Spieler wie Willi Landgraf gibt es in den deutschen Fußballligen nur noch wenige. Und den jüngeren Heidenheimer Fans dürfte der ehemalige Mitspieler von Trainer Frank Schmidt aus Aachener Zeiten kein Begriff mehr sein. Doch der Verteidiger, der mit 508 Einsätzen Rekordspieler der 2. Bundesliga ist, verkörperte in seiner Karriere eine Eigenschaft, die dem 1. FC Heidenheim bei der 0:3-Heimniederlage gegen RB Leipzig am vergangenen Samstag gefehlt hatte. „Er wusste immer, dass ein besserer Spieler auf ihn zukommt“, erzählte Frank Schmidt nach der Partie, „aber er hat meist ein besseres Spiel gemacht, weil er keine Angst hatte, den Zweikampf anzunehmen.“

Mit Licht und Schatten: So bewertet FCH-Trainer Frank Schmidt die Leistung seiner beiden Winterneuzugänge
Diese fehlende „Willi-Landgraf-Mentalität“ sprach Schmidt an. Denn zum wiederholten Mal spielte der FCH gegen einen auf dem Papier stärkeren Gegner über weite Strecken gut mit, ließ gute Torgelegenheiten aus und war wegen eigener Fehler in wenigen Aktionen letztlich chancenlos. „Acht Minuten reichen aus, um uns komplett rauszunehmen“, resümierte Mittelfeldspieler Niklas Dorsch, „bei den Abschlüssen sieht man den Unterschied in der Entschlossenheit.“
Der 1. FC Heidenheim kassierte drei Tore in achteinhalb Minuten
In den acht Minuten, in denen Ridle Baku (62.), Antonio Nusa (68.) und David Raum (70.) die Fehler des FCH mit drei Treffern bestraften, wurden die Heidenheimer Probleme in dieser Saison einmal mehr offensichtlich. „Wenn du nur froh bist, wenn du den Ball 30 Meter nach vorn schießt, oder wenn du nur mit 80 Prozent in den Zweikampf gehst, gewinnst du keinen Blumentopf“, sagte Schmidt.

Letztlich beschrieb Schmidt damit eine Rechnung, die die Ausgangslage des FCH in dieser Bundesliga-Spielzeit verdeutlicht. Gegen die meisten Gegner starten die Heidenheimer wegen der geringeren Kaderstärke schon im Minus. Um dieses Defizit auszugleichen, braucht es die oft von dem 52-Jährigen erwähnte Entschlossenheit und Intensität. Und um letztlich im Plus – auch auf dem Punktekonto – anzukommen, muss die Effektivität stimmen und stellenweise etwas Glück hinzukommen. Die Rechnung ging bisher aber nur selten auf.
Frank Schmidt ist nach vielen Negativerlebnissen als Psychologe gefragt
Noch schwieriger macht die aktuelle Aufgabe die Spuren, die der nun schon eineinhalb Jahre dauernde Abstiegskampf bei den Spielern des 1. FC Heidenheim hinterlassen hat. „Es ist in erster Linie ein Kopfproblem“, betonte auch Frank Schmidt, der verriet, dass er aktuell auch als Psychologe gefordert ist. „Man merkt, dass die Spieler daran zweifeln, und Misserfolge führen dazu, dass dieser Glaube nicht mehr so da ist“, sagte er. Dass die aktuelle Situation für Heidenheimer Spieler tatsächlich auch „Kopfsache“ ist, zeigte der Spielverlauf am Samstagnachmittag. „Nach dem 0:1 waren wir raus aus dem Spiel und sind neben uns gestanden“, so Schmidt.

Auch gegen RB Leipzig: Die Chancenverwertung bleibt beim 1. FC Heidenheim ein Dauerproblem
So stellt sich die Frage: Gibt es einen Weg aus der Krise? Obwohl man beim Tabellenletzten nach den vielen Negativerlebnissen etwas länger nach Mutmachern suchen muss, gibt es diese tatsächlich. Nach schwachen Auftritten zeigte der FCH mehrfach eine gute Reaktion. Auf die 0:3-Heimpleite gegen Mönchengladbach ließ die Schmidt-Elf zwei Siege folgen. „Das ist eine Situation, die wir schon kennen“, sagte Niklas Dorsch, „wir müssen die Ärmel wieder hochkrempeln und eklig sein.“ Worte, die auch aus dem Mund von Willi Landgraf hätten kommen können. Und vielleicht kann dieser den Spielern seines ehemaligen Teamkollegen mit motivierenden Worten und Zweikampftipps helfen. Landgraf ist mittlerweile als Jugendtrainer beim FC Schalke 04 aktiv und hätte sicherlich nichts dagegen einzuwenden, wenn der FCH am kommenden Sonntag, 1. Februar, dem Schalker Erzrivalen aus Dortmund beim Auswärtsspiel ein Bein stellt.

