Was war denn das für ein irres Spiel an einem regnerischen Mittwochabend? Nach zähem Beginn lieferten sich der SV Sandhausen und der 1. FC Heidenheim ein wahres Spektakel, der FCH vergab zweimal eine vermeintlich sichere Führung, triumphierte am Ende aber doch mit 4:3 Toren und rückt damit dem Tabellenzweiten Hamburger SV auf die Pelle.

Nach dem 3:0 über Paderborn hatte Trainer Frank Schmidt zweimal gewechselt, Tim Kleindienst kehrte nach seiner Gelbsperre zurück, zudem durfte Christian Kühlwetter beginnen, dafür nahmen Denis Thomalla und Kevin Sessa auf der Bank Platz. Das 4-2-3-1-System blieb aber und mit dieser Ausrichtung war der FCH von Beginn an gut im Spiel. Sandhausen dachte freilich gar nicht daran, zu Beginn richtig Druck zu machen, die Gastgeber spielten eher im eigenen Stadion auf Konter.

Das Glück steht bei

So entwickelte sich zunächst ein zähes Spiel, das die Heidenheimer geduldig annahmen. Die Schmidt-Truppe hatte viel Ballbesitz, Chancen wurden dabei aber nicht herausgespielt. Lediglich ein Kopfball von Kleindienst nach Freistoß-Flanke von Niklas Beste brachte etwas Gefahr. Dann war‘s aber ein bisschen zu viel der Geduld, der FCH ließ den Biss vermissen und urplötzlich gab es eine Sandhäuser Druckphase zwischen der 22. und 24. Minute, bei der Christian Kinsombi den Außenpfosten traf.

Da hatte der FCH ein klein wenig Glück und das stand dann auch beim Führungstreffer in der 31. Minute zur Seite: Bei Bestes gutem Eckball zögerte SVS-Torhüter  Patrick Drewes und die Abwehr ließ Tim Siersleben völlig außer acht, so dass der Heidenheimer Innenverteidiger aus kurzer Distanz zum 0:1 einköpfen konnte.

Kleindiensts Extravorstellung

Sandhausen blieb trotz Rückstand eher defensiv, der FCH hatte wenig Mühe und erhöhte durch eine feine einzeleistung seines Torjägers: Kleindienst leitete den Angriff selbst ein, nach Flanke von Marnon Busch folgte die gute Ballannahme, der erste Versuch wurde geblockt und den Abpraller donnerte Heidenheims Nr. 10 volley unter die Latte.

Natürlich wechselten die Gastgeber zur zweiten Halbzeit offensiv, doch wieder saß der Nadelstich des FCH. Kühlwetter hielt nach Vorarbeit von Jonas Föhrenbach in der 48. Minute aus 25 Metern einfach mal drauf: Sein Flachschuss passte genau ins rechte untere Eck.

Die Vorentscheidung? Nein, denn nun leisteten sich die Heidenheimer einen kleinen Aussetzer, keiner griff beim Angriff des SVS richtig an und so konnte Merveille Papela nur zwei Minuten später auf 1:3 verkürzen.

Der FCH schüttelte sich gleich wieder und machte nach 69 Minuten bei einem Konter durch durch Beste das 1:4. Die Vorentscheidung? Nein, denn der Videoassistent greift ein und Kleindienst stand bei seiner exzellenten Vorbereitung ganz knapp im Abseits.

Die Vorentscheidung?

Vier Minuten später hat der eingewechselte Sessa nach herrlichem Pass von Lennard Maloney freie Bahn, läuft auf Drewes zu, überlegt das Zuspiel auf Kleindienst, schießt den Ball dann aber nach eine gefühlten Ewigkeit einfach über den zu Boden stürzenden Keeper hinweg in die Maschen.

Jetzt aber. Nein, immer noch nicht, denn erneut verlieren die Heidenheimer kurzzeitig den Biss und haben dann das Pech, das Christian Kinsombis Schuss in der 76. Minute von Norman Theuerkauf unhaltbar zum 2:4 abgefälscht wird.

Und das war noch lange nicht alles: Nur eine Minute später ist der eingewechselte Marvin Ritzmaier durch, Siersleben erwischt mit seiner Grätsche den Ball, aber auch den Spieler und Schiedsrichter Richard Hempel entscheidet auf Strafstoß. Wieder greift der VAR ein: Das Foul war außerhalb des Strafraums.

Noch mal gut gegangen? Nein, denn beim folgenden Freistoß lässt sich der FCH von einem simplen Querpass überraschen und Alexander Esswein zimmert die Kugel rechts unten zum Anschlusstreffer ins Eck.

Diesmal mit Happy-End

Und so musste doch wieder gezittert werden, Sandhausen warf natürlich alles nach vorn. Aber die Heidenheimer zeigten, dass sie aus dem Magdeburg-Spiel vor zwei Wochen gelernt hatten. Eine Schrecksekunde gibt es in der Nachspielzeit noch, als Aleksandr Zhirov die Flanke von Cebio Soukou haarscharf mit dem Kopf verpasst, mehr lässt der FCH aber nicht mehr zu und geht so als nicht unverdienter, aber sicher auch etwas glücklicher Sieger vom Platz.