Eins wird ganz schnell klargestellt: „Auf St. Pauli duzt man sich“, sagt Johanna Klie und lacht hinter dem Tresen hervor. Eigentlich wäre die Bar, in der sie seit drei Jahren arbeitet, an diesem Sonntagvormittag längst brechend voll.

Vor Ort: Der FCH spielt gegen St. Pauli.
Vor Ort: Der FCH spielt gegen St. Pauli.
© Foto: Nadine Rau

Das erste Heimspiel vom FC St. Pauli wird immerhin in ein paar Stunden angepfiffen und das „Tippel II“, so der Name der Kneipe, gehört zu einer der Adressen schlechthin für die Fans. Vor dem „Tippel II“, erklärt Klie, gab es erst das „Tippel in“, das bedeutet „reinstolpern“. Und genauso reingestolpert in die Kneipe am Eck ist an diesem wolkenverhangenen Tag im Kiez die Lokalpresse aus Heidenheim.

Vor Ort: Der FCH spielt gegen St. Pauli.
Vor Ort: Der FCH spielt gegen St. Pauli.
© Foto: Nadine Rau

Heidenheim ist in dem Laden nur wenige Meter vom Millerntor entfernt längst kein Fremdwort mehr. Klie war schon bei Auswärtsfahrten dabei und Dario Wilding, einer der wenigen treuen Gäste, die heute schon an der Bar sitzen, erzählt sogar von einem gebürtigen Heidenheimer, der Stammgast und Pauli-Fan ist.Dieses Mal werden sich keine Heidenheimer in die Bar verirren, weil sie wegen Corona gar nicht zugelassen sind, aber normalerweise hat Klie die Schwaben immer gern begrüßt. „Ein angenehmes Völkchen“, sagt die 32-Jährige. „Die machen keinen Ärger.“

Vor Ort: Der FCH spielt gegen St. Pauli.
Vor Ort: Der FCH spielt gegen St. Pauli.
© Foto: Nadine Rau

Ob Heidenheimer oder Hamburger – so oder so fehlen seit Monaten die Fans in St. Pauli. Das „Tippel II“ hatte zwischen März und Mai mal ganz geschlossen, jetzt dürfen immerhin wieder ein paar Gäste kommen und auch Fußball schauen. „An normalen Spieltagen, wenn ich hier um neun aufmache, ist der Laden gleich dicht“, beschreibt Klie die Zeiten vor Corona. Heute hat sie um zehn aufgemacht und immerhin sind ein paar Leute gekommen.

Vor Ort: Der FCH spielt gegen St. Pauli.
Vor Ort: Der FCH spielt gegen St. Pauli.
© Foto: Nadine Rau

„Das sind die Fans aus der direkten Nachbarschaft.“ Der Einbruch wegen Corona in den von Kneipen durchzogenen Straßen rund ums Millerntor – er ist enorm. Klie erklärt, dass auch viele Touristen aus England immer bei ihr waren, die jetzt natürlich auch nicht mehr kommen. „Die Fußballfans fehlen einfach.“ In manchen Kneipen werden die Corona-Maßnahmen vor allem nachts geflissentlich ignoriert: Nach Razzien wurden in der Nacht auf den ersten Heimspieltag der Kiez-Kicker acht Bars auf St. Pauli sogar geschlossen.

Auf die Frage nach der Zukunft der Bar reagiert Klie betrübt. „Wenn es sich noch mal ganz schlecht entwickelt, überlebt der Laden das nicht“, ist sie überzeugt. Da protestiert auch ihr Chef und Inhaber Edgar Hees nicht. Auf die Frage nach der Zukunft ihres Klubs klingt Klie auch noch nicht so ganz überzeugt. „Jetzt hoffen wir mal, dass sie die Klasse halten.“

Youtube Stimmung vor dem Spiel FCH vs. St. Pauli