Heidenheim/Rohrbach / Nadine Rau Beim Testspiel des 1. FC Heidenheim im Trainingslager in Österreich gegen Union Gurten hat selbst Frank Schmidt am Ende des Tages kaum noch über Fußball gesprochen. Während des Spiels war ein Auto in eine Tribüne gekracht.

„So etwas habe ich noch nie erlebt“, „Das war wie bei einem Anschlag“ und „Das hätte schlimm ausgehen können“ waren am Dienstagabend nur ein paar der Sätze, die im hektischen Durcheinander zu hören waren, nachdem ein Auto in der Tribüne des Sportplatzes in Rohrbach jäh zum Stehen gekommen war.

Das Testspiel zwischen dem FCH und dem österreichischen Drittligisten Union Gurten lief zu dem Zeitpunkt schon etwas mehr als 100 Minuten und bis dahin hatten nur die Tore und das rüde Vorgehen eines FCH-Gegners gegen zwei Heidenheimer lautere Reaktionen bei den rund 50 Zuschauern und bei Frank Schmidt hervorgerufen.

Direkt neben dem Sportplatz in Rohrbach, hinter dem Tor, auf das die Heidenheimer in der zweiten Halbzeit gespielt hatten, geht es einen steilen Hang hinauf. Am oberen Ende befinden sich Wohnhäuser und vor einem dieser Häuser muss der Besitzer des PKW, ein junger Mann, kurz zuvor seinen Wagen abgestellt haben.

Handbremse kaputt, kein Gang eingelegt

Die Handbremse, so hieß es zumindest kurz darauf unter den Anwesenden, sei kaputt gewesen. Obendrein soll der Mann keinen Gang eingelegt haben. Circa fünf Minuten nach dem Vorfall hatten Zuschauer dem Fahrzeughalter Bescheid gegeben, der sogleich den Hang hinuntergerannt kam und sich wenig später mit den mittlerweile eingetroffenen Polizeibeamten unterhielt.

Passiert ist bei dem Vorfall niemandem etwas. Tatsächlich ein kleines Wunder, angesichts der Tatsache, dass sich alle auf das Fußballspiel konzentriert hatten und vor allem der Gurtener Torhüter und eine Fotografin des FCH mit dem Rücken zum Hang gesessen hatten. Die meisten Zuschauer reagierten erst, nachdem es einen lauten Schlag gegeben hatte, als das Auto durch den Zaun gefahren kam. Danach schoss es die Tartanbahn entlang und direkt in die Tribüne. Im hinteren Teil derer saßen allerdings keine Personen und so konnten sich alle rechtzeitig in Sicherheit bringen. Viele berichteten später, sie hätten zunächst gar nicht realisiert, dass kein Fahrer in dem Wagen gesessen hat.

Die Fußballer nahmen ihre Partie nach einigen Minuten wieder auf und spielten die angesetzten 120 Minuten zu Ende. In den folgenden Interviews mit Frank Schmidt und Robert Leipertz erwähnten diese selbst ohne Nachfrage den Vorfall und waren glücklich darüber, dass alles glimpflich ausgegangen war. „Das war heute ein Wunder“, so Schmidt. Während einige Spieler gleich in der Kabine verschwanden, spielten andere, ebenso wie Zuschauer, noch Szenarien durch. Wären dort hinten ältere Leute gesessen, oder wäre das Auto auf den Platz gerollt...

„Das Wichtigste ist heute, dass alle gesund geblieben sind. Jetzt bin ich so lange hier, aber dass ein Auto herrenlos den Berg runterschießt und niemandem etwas passiert, das ist heute das Allerwichtigste, da ist Fußball nur Nebensache“, sagte Frank Schmidt nach Abpfiff.

„Auf einmal hat der Trainer panisch geschrien, ich meine, das passiert schon öfter, aber dass er auf einmal ,Auto’ ruft, das kam überraschend und ich habe es gar nicht verstanden, bis ich gesehen habe, wie das Auto in die Tribüne kracht, ohne Fahrer“, schilderte Robert Leipertz die Situation.

