Am 7. November war der Fall erstmals verhandelt worden, am Mittwoch dieser Woche ging es nun weiter. Klar ist, dass es nach dem Spiel zu Auseinandersetzungen zwischen den Fanlagern gekommen war, in deren Verlauf unter anderem zwei Hamburger verletzt wurden. Dokumentiert sind eine Gehirnerschütterung, Prellungen und ein Haarriss im Schädel.

Aber hatte ein 28-jähriger Gerstetter, der der organisierten FCH-Fanszene angehört, mit Anlauf einen Faustschlag gegen den Kopf eines HSV-Anhängers ausgeführt oder – wie er selbst angab – lediglich jemand ein Bein gestellt? Belastet wurde er vor allem durch die Aussage eines szenekundigen Polizeibeamten, der den Vorfall beobachtete, entlastet durch einen anderen Stadionbesucher.

Zeugen kamen wieder nicht

Weitere Zeugen, darunter der Geschädigte aus Hamburg, waren am 7. November nicht erschienen – und sie kamen auch dieses Mal nicht. Richter Dr. Christoph Edler sah wenig Sinn darin, die Zeugen aus dem hohen Norden weiter vorzuladen oder letztlich sogar von der Polizei nach Heidenheim bringen zu lassen, zumal diese mittlerweile angaben, nichts mehr zu den nun fast eineinhalb Jahre zurückliegenden Vorfällen sagen zu können.

So ging es zügig an die Plädoyers. Die Staatsanwältin hatte keine Zweifel, dass der Beamte den Beschuldigten erkannt hat und forderte für den auch einschlägig vorbestraften 28-Jährigen eine Freiheitsstrafe von einem Jahr, die zur Bewährung ausgesetzt werden kann, sowie eine Geldstrafe von zwei Monatseinkommen.

Im Zweifel für . . .

Für Verteidiger Ulrich Carle stellte sich die Sache ganz anders da. Da der Polizeibeamte noch nicht lange „szenekundig“ im Einsatz war, ihm der Angeklagte zuvor nicht bekannt war und es nach dem Spiel eine unübersichtliche Situation war, sei eine eindeutige Identifizierung nicht möglich gewesen.

Es seien viele Personen mit FCH-Pullis unterwegs gewesen, darunter auch viele mit der Größe und Statur des Beschuldigten. Zudem sei die Sicht versperrt gewesen und auch die Aussage einer Security-Mitarbeiterin habe die Schilderung des Beamten nicht bestätigt.

Dem folgte dann auch der Richter und sprach den Gerstetter unter dem Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ frei, die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse. Mit dem Urteil verband Richter Edler aber auch den Ratschlag an den Gerstetter, sich lieber von den Geschehnissen im Umfeld der Fußballspiele fern zu halten, hatte dieser doch nun nicht das erste Mal deshalb vor Gericht gestanden.