alles klappte, könnte er eine Bereicherung sein. Auch Dinkci war jetzt noch kein „Spielentscheider“, wirkte aber gut integriert und hatte eine gute Ausstrahlung.
Gleiche Szene – andere Auslegung
Natürlich kam Dortmund zu Chancen, wie bei Serhou Guirassys Lattentreffer in der 38. Minute. Zuvor hätte der FCH aber in Führung gehen können, als Borussia-Torwart Gregor Kobel nach Flanke von Dinkci den Ball fallen ließ und Patrick Mainka diesen über die Linie drückte. Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck pfiff aber Foul an Kobel.
Bitter war das vor allem, weil das 1:0 nach einer ganz ähnlichen Szene fiel. Hier sprang Guirassy zusammen mit FCH-Keeper Diant Ramaj hoch, der ließ den Ball fallen und Waldemar Anton nutzte die Chance. Den Unterschied machte wohl, dass bei der Szene im Heidenheimer Strafraum auch noch Mainka beteiligt war. Dennoch bleibt da ein großes Fragezeichen.
Bei Dortmunds Elfmeter zum 2:2, den die Heidenheimer ziemlich klaglos akzeptierten, hatte Niklas Dorsch zwar klar den Arm abgespreizt, touchierte die Kugel aber nur hauchzart, die Flugbahn veränderte sich nicht wirklich. Jöllenbeck hatte auch nicht gepfiffen, ob der VAR hier wegen einer „klaren Fehlentscheidung“ eingreifen musste, ist fraglich.
Das Problem war wieder die Chancenverwertung
Letztlich waren aber nicht die Schiedsrichterentscheidungen ausschlaggebend. Insgesamt agierte der FCH dieses Mal konstanter, ließ sich aber kurz nach dem Ausgleich böse auskontern. Und das größte Problem bleibt die äußerst schlechte Chancenverwertung. Denn zwischenzeitlich waren die Heidenheimer dank Julian Nieheus ja sogar in Führung gegangen. Der defensive Mittelfeldspieler ließ seinem Premierentreffer vor einigen Wochen nun einen Doppelpack folgen, konnte darüber aber nicht jubeln. „Klar freue ich mich, dass ich zwei Tore gemacht habe, aber wir haben 2:3 verloren und müssen eigentlich mindestens einen Punkt mitnehmen – das überwiegt leider“, sagte der 24-Jährige.

Beim ersten Treffer wurde Nieheus zunächst geblockt, traf dann aber im Liegen, das zweite Tor erzielte er mit einem satten Schuss aus der zweiten Reihe. Eine solche Entschlossenheit ging seinen Kollegen in diesem Spiel meist ab. Unter anderem hätte Marvin Pieringer kurz nach dem Führungstreffer auf 3:1 für den FCH stellen können, köpfte aber aus kurzer Distanz drüber. Und nachdem Guirassy den zweiten Elfmeter für Dortmund recht leichtfertig vergab, hatten Arijan Ibrahimovic und Mikkel Kaufmann in der Nachspielzeit noch beste Möglichkeiten zum 3:3.
„Insgesamt haben wir aus meiner Sicht ein gutes Spiel gemacht, aber wenn die einen Elfmeter verschießen, dann musst du das einfach bestrafen, und das haben wir heute leider nicht hinbekommen“, sagte Nieheus und blickte dennoch optimistisch nach vorn: „Das, was gut war, musst du mitnehmen und gegen Hamburg umsetzen – dann müssen drei Punkte her.“ Den Vorschlag, ob er dabei vielleicht in offensiverer Rolle eingesetzt werden könnte, quittierte er mit einem Lachen: „Oh nein, bitte nicht.“
FCH muss sich auch belohnen
Was bleibt aus Sicht des FCH? Die Leistung gegen den zu Hause noch ungeschlagenen Bayern-Verfolger war ordentlich und die Winterzugänge könnten die erhoffte Verstärkung darstellen. Punkte gab es aber keine und nach dem Mainzer Überraschungssieg in Leipzig ist der Rückstand auf den Relegationsplatz weiter angewachsen. „Für uns war das heute in Summe schon bitter. Ich denke, ein Unentschieden wäre verdient gewesen", resümierte Frank Schmidt nach der Begegnung.
Der FCH-Coach machte aber auch klar: „Wir müssen uns vorwerfen, dass wir drei klare Chancen nicht genutzt haben.“ Im Heimspiel gegen den Hamburger SV am Samstag, 7. Februar, und dann beim Gastspiel in Augsburg müssen die Heidenheimer punkten – und das wird nur mit mehr Entschlossenheit an vorderster Front klappen.

