Niederlage in Mainz

FCH am Tabellenende: Trainer Frank Schmidt und Kapitän Patrick Mainka ziehen schonungsloses Hinrundenfazit

Schlusslicht mit zwölf Punkten: Bei der Niederlage im Abstiegsduell beim FSV Mainz 05 offenbarte der 1. FC Heidenheim die gleichen Schwächen wie im Verlauf der gesamten Hinrunde. Trainer Frank Schmidt und Kapitän Patrick Mainka sprachen die Mängel in der Offensive wie in der Defensive deutlich an. Zwei Gewinner gab es in der ersten Saisonhälfte aber trotzdem:

Patrick Mainka versuchte nach der 1:2-Niederlage beim FSV Mainz 05 erst gar nicht, nach Ausreden zu suchen. „Ich könnte jetzt die typischen Floskeln raushauen, aber das bringt doch nichts“, sagte der Kapitän des 1. FC Heidenheim, der die sportliche Situation nach der schwächsten Halbserie in der bisherigen Bundesliga-Geschichte des Vereins ungeschönt ansprach. „Werfen wir einen Blick auf die Tabelle: Wir sind 18., haben zwölf Punkte nach 17 Spielen, haben wenige Tore geschossen, mehr als zwei Gegentore pro Spiel kassiert und haben nicht einmal einen Punkt pro Spiel geholt“, gab der 31-Jährige die offensichtlichen Zahlen der Heidenheimer Hinrunde wieder. Damit bediente er sich indirekt doch einer Floskel: Die Tabelle lügt nicht. „Das ist einfach schlecht, deswegen stehen wir zu Recht da, wo wir stehen“, ließ der Abwehrchef seine Einschätzung in Kurzform folgen.

Frank Schmidt (1.FC Heidenheim) an der Seitenlinie, FSV Mainz 05 vs 1. FC Heidenheim, Fussball, 1. Bundesliga, 17. Spieltag, Saison 2025/2026, 13.01.2025 DFB regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video. Foto: Eibner-Pressefoto/Alexander Neis

Letzter gegen Vorletzter: FSV Mainz 05 besiegt den 1. FC Heidenheim mit 2:1

Wie in den bisherigen Partien zwischen dem FCH und den Mainzern hatte Trainer Frank Schmidt ein intensives Duell erwartet. Der FCH unterlag aber. Hier die Bilder:
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Um das Hinrundenfazit zu ziehen, braucht es keinen langen Rückblick. Die 90 Minuten am Dienstagabend in der Mewa-Arena lieferten die Probleme der vergangenen Monate im Schnelldurchlauf. Zwei individuelle Fehler luden die im eigenen Stadion noch sieglosen Mainzer zum Toreschießen ein. Nach zwei ordentlichen Chancen des FCH leitete Torwart Diant Ramaj mit einem Fehlpass in der Spieleröffnung den Gegenangriff ein, den der Mainzer Kapitän Sylvain Widmer zur Führung nutzte (30.). Und wie im Heimspiel am vergangenen Samstag setzte es kurz nach der Pause den zweiten Gegentreffer – unter ordentlicher Mithilfe der Heidenheimer Defensive. „Wir machen den gleichen Fehler wie gegen Köln, wollen den Ball flach klären, statt ihn rauszuhauen“, blickte Trainer Frank Schmidt auf die Szene.

Dieses Mal war es Julian Niehues, der den Ball auf dem holprigen Rasen nicht kontrollieren konnte und damit den zweiten Treffer von Nadiem Amiri ermöglichte (59.). Ein Rückstand, der für die chronisch schwache Heidenheimer Offensive nicht mehr aufzuholen war. Dabei waren die Heidenheimer häufiger in aussichtsreichen Positionen, eine Lösung fanden die Angreifer – mal wieder – nicht. „Die Ruhe hat gefehlt, wir hatten die Chancen, wir hatten gute Positionen, aber wir hatten nicht das Selbstvertrauen und die Überzeugung, ins Dribbling und in den Strafraum zu gehen“, sagte der FCH-Coach.

