"Der wichtigste Bereich"

Rituale, Musik und besonderes Licht: Kapitän Patrick Mainka gewährt einen seltenen Einblick in die Kabine des 1. FC Heidenheim

Eigentlich dürfen in die vor kurzem renovierte Kabine des 1. FC Heidenheim nur Spieler, das Trainerteam und Verantwortliche des Vereins. Patrick Mainka hat für die HZ-Sportredaktion eine Ausnahme gemacht und Einblicke in den Ort gewährt, "an dem alles passiert". Im Interview verrät der FCH-Kapitän, welches sein persönliches Highlight in der Kabine ist, wie dort Konflikte gelöst werden und wer für die Musik nach den Spielen sorgt:

Es werden Erfolge gefeiert, Tränen fließen und einzelne Spieler wachsen zu einem Team zusammen. Die eigene Kabine ist für eine Sportmannschaft mehr als nur ein Raum. Beim 1. FC Heidenheim ist die Heimkabine an ganzes Stück größer und für die Öffentlichkeit weitgehend tabu. FCH-Kapitän Patrick Mainka gewährt Einblicke, was hinter der Kabinentür passiert.

Die Kabine wird im Sport häufig als das Allerheiligste einer Mannschaft bezeichnet. Welche Bedeutung hat die Kabine für Sie und Ihr Team?

„Es ist der wichtigste Bereich für uns als Mannschaft. Wir verbringen die meiste Zeit dort und sind auf engstem Raum zusammen. Da lernt man seine Mitspieler kennen, es wird viel gelacht und auch mal Blödsinn geredet. Es ist für die Mannschaft der Ort, wo der Teamgedanke im Vordergrund steht, gelebt wird und sich entwickelt. Es ist der Ort, an dem alles passiert.“

Welche Rolle spielt die Kabine in Ihrem fußballerischen Alltag?

„Es ist der erste Ort, an dem man hier an der Voith-Arena ankommt. Man legt seine Sachen ab, zieht sich um und macht sich bereit fürs Training. Man hat hier jeden Tag den ersten Kontakt zu seinen Mitspielern. Es ist ein heimisches Gefühl, du kennst alles und weißt, wo wer sitzt.“

Ein Blick in den persönlichen Bereich der Spieler: Patrick Mainka öffnet die Tür zur Kabine des 1. FC Heidenheim. Rudi Penk

Das klingt wie in einem Wohnzimmer.

„Es ist ein bisschen wie bei der Familie zu Hause, wo jeder immer auf seinen gleichen Platz am Küchentisch sitzt. Es ist hier nicht anders. Du weißt, wie es riecht und wie die Atmosphäre ist. Es ist wirklich ein bisschen wie zu Hause, unser sportliches zu Hause eben.“

Wie wirkt sich das auf die Heimspiele aus?

„Es gibt feste Abläufe an Heimspieltagen, die immer gleich sind. Hier weißt du genau, wann die Besprechung ist und wann wir raus auf den Platz gehen, um uns aufzuwärmen - alle Wege sind bekannt. Das gibt ein Gefühl der Sicherheit. Und diese Sicherheit überträgt sich auch auf das Spielfeld und die Leistungen, wie die Ergebnisse bei unseren Heimspielen seit Jahren zeigen.“

Viele Fußballer gelten als abergläubisch und haben ihre Marotten in der Kabine, wie ist das bei Ihnen?

„Es gibt ein paar Dinge, die ich immer gleichmache, aber die verrate ich nicht. Jeder Spieler hat da so seine kleinen Rituale. Der eine zieht den linken Schuh zuerst an, der andere steht etwas länger vor dem Spiegel. Was sich bei uns eingespielt hat, ist, dass sich häufig die gleichen Gruppen von Spielern zusammenfinden, die gemeinsam nach der Ankunft auf dem Platz gehen.“

Muss man bei Auswärtsspielen seine Gewohnheiten anpassen?

„Auswärts ist vieles anders. Du weißt beispielsweise wegen der Verkehrslage oder anderen Umständen nie genau, wann du auf dem Weg vom Hotel zum Stadion mit dem Bus ankommst. Zudem ist es im Vorfeld schwer einzuschätzen, wie der Rasen aussieht und wie die Atmosphäre im Stadion ist. Es sind einfach andere Abläufe in ungewohnte Umgebung.“

Das gilt bestimmt auch für die Kabine.

„Auch da. Es in unser erstes Jahr in der Bundesliga, da kommen wir in viele neue Stadien, in denen wir bislang noch nicht gespielt haben. In der zweiten Liga kannten wir die meisten Kabinen. Wobei man sagen muss, dass viele Gästekabinen in der Bundesliga deutlich besser ausgestattet sind.“

Wohlfühlatmosphäre statt Schwimmbadfeeling: Patrick Mainka gefällt es in seinem zweiten Wohnzimmer sichtlich gut. Rudi Penk

Und was macht die Heimkabine des FCH im Vergleich dazu besonders?

„Unsere Kabine ist ja noch neu und wurde erst in der vergangenen Winterpause umgebaut. Da ist viel in die Planungen eingeflossen, was wir ins anderen Kabinen sehen konnten. In unserer jetzigen Kabine macht es richtig Spaß, sich auf seinen Platz zu setzen. Vor der Renovierung erinnerten unsere Spinde eher an ein Schwimmbad. Wegen der Gestaltung gab es vorab viele Gespräche zwischen den Vereinsverantwortlichen und unserem Mannschaftsrat, wir waren involviert und konnten unsere Wünsche äußern. Mit dem Ergebnis sind wir sehr zufrieden.“

Und welches Detail gefällt Ihnen am besten?