Nach wenigen Minuten Unruhe ging es für die Fußballer aber weiter, die Heidenheimer haben den ersten Test in Österreich souverän mit 4:1 gewonnen. Am darauffolgenden Tag war der Wagen bereits abgeschleppt worden, die kaputten Pfosten entfernt, der Zaun notdürftig zusammengeflickt. Auf Nachfrage bei der Polizei seitens der HZ hieß es, dass es in Österreich üblich sei, keine Meldung zu bringen, wenn es sich nur um Sachschaden handle.

Es ist Halbzeit beim Trainingslager der FCH-Fußballer im österreichischen Aigen. Nach mehreren Trainingseinheiten stand gegen den Regionalligisten Union Gurten das Testspiel an. Bei bestem Wetter und vor rund 50 Zuschauern wurde zweimal 60 Minuten gespielt, sodass jeder aus dem Kader zum Einsatz kommen konnte. Die einfache Begründung für dieses System: 90 Minuten sind zu viel, 45 Minuten zu wenig Belastung für die Männer in der momentanen Phase. So aber hatte Frank Schmidt die Chance, nach 60 Minuten komplett zu wechseln, die Zeit in Drittel aufgeteilt haben sich Kolja Pusch, Kevin Sessa und Andrew Owusu sowie die Torhüter Kevin Müller, Vitus Eicher und Diant Ramaj.

Youtube Der FCH im Trainingslager in Österreich

Jonas Föhrenbach, der am Wochenende umgeknickt war, konnte gegen Ende auch eingesetzt werden, einzig Maurice Multhaup kam wegen muskulärer Probleme nicht zum Einsatz und der vierte Torhüter im Bunde, Kevin Ibrahim, spielte nicht.

Die Heidenheimer hatten ihren Gegner von Beginn an im Griff und spielten sich viele Torchancen heraus. Dauern sollte es aber bis zur 40. Minute, als sich Gökalp Kilic, der positiv auffiel, nach mehreren guten Aktionen mit einem Treffer belohnte und so das 1:0 markierte.

Kurz nach der Pause erzielte Glatzel das 2:0 und Glatzel war es auch, der kurz vor Ende einer eigentlich regulären Spielzeit von 90 Minuten noch das 3:0 erzielte. Obendrauf holte Andrew Owusu einen Elfmeter heraus, den Robert Leipertz souverän verwandelte. Einziger Wermutstropfen: Tobias Reithmeir verursachte einen unnötigen Elfmeter, sodass es am Ende 4:1 stand.

Trainer Frank Schmidt war alles in allem zufrieden: „Die Spritzigkeit hat gefehlt, aber wir haben es gut gemacht. Wir haben kaum etwas zugelassen, außer einer kleinen Chance für den Gegner. Ich war mit der Spielentwicklung zufrieden, auch wenn wir es sicher das ein oder andere Mal verpasst haben, schneller in die Tiefe zu spielen.“

Auch FCH-Vorstandsvorsitzender Holger Sanwald, der zum Spiel angereist war, lobte den engagierten Auftritt der Mannschaft. „Wir haben immer Druck gemacht und nichts zugelassen. Die Müdigkeit wegen des Trainingslagers hat man vorwiegend im Abschluss gesehen“, resümierte Sanwald.

Am Samstag steht das zweite Testspiel gegen Linz an, es werden wieder zweimal 60 Minuten gespielt.

FCH erste Halbzeit: Müller (Eicher), Hüsing, Griesbeck, Pusch (Sessa), Feick, Strauß, Brändle (Otto), Schmidt, Beermann, Dorsch, Kilic

FCH zweite Halbzeit: Eicher (Ramaj), Busch, Mainka, Schnatterer, Glatzel, Thomalla, Leipertz, Sessa (Owusu), Otto, Theuerkauf, Reithmeir (Föhrenbach)