Heidenheim / Nadine Rau Nach einer knappen Woche im österreichischen Aigen spricht FCH-Trainer Frank Schmidt über die personelle Situation und die Hürden in der kommenden Saison. Für einen Kapitän hat er sich noch nicht entschieden.

Einfach, schnell, präzise! Keine steifen Hüften! Alles flach, alles kurz, alles Tempo! Nicht nur die Pässe spielen, auch mit der Sprache arbeiten! Sieben, sechs, fünf, vier, drei, zwei, eins – und Schlusspfiff. So klingt es derzeit, wenn man im österreichischen Aigen den Spielern des 1. FC Heidenheim beim Training zuschaut. Athletiktrainer Said Lakhal kümmert sich ums Aufwärmen, Frank Schmidt und Bernhard Raab haben abwechselnd den Hut bei Schwerpunkten wie Pressing und Umschaltspiel auf, Dieter Jarosch behält immer die Kamera im Blick. Neuzugang Jonas Föhrenbach ist mittlerweile wieder beim Training dabei, Maurice Multhaup musste wegen muskulärer Probleme etwas kürzer treten.

Am Abend eines langen Tages mit gleich zwei Trainingseinheiten findet Frank Schmidt noch etwas Zeit für einen Blick auf die kommende Saison, auf seine neuen Schützlinge und das noch bis Sonntag andauernde Trainingslager.

Woran wird gearbeitet?

Frank Schmidt geht es im Trainingslager besonders darum, die niedergeschriebene Spielauffassung des Trainerteams an den Mann zu bringen. „Die Spieler, die schon länger da sind, brauchen wieder einen Aha-Effekt. Die neuen Spieler sollen, wenn sie zu Hause sind, wissen, wie wir Fußball spielen“, so Schmidt.

Gearbeitet werde jetzt viel im taktischen Bereich, aufbauend auf Fitness, mentaler Stärke und einem funktionierenden Defensivverhalten packe er das Offensivspiel. Verschiedene Taktiken, verschiedene Grundordnungen kommen an die Reihe, auf engen Spielfeldern müssen die Spieler für ihre jeweilige Mannschaft versuchen, zu gewinnen. Taktische Schwerpunkte würden auf eine Gruppe oder den Einzelnen heruntergebrochen, ehe das Gelernte schließlich für die ganze Mannschaft in einer Spielform umgesetzt werde. Die Spieler müssten lernen, der Mannschaft zu dienen, die über allem stehe. Am Ende des Tages gelte es, in den Testspielen zu zeigen, was im Training geübt worden ist. Die Formel laute: Über die Arbeit zum Erfolg zum Spaß.

Dazu komme die menschliche Seite, also Zusammenhalt und Teamgeist. „Es ist mir unheimlich wichtig, dass ich die Spieler in der wichtigsten Phase der Vorbereitung fast 24 Stunden am Stück zusammenhabe.“ Jeder habe auch mal Zeit für sich (um 23 Uhr ist Zimmerruhe) und neben den Einheiten gibt es sportliche Ausflüge, zum Beispiel zum Fußballgolf. Der Kopf, so der Trainer, sei am Ende immer das Ausschlaggebende, daher war von Beginn an klar: Kein Aktionismus, stattdessen ein durchdachter Trainingsplan mit der entsprechenden Regeneration und sportlichem Programm neben dem Platz.

Schmidt macht sich ein Bild von den Neuzugängen

Seit knapp vier Wochen, außer bei Kolja Pusch, der erst am 1. Juli wieder eingestiegen ist, konnte Schmidt sich jetzt ein Bild von der personellen Situation machen. Aber der Reihe nach:

Jonas Föhrenbach: „Schade, dass er ein paar Tage ausgefallen ist. Das muss er in irgendeiner Form nachholen. Was wir bisher gesehen haben: Er stellt definitiv eine Konkurrenz dar und interpretiert seine Rolle offensiver als Arne Feick oder Norman Theuerkauf, zeigt Stärken in der Offensive.“

