Schnaitheim / Edgar Deibert Der Fußball-Zweitligist hielt sich bei seinem 15:0-Testspielsieg bei der TSG nicht nur sportlich schadlos, sondern machte auch viele Zuschauer abseits des Platzes froh.

Sommer, Sonne – super Stimmung. Der Moldenberg war am Mittwochabend ein schöner Rahmen für eine Fußballfeier. Und zwar eine sowohl auf als auch abseits des Platzes. So zeigte sich der FCH, der zum Höhepunkt der Feierlichkeiten des 100-jährigen Bestehens der Fußballabteilung der TSG Schnaitheim zu Besuch war, äußerst spielfreudig.

Die Mannschaft von Trainer Frank Schmidt war zielstrebig und torhungrig und erzielte in der ersten Halbzeit acht, nach dem Seitenwechsel sieben Treffer. Den Gastgebern war dabei durchaus anzumerken, dass sie zuvor erst eine Trainingseinheit absolviert hatten. „Wir hatten fast keine Sommerpause. Da ist die Luft etwas raus“, so Trainer Patrick Bartak. Erst in der kommenden Woche geht es bei den Schnaitheimern mit der Saisonvorbereitung los. Dennoch seien seine Spieler topmotiviert gewesen („da musste ich nicht viel sagen“).

Und trotzdem gab es auch jubelnde TSG-Anhänger. So wurde Schnaitheims Torhüter Heiko Karnisky mit einem Sonderapplaus bedacht, nachdem er reaktionsschnell einen Schuss von Norman Theuerkauf parierte (16. Minute). Das ein oder andere „Ooooooooooh“ entlockte die Leistung von Brian Günther, der sich im zweiten Durchgang im Schnaitheimer Gehäuse den anrennenden Heidenheimer Profis entgegenstellte. So war der 23-Jährige nach einem Eckball gegen Timo Beermann, Robert Leipertz und Patrick Schmidt gleich dreimal auf dem Posten (58.) und zeichnete sich auch später mehrmals aus.

„Wie sagt man so schön: Wenn man hoch verliert, ist meistens der Torhüter der Beste. Schließlich bekommt er viel zu tun“, fasste FCH-Coach Schmidt im Hinblick auf Günthers Leistung zusammen. „Er hat es ja auch gut gemacht.“

Günthers schlechtes Gewissen

Ähnlich sah es der TSG-Keeper selbst. Ein schlechtes Gewissen hatte Günther dabei wegen eines Elfmeters, den er verschuldet hat. Dabei prallte er mit FCH-Angreifer Patrick Schmidt zusammen – und zog sich ebenfalls eine Wunde an der rechten Wade zu. Insgesamt kassierte der junge Schnaitheimer Keeper zwei Elfmetertore und betonte. „Da hat man keine Chance.“

Abseits des Platzes hatten dafür die meist jungen FCH-Fans alle Möglichkeiten, sich ein Autogramm zu ergattern, Fotos mit den Stars zu machen oder auch mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Ein Mädchen war dabei ganz aus dem Häuschen und schrie: „Mama, schau mal: Oh, mein Gott!“ Dabei präsentierte sie stolz ein Trikot von Niklas Dorsch. Ein anderes Mädchen bekam ein Trikot von Denis Thomalla.

„Ich bin da relativ offen. Auch wenn ich von unserem Zeugwart ab und zu eins auf die Mütze bekomme, weil am Ende des Jahres keine Trikots mehr da sind“, erklärte Dorsch, der sich nach seiner Auswechslung zur Halbzeit wohl am meisten Zeit für die Fans nahm. „Ich mache das gerne. Ich hatte auch so meine Vorbilder und bin auch auf Autogrammjagd gegangen“, sagte der 21-Jährige. Er selbst sei früher Fan des 1. FC Nürnberg gewesen (Dorsch kommt aus Lichtenfels nördlich von Nürnberg). Später, beim FC Bayern München, war er „ein Riesenfan“ von Toni Kroos. „Er war der erste Spieler, von dem ich mir auch ein Trikot geholt habe“, so Dorsch.

Auch sein Trainer war nach Spielende begehrt bei den kleinen und großen Autogrammjägern. „Das macht auch Spaß und gehört dazu“, sagte Frank Schmidt. Der Fokus lag beim 45-Jährigen aber doch eher auf Fußball. Und: „Wenn man dann das eine oder andere schöne Tor macht und insgesamt 15 Treffer erzielt, ist der Trainer zufrieden.“ Zudem war es das erste Spiel in der Vorbereitung ohne Gegentor.

Besonders gefallen hat Schmidt, dass die Frische bei seinen Spielern langsam zurückkehre. Gegen Schnaitheim habe sein Team vor allem vom Tempo her zugelegt. In den Testspielen zuvor habe man dem FCH noch die Müdigkeit angemerkt. „Das ist ein Fortschritt, der so langsam auch kommen muss. Wir sind ja schon seit zweieinhalb Wochen im Training“, betonte Schmidt.

Lob für die Vollstrecker

So hat dem FCH-Coach gefallen, dass die Tore herausgespielt wurden. „Und natürlich braucht man am Ende einen Vollstrecker. In der ersten Halbzeit war es Robert Glatzel, in der zweiten Patrick Schmidt.“ Zudem: „Wir kommen langsam dahin, auch wirklich in jedem Zweikampf zu 100 Prozent aggressiv zu sein. „Über weite Strecken war es heute richtig gut.“

Rundum zufrieden war man auch bei der TSG Schnaitheim. „Es war ein gelungener Abschluss unseres Jubiläums“, sagte Horst Buck. „Wir können sehr zufrieden sein. Die Zusammenarbeit mit dem FCH war sehr angenehm. Und wir haben uns top präsentiert“, so der Leiter der TSG-Fußballabteilung. Schließlich sei die Organisation des Freundschaftsspiels ein Kraftakt gewesen. Letztlich habe sich aber die Mühe für das sportliche Highlight gelohnt.

Kolja Pusch will beim FCH wieder angreifen – so fielen die Tore in Schnaitheim

Eine Alternative könnte der zurückgekehrte Kolja Pusch sein. Der 26-Jährige war für ein halbes Jahr an Admira Wacker ausgeliehen, um Spielpraxis zu sammeln. „Ich denke, ich habe im letzten halben Jahr bewiesen, was ich draufhabe. Ich konnte mich zeigen und habe viel gespielt. Jetzt bin ich hier und gebe wieder Gas“, so Pusch.

Neunmal spielte er für den österreichischen Erstligisten von Beginn an, erzielte dabei sechs Scorerpunkte (zwei Tore, vier Vorlagen). Nun möchte sich der Linksfuß so schnell wie möglich beim FCH akklimatisieren. Zuletzt trainierte er nämlich nur individuell. Die Partie in Schnaitheim sei der erste Tag mit Ball und intensiven Zweikämpfen gewesen.

Die Tore in Schnaitheim: 0:1 Glatzel (5.), 0:2 Otto (12.), 0:3 Otto (13.), 0:4 Glatzel (24.), 0:5 Glatzel (24.), 0:6 Glatzel (28.), 0:7 Glatzel (36.), 0:8 Otto (41.), 0:9 Schmidt (50.), 0:10 Leipertz (53./Foulelfmeter), 0:11 Schmidt (61.), 0:12 Sessa (64./Foulelfmeter), 0:13 Schmidt (72.), 0:14 Schmidt (73.), 0:15 Schmidt (84.)