Duo überzeugt in Mainz: Schimmer und Ibrahimovic als Lichtblicke

So wurde auch die Mini-Auszeichnung, die Stefan Schimmer dank seines fünften Saisontreffers als Einwechselspieler einheimste, zur Randnotiz. „Davon kann ich mir nichts kaufen, wir haben verloren“, sagte der beste Joker in der Bundesliga-Hinrunde – der seinen Job als einziger Angreifer regelmäßig erfüllte.

Und obwohl jede einsatzfähige Offensivkraft auf dem Rasen stand, war es der erst 20-jährige Arijon Ibrahimovic, der das Selbstvertrauen hatte, ins Dribbling zu gehen und zum Abschluss zu kommen. Ein Schuss des Leihspielers wurde nach der Parade des Mainzer Torhüters Daniel Batz zur Vorlage für den einzigen FCH-Treffer (60.). Nur Zentimeter fehlten Ibrahimovic zu seinem ersten Bundesligatreffer, als sein abgefälschter Schuss in der 86. Minute an der Unterkante der Latte landete, aber von dort zurück ins Feld sprang. Zwar misslangen dem fleißigen Flügelspieler auch einige Aktionen, in seiner ersten Halbserie als Bundesliga-Stammspieler mangelte es aber nie an dem von Schmidt angesprochenen Selbstvertrauen, und er führt mit vier Torvorlagen diese Kategorie bei den Heidenheimern mit großem Abstand an.

In Mainz und in der Hinrunde: Die Mängelliste von Trainer Frank Schmidt ist lang. Foto: Eibner-Pressefoto/Alexander Neis

Und die Bilanz der weiteren Offensivkräfte? Einige unsaubere Abschlüsse, kein Treffer. Das gilt für die Partie in Mainz und im bisherigen Saisonverlauf. Stefan Schimmer erzielte als Joker genauso viele Tore wie die übrigen Angreifer zusammen.

Ohne Doppelbelastung: Der FCH steht schlechter da als in der Vorsaison

Bei der Einschätzung der Hinrunde hilft auch ein Blick in die Vorsaison. Vor zwölf Monaten legten die Heidenheimer einen starken Start ins neue Jahr hin und schraubten ihr Punktekonto nach einem Sieg und einem Remis noch auf 14 Punkte. Nach der Niederlage in Mainz liegt der FCH bei zwölf Zählern. Dabei standen die zurückliegenden Monate unter einem anderen Vorzeichen: Anders als in der Vorsaison, in der der FCH in dem gleichen Zeitraum acht Europapokalspiele stemmen musste, fiel die Doppelbelastung weg. Während die Abwehrleistung über die ersten 17 Spiele ähnlich war (Vorsaison: 34 Gegentore, aktuell: 36), ist der Heidenheimer Angriff im Vergleich deutlich harmloser. 23 erzielten Treffer in der Hinrunde 24/25 stehen aktuell nur 16 gegenüber.

Die aktuelle Platzierung ist daher nur das logische Resultat. „Jetzt ist die Vorrunde vorbei, wir sind 18. und das zu Recht“, bekräftigte auch Frank Schmidt, der eine Steigerung in allen Bereichen fordert. „Es liegt nicht am Einsatz, nicht am Charakter, nicht am Glauben“, sagte der 52-Jährige, „wir müssen die Fehler abstellen, uns in der Offensive qualitativ in die Situationen bringen und unsere Chancen nutzen.“ Patrick Mainkas Ausblick auf die Rückrunde wirkte dann doch etwas floskelhaft. „Wir drücken jetzt auf den Resetknopf und spielen noch einmal gegen alle“, sagte er und versprühte neuen Optimismus: „Wir können uns trotzdem über jedes Spiel freuen und werden die Sache mit voller Energie angehen.“

Die erste Gelegenheit bietet sich an diesem Samstag, 17. Januar, im Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg (15.30 Uhr/Volkswagen Arena).

Sportredakteur Dominik Florian

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