DFB-Pokal

Goliath bei David: Wie Favorit 1. FC Heidenheim gegen den SSV Jeddeloh II im DFB-Pokal ein Fußballwunder verhindern will

Ab nach Oldenburg! Als Zweitligist tritt der 1. FC Heidenheim in der 1. Runde des DFB-Pokals am Sonntag beim SSV Jeddeloh II (Regionalliga Nord) an. Die Gastgeber hoffen als Fußballamateure auf eine Sensation, die aber aus mehreren Gründen wohl ausbleiben wird. Zumindest, wenn es nach FCH-Trainer Frank Schmidt geht:

Wenn Profis auf Amateure treffen, werden gerne Bilder bemüht, um die Kräfteverhältnisse deutlich zu machen. Kristian Arambasic bedient sich dafür bei Asterix und Obelix. „Du spielst als das gallische Dorf gegen die Römer“, sagte der Trainer des SSV Jeddeloh II gegenüber der „DPA“ mit Blick auf das Spiel seiner Mannschaft gegen den 1. FC Heidenheim am Sonntag, 23. August, in der ersten Runde des DFB‑Pokals (13 Uhr).

Als Landespokalsieger hat sich Jeddeloh II, ein Ortsteil der Gemeinde Edewecht in Niedersachsen – es gibt auch den älteren Ortsteil Jeddeloh I –, zum zweiten Mal für den Pokalwettbewerb qualifiziert. Und zum zweiten Mal trifft der Viertligist auf den FCH als Zweitligisten (beim ersten Mal gab es 2018 einen Heidenheimer 5:2‑Sieg). Jeddeloh II hat jedenfalls knapp 1300 Einwohner. Auch deswegen scherzt SSV-Coach Arambasic: „Jeddeloh, das ist gefühlt eine Kreuzung, da ist dann unser Platz und acht Häuser. Das war es.“

Du spielst als das gallische Dorf gegen die Römer.

Kristian Arambasic, Trainer des SSV Jeddeloh II, über das Duell mit dem 1. FC Heidenheim

Auch sonst tritt der SSV Jeddeloh II mit einer Prise Selbstironie auf. In der Stadionzeitung wirbt der Verein mit dem Slogan „Ein Dorf rockt die Regionalliga“ für sich. Eine wichtige Hausaufgabe für den Klub aus dem Landkreis Ammerland: die Organisation eines Notstrom-Aggregats für das Spiel gegen den FCH, wie das vom Deutschen Fußballbund und Fernsehsendern vorgegeben ist. Sportlich gesehen blickt SSV-Trainer Arambasic optimistisch auf das Duell: „In der ersten DFB-Pokalrunde gibt es immer eine fette Überraschung. Irgendeine von den ganzen Amateurmannschaften wird es schaffen. Und vielleicht sind wir es, wer weiß. Daran muss man glauben, sonst brauchst du nicht anzutreten“, so der 49-Jährige gegenüber dem „NDR“.

Gespielt wird dabei nicht in Jeddeloh selbst, sondern im knapp 13 Kilometer entfernten Marschweg-Stadion in Oldenburg. Hier hofft der SSV auf 5000 Zuschauer (2018 waren es 4508), damit sich das Spiel gegen Heidenheim auch finanziell rechnet, da die Einnahmen zwischen den beiden Vereinen geteilt werden. Immerhin bekommen alle Vereine, die sich für den DFB-Pokal qualifiziert haben, 211.866 Euro. Für das Erreichen der 2. Runde kommen 456.377 Euro hinzu.

Beim ersten Aufeinandertreffen zwischen dem SSV Jeddeloh II und dem 1. FC Heidenheim siegte der FCH mit 5:2. Foto: Eibner/Wenzel

Goliath, um bei bildlicher Sprache zu bleiben, ist in diesem Fall der FCH, werde die Aufgabe bei David aber keineswegs unterschätzen, verspricht Frank Schmidt. Der Heidenheimer Trainer weiß zwar, dass „Jeddeloh II auch als Regionalligist Waffen hat, mit denen sie eine Mannschaft aus dem Profibereich ärgern können“. Der 52-Jährige betont aber auch: „Ohne Wenn und Aber, wir müssen das verhindern. Jeder weiß, um was es geht. Deswegen werden wir ein gutes Spiel machen und eine Runde weiterkommen. Da bin ich mir sehr sicher.“

