Viel Aufwand, wenig Ertrag. Der 1. FC Heidenheim unterlag am Samstagnachmittag beim Hamburger SV erstmals in der noch jungen Saison in der 2. Fußball-Bundesliga. Die 0:1-Niederlage beim HSV, für den Robert Glatzel den entscheidenden Treffer erzielte (42.), zeigte aber deutlich: Der FCH ist trotz prominenter Abgänge auch in der neuen Saison für die Aufstiegskandidaten in der Liga ein unangenehmer Gegner. Zudem lieferten die Heidenheimer in den ersten Wochen Antworten auf drei wichtige Fragen.

Wer übernimmt die Rolle in der Innenverteidigung?

Neu erfinden musste sich die Viererkette des FCH nicht. Mit Kapitän Patrick Mainka, Marnon Busch und Jonas Föhrenbach sind drei Stammkräfte geblieben. Den vierten Platz übernahm zunächst Tim Siersleben. Der im zweiten Jahr vom VfL Wolfsburg ausgeliehene Verteidiger drängte bereits zum Ende der Vorsaison in die Startelf, nach dem Abgang von Oliver Hüsing ist er der heißeste Anwärter auf den frei gewordenen Platz.

Sein erster Vertreter ist Lennard Maloney. Der Neuzugang von Borussia Dortmund sprang beim HSV erstmals über 90 Minuten für den verletzten Siersleben ein. In der entscheidenden Szene des Spiels zeigte der 22-Jähirge dann aber Probleme bei der Orientierung. Bei einer lang geschlagenen Flanke verlor er HSV-Stürmer Robert Glatzel, der dann unbedrängt einköpfen konnte, aus den Augen.

„Je länger das Spiel in der ersten Halbzeit gedauert hat, desto dominanter wurde das Spiel des HSV“, sagte FCH-Trainer Frank Schmidt nach der Partie. Doch statt weiter zu wackeln, stabilisierten sich der FCH und Lennard Maloney in der zweiten Halbzeit und ließen nur noch vereinzelte Kontergelegenheiten zu.

Klar ist: Sowohl Tim Siersleben, der im Spiel in Rostock schwächelte, als auch Lennard Maloney haben gezeigt, dass sie in der 2. Liga mithalten können. Um ganz in die Rolle des Stamminnenverteidigers zu wachsen, fehlen ihnen aber noch ein paar Zentimeter.

Wer gibt der FCH-Offensive Durchschlagskraft?

Deutlich mehr Bewegung gibt es auf den Offensiv-Positionen. Niklas Beste hat die Erwartungen nach seinem Wechsel von Werder Bremen voll erfüllt. Mit drei Vorlagen in den ersten drei Partien ersetzt er den abgewanderten Tobias Mohr nahtlos. Mit einem scharf geschlagenen Eckball bereitete er die beste Heidenheimer Chance des gesamten Spiels vor. Den Kopfball von Patrick Mainka parierte aber HSV-Schlussmann Daniel Heuer Fernandes sehenswert (10.). Und nachdem im weiteren Verlauf keine weitere Chancen hinzukamen, reagierte Frank Schmidt. Die nach ihrem starken Pokalauftritt beim FV Illertissen in die Startelf gerückten Florian Pick und Adrian Beck bissen sich an den diszipliniert verteidigenden Hamburgern die Zähne aus. Auch Tim Kleindienst blieb im Sturmzentrum ohne auffällige Gelegenheit.

In der Vorsaison wäre Topjoker Robert Leipertz wohl die erste Einwechsel-Option gewesen. Doch der spielt mittlerweile bei Liga-Konkurrent SC Paderborn. Deshalb verteilte Frank Schmidt – wie in den Spielen zuvor – die Rolle auf mehrere Schultern und wechselte Stefan Schimmer sowie den stark aufspielenden Kevin Sessa ein. „Wir sind gleich maximal ins Risiko gegangen und wollten in der Offensive viel mehr für das Spiel tun“, sagte er.

Der FCH kam zwar trotz insgesamt 15 Eckbällen nicht mehr zu Großchancen, einen typischen Joker hat man nicht mehr im Kader. Trotzdem sorgt der Konkurrenzkampf in der breit besetzten Offensive für viel Intensität im Kampf um die Startelfplätze, die Einwechselspieler brachten deutliche Belebung.

Wer übernimmt Verantwortung auf dem Platz?

Oliver Hüsing ist als erster Vertreter von Patrick Mainka weg, Norman Theuerkauf war krankheitsbedingt zuletzt nur sporadisch dabei. Führungslos wirkte der FCH in den ersten Spielen auf keinen Fall. Der neue Vize-Kapitän Tim Kleindienst übernahm auf und neben dem Platz wie in der Vorsaison die Rolle des Vorarbeiters. Auch in Hamburg ging der Angreifer kompromisslos in jeden Zweikampf und sprach am Mikrofon erneut Klartext. Zudem saß Theuerkauf im Volksparkstadion wieder auf der Bank, Kevin Müller und der immer stärker etablierte Jan Schöppner bilden auch in den anderen Mannschaftsteilen wichtige Stützen.

Der FCH verliert 0:1 beim Hamburger SV

Bildergalerie Der FCH verliert 0:1 beim Hamburger SV

Hamburg/Heidenheim