Wenn am 7. August die 2. Bundesliga in die neue Saison startet, wird auch der 1. FC Heidenheim erstmals wieder bei einem Pflichtspiel auf dem Rasen stehen. In der Startaufstellung dürfte es im Vergleich zum Saisonfinale in der Bundesliga gegen den FSV Mainz 05 einige Veränderungen geben. „Wir müssen erst einmal schauen, wie die Mannschaft zusammenbleibt“, blickt FCH-Vorstandschef Holger Sanwald auf die Personalsituation für die Spielzeit 2026/27 voraus. Während einige Abschiede schon fix sind, werden laut des 59-Jährigen noch weitere hinzukommen. Dazu ein Blick auf feststehende Abgänge und weitere Abschiedskandidaten.

Trotz „gewaltigem Einschnitt“: So steht der 1. FC Heidenheim finanziell in der 2. Bundesliga da
Zwar wurde nach dem Schlusspfiff am Samstagnachmittag kein Profi offiziell verabschiedet, doch ein Kreis an Spielern wird zum Start der Vorbereitung im Juli nicht mehr auf dem Schlossberg aufschlagen. Neben Stefan Schimmer und Omar Traore, deren Verträge am 30. Juni auslaufen, werden auch die fünf ausgeliehenen Spieler wieder zu ihren Vereinen zurückkehren. Zu Wochenbeginn verabschiedete sich Eren Dinkci via „Instagram“ mit herzlichen Worten vom FCH und dessen Fans. Auch Arijon Ibrahimovic schickte ein dickes Dankeschön an den Verein. Ähnliche Aussagen von Leonidas Stergiou, Diant Ramaj und Hennes Behrens dürften in Kürze folgen. Bereits im März hatte Holger Sanwald verkündet, dass ein Verbleib der Leihspieler unwahrscheinlich sei. Für Stefan Schimmer soll es einen exotischen Interessenten geben. Laut „Sky“ steht der 31-Jährige, der seit 2019 das Trikot des FCH trug, vor einem Wechsel zum thailändischen Meister Buriram United.
Nicht nur die Leihrückkehrer gelten als Abschiedskandidaten
Einige Spieler werden unabhängig von ihrer Vertragssituation auch in der 2. Bundesliga nur wenig Aussicht auf Einsatzzeiten haben. Darunter dürften drei verliehene Spieler fallen, die bald zurückkehren – oder vielleicht auch nicht. Der stille Abgang des langjährigen Stammkeepers Kevin Müller im Winter könnte ein dauerhafter werden. Nach seinem Wechsel zum FC Schalke 04 nahm er seine Rolle als Ersatzmann von Loris Karius ohne Murren an. Für seinen Teamgedanken wurde er jüngst von Trainer Miron Muslic gelobt. Nach dem Bundesliga-Aufstieg liebäugelte er selbst mit einem Verbleib. „Es ist kein Geheimnis, dass ich es mir sehr gut vorstellen könnte, hier zu bleiben.“

Luka Janes spielte in dieser Saison beim Drittliga-Aufsteiger SG Sonnenhof Großaspach nur eine Nebenrolle. Gleiches gilt für Maximilian Breunig, der bei Zweitligist 1. FC Magdeburg nur bei vier seiner 18 Einsätze in der Startelf stand (drei Treffer). Eine ähnliche Bilanz erreichte Mikkel Kaufmann seit Sommer im FCH‑Trikot. Auch wegen kleinerer Verletzungen kam er in der Rückrunde nur zu Kurzeinsätzen und rutschte in der Stürmerhierarchie nach hinten. Ein Abgang scheint nicht ausgeschlossen.
Einige Spieler haben Ausstiegsklauseln im Vertrag
Den Verkauf von Spielern wird es aber nicht nur aus Gründen der Perspektive geben, auch finanzielle Aspekte werden die Planungen bestimmen. Wie in den vergangenen Jahren wird der FCH auch in diesem Jahr sehr wahrscheinlich auf Transfererlöse angewiesen sein. Durch die abstiegsbedingte Halbierung des Etats auf 40 Millionen Euro muss der Verein auch beim Personal den Gürtel enger schnallen. Bei seiner herausfordernden Kaderplanung hat Holger Sanwald aber den großen Vorteil, dass er bei den verbleibenden Spielern zumindest weitgehend das Heft des Handelns in der Hand hat. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, der Großteil der Spieler hat Verträge“, sagt der FCH-Verantwortliche. „Deshalb haben wir sie entweder in der Mannschaft oder wir bekommen finanzielle Mittel, die wir wieder investieren können.“

Einige der Spieler stehen zwar noch länger unter Vertrag, besitzen aber Ausstiegsklauseln. Nach unseren Informationen müssen die mit fixen Ablösesummen versehenen Klauseln aber bis zu festgelegten Zeitpunkten vor dem Saisonende von den abnehmenden Vereinen aktiviert werden. Somit bliebe bei möglichen Abgängen noch das gesamte Transferfenster, das am 31. August endet, um einen Ersatz zu verpflichten.
Gefragte Leistungsträger: Wie entscheiden sich Mainka und Dorsch?
Das größte Interesse dürften in der aktuellen Saison die konstantesten Leistungsträger auf sich gezogen haben. Angesprochen auf ihre eigene Zukunft wollten sich weder Niklas Dorsch noch Patrick Mainka nach dem frischen Abstieg dazu äußern. „Ich muss das erst einmal sacken lassen“, so Mainka, der in den Wochen zuvor selbst häufiger über einen hohen persönlichen Stellenwert der Bundesliga sprach. Während der Kapitän (bis 2029) und Dorsch (2028) noch langfristige Verträge besitzen, ist die Ausgangslage bei einigen Teamkollegen eine andere. So gehen Marvin Pieringer, der Bundesliga-Rekordtorschütze des FCH, und Mathias Honsak, der zum erweiterten Kreis der österreichischen Nationalmannschaft zählt, in ihr letztes Vertragsjahr. Bei Spielern von dieser Qualität stellt sich bei solchen Konstellationen meist die Frage: Verlängern oder die letzte Chance auf eine Ablöse nutzen?

Emotionaler „Abstieg mit Würde“: Warum die Tränen beim FCH auch das Zeichen einer großen Leistung sind
Antworten auf diese und weitere Fragen rund um Abgänge wird es aber wohl erst in den kommenden Wochen, vielleicht erst in Monaten geben. Das weiß auch Trainer Frank Schmidt. „Wie der Kader aussieht, kann ich jetzt noch nicht sagen“, sagt der 52-Jährige, der aber zuversichtlich gestimmt ist: „Wir werden versuchen, eine gute Mannschaft auf die Beine zu stellen.“