Damit Überraschungen im Fußball gelingen können, muss für den Außenseiter alles passen. Zum einen muss er seine beste Leistung abrufen – und vielleicht sogar darüber hinaus. Auf der anderen Seite muss der Underdog darauf hoffen, dass der Favorit die Aufgabe unterschätzt und womöglich nicht mit der richtigen Einstellung ins Spiel geht. Vor dem Hintergrund des Starts des 1. FC Heidenheim in die Saison in der 2. Liga wird dies aller Voraussicht nach aber nicht passieren.

Nach der ernüchternden 1:4-Niederlage seiner Mannschaft bei Hertha BSC hatte Schmidt kritisiert, dass vor allem in der ersten Halbzeit einige erfahrene Spieler neben sich gestanden hätten. Auf die Frage, ob es gegen Jeddeloh II auf die richtige Einstellung ankommen werde, wurde der FCH-Coach deutlich: „Es geht immer um die richtige Einstellung.

Nicht nur in Berlin oder gegen Jeddeloh II. Jeden Tag erwarte ich das. Von mir selber und von meinen Spielern. Und das ist nicht verhandelbar.“ Dies sei der Tenor aus der Analyse der Niederlage in Berlin gewesen. „Es war für mich unvorstellbar, dass wir so eine erste Halbzeit spielen. Selbst wenn der Trainer keine Taktik vorgegeben hätte – egal ob richtig oder falsch –, hätten wir uns so nicht präsentieren dürfen“, betont der 52-Jährige.

Es ist bei uns nicht so, dass solche Ereignisse keine Konsequenzen haben, und so etwas jedem am Allerwertesten vorbeigeht.

Frank Schmidt, Trainer des 1. FC Heidenheim, über die 1:4-Niederlage bei Hertha BSC

Dann ließ Schmidt Sätze folgen, die klar machen, dass am Sonntag im Spiel Jeddeloh II gegen den FCH kein sportliches Wunder erwartet werden sollte, zumindest nicht aus Sicht der Gastgeber. „Jetzt gab es für uns den berühmten Schuss vor den Bug“, so Schmidt mit Blick auf die Niederlage in Berlin, die vor allem in der Art und Weise ihrer Entstehung für Kopfschütteln sorgte. Der frühe Zeitpunkt einer solch indiskutablen Leistung in der Saison habe den Heidenheimer Trainer irritiert. „Das hätte ich nicht erwartet“, sagt Schmidt. Beim FCH habe man die richtigen Maßnahmen ergriffen. „Es ist bei uns nicht so, dass solche Ereignisse keine Konsequenzen haben, und so etwas jedem am Allerwertesten vorbeigeht. Da kann man nicht zur Tagesordnung übergehen. Wir haben über ein paar grundsätzliche Dinge gesprochen. Ich erwarte jetzt von jedem Einzelnen, dass das so in dieser Form kein zweites Mal passiert.“

SSV Jeddeloh II verpflichtet Stürmer Haris Hyseni

Kurz vor dem Aufeinandertreffen mit dem 1. FC Heidenheim hat der SSV Jeddeloh II die Verpflichtung von Haris Hyseni vom SV Drochtersen/Assel bekannt gegeben. Frank Schmidt beschreibt den 33-Jährigen folgendermaßen: „Ein wuchtiger Stürmer, 1,92 Meter groß, Rechtsfuß, sehr robust.“ Der FCH-Trainer greift aber auch andere Spieler heraus, zum Beispiel Tim Janßen. „Er macht es auf der linken Seite gut, hat sehr viel Tempo im Umschalten und einen sehr guten linken Fuß.“ Unterstützt wird Janßen auf der linken Seite von Tom Kanowski. „Da sind sie sehr offensiv, bei Ballverlusten aber auch sehr anfällig“, so Schmidt, der auch Robin Krolikowski hervorhebt: „Er hat sehr gute Standards, egal ob Eckbälle, Freistöße oder Distanzschüsse. Der Mann hat was im rechten Oberschenkel.“