„Man kann im Leben viel erreichen, glücklich und zufrieden sein – auch wenn man nicht perfekt ist“, sagte Frank Schmidt kürzlich bei einem Pressetermin des 1. FC Heidenheim. Dort wurde aber nicht wie üblich über das anstehende Spiel in der Fußball-Bundesliga gesprochen. Stattdessen verkündete der FCH den Start der Partnerschaft mit dem Projekt „Held*innengeschichten“ der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KJPP) am Universitätsklinikum Ulm.
Was FCH-Trainer Frank Schmidt am Herzen liegt
Das Projekt beschäftigt sich mit der psychischen Belastung von Kindern und Jugendlichen im Alter von 15 bis 25 Jahren. Diese sollen anhand gelebter „Heldengeschichten“ von Personen des öffentlichen Lebens lernen, dass die Auseinandersetzung mit Problemen und Herausforderungen, das Finden des eigenen Wegs, gelegentliches Versagen und Zweifel, ganz normal sind. Ein Thema, welches Frank Schmidt sehr am Herzen liegt: „Ich sehe mich nicht als Held, aber ich sehe mich mit meiner Mannschaft, mit meinem Verein, als Vorbild.“
Neben ihm saßen Professor Dr. Jörg M. Fegert, ärztlicher Direktor der KJPP und Projektleiter von „Held*innengeschichten“ sowie Tatjana Müller, Leitung Stabsstelle Nachhaltigkeit beim FCH. „Wir haben derzeit die größte Krise der psychischen Gesundheit, bei jungen Menschen, die wir weltweit je hatten. Und das hat nicht begonnen mit Corona, sondern wir hatten vorher schon Anstiege“, beschreibt Fegert die derzeitige Situation. Um das Projekt zu unterstützen, werden Videos mit Frank Schmidt, den FCH-Profis und anderen FCH-Mitarbeitern, für den Instagram-Kanal „held_innengeschichten“ erstellt.
Besuche in Schulen und Vereinen
Diese sollen zeigen, dass hinter den Idolen, die die Jugendlichen als Vorbild sehen, nur ganz normale Menschen stecken, die auch schwere Phasen und Zweifel haben und nicht immer perfekt sind. Denn in den sozialen Netzwerken präsentierten sich viele Personen des öffentlichen Lebens oft als makellos und zeigten ihre Probleme nicht. Zusätzlich werden – und waren auch schon – FCH-Spieler in Schulen und Vereinen bei Jugendlichen und Kindern zu Besuch sein, um ihnen Mut zur individuellen Entwicklung zu machen. Auch lokale Workshops mit dem FCH sind laut Professor Fegert im Zuge des Projekts geplant.
Der FCH soll „Held*innengeschichten“ aber auch die nötige mediale Reichweite geben, um die Kinder und Jugendlichen auf den sozialen Netzwerken direkt anzusprechen. Währenddessen will das Team der KJPP verlässliche Informationen zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen bereitstellen und über präventive Konzepte zur Selbstregulation informieren.
Ein Thema, über das zu wenig gesprochen wird
Frank Schmidt hat zu dem Projekt eine ganz besondere Beziehung und freut sich sehr über die Partnerschaft. Bereits im November 2021 besuchte er, inmitten der Corona-Pandemie, mit Motivationstrainer David Kadel das Uniklinikum Ulm. „Ich bin sehr dankbar, dass ich die Erfahrung machen durfte, zu Professor Fegert zu gehen und zu sehen, dass es einfach keinen Platz mehr gab, um neue Patienten aufzunehmen“, sagt der 52-Jährige.
Schmidt konnte gar nicht glauben, wie schwierig es ist, auf dieses Thema aufmerksam zu machen, und er findet, dass damals wie heute viel zu wenig darüber gesprochen wird. „Und selbst mein Buch ,Unkaputtbar' bedeutet ja nicht, dass wir alle unkaputtbar sind“, ergänzt Schmidt. Vielmehr soll es erzählen, wie wichtig es ist, dass man nach unschönen Erlebnissen oder Misserfolgen, es wieder schafft, aufzustehen und weiterzumachen.
In der Zukunft soll es auf dem Instagram-Kanal des Projekts „held_innengeschichten“ nicht nur Videos mit FCHlern oder Prof. Dr. Jörg Fegert geben, sondern auch von anderen Sportlern, Polizisten und weiteren Personen des öffentlichen Lebens. Damit die Kinder und Jugendlichen sehen, dass nicht alles nur Glanz ist, man nicht immer perfekt sein muss und es normal ist, über Probleme zu reden. Oder wie es Frank Schmidt formuliert: „Meine Botschaft ist, dass es nicht darum geht, perfekt zu sein, weder äußerlich noch innerlich.“
Der FCH als Teil von „Held*innengeschichten“
Die Zusammenarbeit zwischen dem Uniklinikum Ulm und dem FCH im Rahmen des Projekts „Held*innengeschichten“ startete mit der Präsentation am 19. Februar. Neben dem FCH unterstützt auch das „SOS-Kinderdorf“ international das Projekt.
Auf der Website des KJPP am Uniklinikum Ulm gibt es noch mehr Informationen zu diesem und weiteren psychischen Themen, zudem Unterstützung und Hilfe für Personen, die selbst unter psychischen Problemen leiden.
Vor allem Kinder und Jugendliche sind in Zeiten von sozialen Netzwerken sehr stark von mentalen Problemen betroffen, weil sie sich immer mit den perfekt dargestellten Personen im Internet vergleichen. Lancet, eine der angesehensten Medizinzeitschriften, schreibt von der „Worldwide Mental Health Crisis (Weltweite Mentale Gesundheitskrise)“.
Im Jahr 2021 waren, laut statistischem Bundesamt, psychische Erkrankungen und Verhaltensstörungen die häufigste Ursache für stationäre Krankenhausbehandlungen von Kindern und Jugendlichen. Zudem steigt die Zahl von Jahr zu Jahr immer weiter an. Bei den meisten Fällen lautet die Diagnose: Depressionen. In der Europäischen Region der WHO leben laut Angaben über 150 Millionen Menschen mit einer psychischen Erkrankung und nur ein Drittel der an Depressionen leidenden Menschen erhielt die notwendige Hilfe.