„Das Highlight sind die Lichteffekte in unseren FCH-Vereinsfarben.“

Zu gutem Licht gehört auch gute Musik, wer ist in der Mannschaft dafür verantwortlich?

„Florian Pick macht immer die Musik. Er hat dafür ein feines Gespür.“

Und welche Musikrichtung spielt er?

„Nach erfolgreichen Spielen läuft häufig Schlager, dabei kann man gesellig zusammensitzen. Er spielt aber die volle Bandbreite, zum Beispiel auch Hip-Hop oder R&B. Es ist ein breites Spektrum und er trifft jeden Geschmack. Picki ist ein guter Kabinen-DJ.“

In der Kabine kann es aber auch ohne Musik lauter werden. Was passiert, wenn es mal zwischen zwei Spielern kracht?

„Wenn es mal Unstimmigkeiten auf dem Platz gibt, wird das in der Kabine geregelt. Da haben wir ein sehr gutes Teamgefüge mit einwandfreien Charakteren. Es wird sich auch mal gegenseitig deutlich die Meinung gesagt, aber dann springen oft mehrere Spieler mit ein und es klärt sich. Dabei ist es nie aggressiv oder respektlos.“

Sie sind am vergangenen Wochenende zum 200. Mal im FCH-Trikot in einem Pflichtspiel aus der Kabine aufs Feld gegangen. Bedeutet Ihnen diese Zahl etwas?

„Das 200. Spiel ist eine Marke, auf die ich schon stolz bin. So etwas schaffen nicht viele Spieler bei einem Verein. Es bedeutet, dass man viel mit dem FCH erlebt hat, viele Geschichten gemeinsam geschrieben hat und in der Mehrzahl waren es auch schöne Geschichten. Da kann ich später draufschauen und sagen: Ich habe viel dazu beigetragen, dass es mit dem Verein weit nach oben ging. Von daher war es schon ein besonderes Spiel, es soll aber natürlich nicht das letzte gewesen sein.“

Deshalb haben Sie Ihren Vertrag kurz vor Weihnachten vorzeitig bis 2027 verlängert? Warum hängen Sie nach sechs Jahren beim FCH noch drei weitere dran?

„Ich habe mich von Anfang an in Heidenheim wohlgefühlt. Wenn man spielen macht, macht es natürlich am meisten Spaß. Es passt aber auch einfach in der Kabine und das Drumherum. Ich freue mich, meine Mitspieler und die Leute im Verein fast jeden Tag zu sehen. Heidenheim ist eine zweite Heimat geworden, wo ich mich auskenne, wo mich die Leute nehmen und schätzen, wie ich bin. Deshalb war es auch keine schwierige Entscheidung, zu sagen: Wir gehen den Weg gemeinsam weiter.“

Das scheint zu passen. Haben Sie trotzdem noch einen fußballerischen Traum, den Sie sich noch erfüllen wollen?

„Man weiß oft nicht, was im Fußball noch passiert. Mit der Entscheidung, meinen Vertrag zu verlängern, habe ich die beste Entscheidung für mich und meine Familie getroffen. Mein Traum war es immer, Bundesliga zu spielen und dieser Traum steht noch über irgendwelchen Abenteuern wie beispielsweise im Ausland.“

Leverkusen-Trainer Xabi Alonso hatte vor dem Spiel beim FCH gesagt, es sei die schwierigste Auswärtsaufgabe, die es aktuell in der Bundesliga gibt. Ein großes Kompliment, das stolz macht?

„Das haben wir uns in den bisherigen 23 Bundesliga-Spielen erarbeitet. Das hätte er am ersten, zweiten oder dritten Spieltag sicherlich nicht so gesagt. Inzwischen weiß jeder, dass wir das, was uns in der zweiten Liga ausgezeichnet hat, auch in der Bundesliga adaptieren können. So etwas von einem möglichen Meistertrainer zu hören, ist eine Bestätigung unserer Arbeit.“

Also können sich auch die Frankfurter an diesem Samstag auf ein schwieriges Auswärtsspiel einstellen?

„Eintracht Frankfurt darf sich auf eine unangenehme Aufgabe freuen. Es wird wieder ein sehr, sehr intensives Spiel. Wir müssen die Frankfurter dazu zwingen, dass sie sich an unsere Spielweise anpassen müssen. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir am Samstag einen Heimsieg landen können. Dieses Selbstbewusstsein haben wir uns erarbeitet. Inzwischen haben wir gegen jede Mannschaft einmal gespielt und kennen jeden Gegner. Von daher wissen wir, was Bundesliga bedeutet und die Bundesliga weiß, was es bedeutet, auf den 1. FC Heidenheim zu treffen.“

Wie sieht es in eurer Kabine aus?

Nicht nur beim 1. FC Heidenheim wurde schon der ein oder andere Sieg gefeiert. Bei den vielen Sportvereinen im Landkreis verbergen sich hinter den Kabinentüren spannende Geschichten. Gerne schauen wir auch in eurer Kabinen vorbei und lassen uns über Besonderheiten, Feiern oder Kuriositäten von heute und früher erzählen. Abteilungen und Vereine, die einen Einblick in ihre Kabine geben wollen, schreiben bitte unter dem Betreff "Ein Blick in die Kabine" und einer kurzen Erläuterung eine E-Mail an sport@hz.de

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