Oliver Hüsing: „Wir haben schon eine gute Innenverteidigung, aber mit Oliver Hüsing sind wir noch stärker. Er versucht mit allem, was er hat, auf sich aufmerksam zu machen. Das nehme ich wohlwollend wahr. Patrick Mainka und Timo Beermann müssen sich also weiter durchsetzen, da geht es um die Plätze heiß her.“

David Otto: „Im Training hat man deutlich gesehen, dass er variabel spielt, mannschaftsdienlich ist, und seine Stärken nicht nur in der Offensive, sondern auch im Gegenpressing, in der Arbeit gegen den Ball und auch vor dem Tor hat. Wir haben drei Spieler, die die letzten Jahre mehr als Torgefahr nachgewiesen haben, zu ersetzen, und deswegen tut uns David Otto hier unheimlich gut. Vor allem, weil er nicht nur die Position neun, sondern auch zehn, sieben und elf spielen kann.“

Kolja Pusch: „Körperlich ist er noch nicht auf dem Stand, den die anderen Spieler haben, weil er später zu uns gestoßen ist. Seine fußballerischen Fähigkeiten sind aber richtig gut und während der Ausleihe hat er sich Spielpraxis und Wettkampfhärte geholt. Auch bei ihm bin ich nach den Abgängen froh, dass er zurück ist. Jetzt hat er die Chance, sich über eine gute Vorbereitung in den Vordergrund zu spielen. Geschenkt bekommt er nichts. Es gibt noch einen Gökalp Kilic, einen Kevin Sessa, es gibt die Möglichkeit, noch etwas ganz anderes zu machen, und daher gibt es nach wie vor die Konkurrenz.“

Jonas Brändle und Andrew Owusu: „Man merkt noch den Rückstand vor allem körperlicher Art und das Tempo betreffend, aber es gibt gute Ansätze. In der 2. Liga geht es viel um Durchsetzungsvermögen und Robustheit, da müssen die beiden noch etwas nachholen. Gökalp Kilic und Kevin Sessa sind dagegen jetzt schon ein Jahr weiter, fußballerisch ist das schon sehr ansprechend.“

Und wie geht es eigentlich Maximilian Thiel? Operiert worden ist Maximilian Thiel nach seinem Kreuzbandriss mittlerweile. „Eine so schwere Verletzung hatten wir lange nicht mehr, das wird ein paar Monate dauern“, sagt Schmidt. Für Thiel stehe jetzt erst mal Rehabilitation auf dem Programm.

In wenigen Wochen ist Saisonstart. Wie schwer wird es werden?

Ein guter Start, das betont Frank Schmidt jede Saison aufs Neue, ist enorm wichtig. „Deshalb macht es auch keinen Sinn, über das finale Ziel zu sprechen.“ Seine Mannschaft sei gut beraten, es in den ersten zehn Spielen gut zu machen, um damit die Grundlage zu legen. Nach Osnabrück und Stuttgart könne man noch keine Richtung erkennen, aber ein Erfolgserlebnis gegen diese zwei Auftaktgegner würde natürlich gleich helfen.

„Man darf nicht vergessen: Ein Drittel der Liga ist neu, das ist eine spezielle Situation“, sagt Schmidt. Wird die Liga stärker? Verändern sich die Dinge grundlegend? Das seien in dieser Saison berechtigte Fragen. „Wir müssen uns darauf einstellen, mit Osnabrück auf einen euphorischen Drittligameister zu treffen. Die brauchen keinen Anlauf, da wird gleich Zweitliga-Atmosphäre herrschen, dann sind wir gleich das erste Mal gefordert. Daher interessiert mich kein VfB Stuttgart und kein SSV Ulm, auch wenn das viele nicht glauben wollen.“

Abschließend: Wer wird Kapitän?

„Der Mannschaftsrat wird noch vor dem ersten Spieltag gewählt, den Kapitän und seine Stellvertreter werde ich ebenfalls bis dahin festlegen“, erklärt Schmidt – entweder am Ende des Trainingslagers oder in der darauffolgenden Woche in Heidenheim.

Beim Testspiel des 1. FC Heidenheim im Trainingslager in Österreich gegen Union Gurten hat selbst Frank Schmidt am Ende des Tages kaum noch über Fußball gesprochen. Während des Spiels war ein Auto in eine Tribüne gekracht.