Nach dem über die Relegation gerade so geschafften Klassenerhalt rechneten viele Fans und Beobachter zumindest mit etwas mehr Aktivität des FCH auf dem Transfermarkt, zumal auch noch die wichtigen Akteure Frans Krätzig und Paul Wanner (beide Leihende) gingen. Der Vorstandsvorsitzende Holger Sanwald trat aber schon früh auf die Bremse. „Einen Umbruch wird es ganz sicher nicht geben, das wäre auch den Spielern gegenüber, die den Klassenerhalt geschafft haben, nicht gerecht“, betonte Sanwald zu Beginn der Vorbereitungsphase.
Außenverteidiger entschied sich für St. Pauli
Klar sei nur, dass noch ein Akteur für die linke Abwehrseite beziehungsweise Außenbahn kommen müsse. Auch dies klappte nicht, obwohl der FCH hier schon kurz vor dem Abschluss schien. Ein heißer Kandidat war wohl Louis Oppie von Arminia Bielefeld, der sich aber für FCH-Konkurrent St. Pauli entschied.
Es tat sich dann noch etwas an unerwarteter Stelle – nach der Verletzung von Frank Feller kamen die Heidenheimer kurzfristig zu einer Leihe von Torwart Diant Ramaj, er ist die neue Nummer eins. Die Position zwischen den Pfosten war aber ja nicht die, auf der im Vorfeld Handlungsbedarf ausgemacht wurde.
Reicht die Qualität?
So bleiben die Leihe von Arijon Ibrahimovic und das Aufrücken von drei Jugendspielern, für die der Sprung in die 1. Liga aber gigantisch sein dürfte. Der Vorteil: Die Heidenheimer Mannschaft ist damit schon eingespielt. Doch reicht die Qualität in der Breite? Eine Frage, auf die der erste Spieltag natürlich noch keine Antwort geben konnte, zur Beruhigung trug das 1:3 gegen Wolfsburg aber nicht gerade bei.

Es hieß stets, man werde Augen und Ohren offenhalten, allerdings wirkt der Markt auch etwas überhitzt. Bei Verteidiger David Herold vom Zweitligisten Karlsruher SC, der auch immer wieder mit den Heidenheimern in Verbindung gebracht wird, soll eine Ablösesumme von mehreren Millionen Euro fällig werden. Geld, das der FCH wohl nicht ausgeben kann oder will. Die deutschen Topspieler sind teuer und sich so richtig im Ausland umzuschauen, ist nicht die Tradition des 1. FC Heidenheim.
Die direkte Konkurrenz war aktiver?
Bei der direkten Konkurrenz gab es mehr Aktivitäten, sowohl beim Kommen und Gehen als auch finanziell. Für Oppie gab St. Pauli wohl um die 2 Millionen aus, für Morgan Guilavogui 3 und für Joel Fujita aus Belgien gar 3,5 Millionen. Die TSG Hoffenheim, ein weiterer Klub, der in der vergangenen Saison noch in Reichweite des FCH war, hat den Kader mal wieder ordentlich durcheinandergewirbelt und bei den Transfers ein Plus von 26,6 Millionen erzielt. So konnten die Kraichgauer aber auch Topspieler wie Leon Avduallah aus Basel (8 Millionen Ablöse) oder Albijan Hajdari (Lugano/5 Millionen) holen.

Ebenso waren die Aufsteiger nicht gerade bescheiden. Der 1. FC Köln gab rund 22 Millionen für neue Spieler aus, unter anderem 8 Millionen für Innenverteidiger Rav van den Berg vom englischen Zweitligisten FC Middlesbrough. Der Hamburger SV war mit 8,5 Millionen dabei, wird aber voraussichtlich noch den kroatischen Nationalspieler Luka Vuskovic von Tottenham Hotspurs ausleihen und damit den Kaderwert um weitere 12 Millionen Euro erhöhen.
Viele Aktivitäten in der Schlussphase
Überhaupt gibt es gerade am Ende der Transferphase noch zahlreiche Wechsel. Ob es auch für den FCH Sinn ergibt, bis Montag noch aktiv zu werden, wird man sich in der Vereinsspitze genau überlegen. Vor allem, wenn sich auf der anderen Seite noch etwas tun sollte. Die Sommerpause war vor allem um Gerüchte über Leo Scienza, der sich vergangenes Wochenende nochmals präsentieren konnte, und Omar Traore geprägt.
Dementsprechend fällt das Statement von Sanwald aus: „Es ist natürlich möglich, dass sich – bis zum Ende des Transferfensters am Montag – bei uns personell noch etwas tut. Wir werden unserem Weg in Sachen Kaderplanung dabei aber treu bleiben. Das heißt, dass wir nur Dinge machen werden, die sportlich und wirtschaftlich für unseren Verein sinnvoll sind. Das betrifft sowohl mögliche Zu- als auch Abgänge.“
Ansonsten bleiben noch die Möglichkeiten, vereinslose Spieler zu holen, die einen aber nur ganz selten weiterbringen, oder in der Winterpause tätig zu werden, wie es der FCH ja in der vergangenen Runde gemacht hat. Solche Verpflichtungen sind aber oft ein Glücksspiel.