Eigentlich war Diant Ramaj einer, der Tore schießt. Als Stürmer hat er seine Fußballkarriere in seiner Heimat Bad Cannstatt begonnen, heute trainiert er beim 1. FC Heidenheim – allerdings im und nicht vor dem Tor.

Als Feldspieler, so erzählt der 17-Jährige, sei er bei den Sichtungen des VfB Stuttgart in der Jugend nicht aufgefallen, erst bei einem Turnier sei er entdeckt worden. „Zufällig stand ich an dem Tag im Tor. Ein Keeper hat gefehlt und ich hatte einfach Bock drauf“, erinnert sich Ramaj, der als Einziger des Zweitligakaders noch für ein Jahr berechtigt ist, bei der U 19 zu spielen.

Kevin Ibrahim hat seine Laufbahn auch nicht als Torwart angefangen. Der 19-Jährige, gebürtig aus Aalen, war zunächst Abwehrspieler, bis in seinem Dorf ein Keeper gebraucht wurde: „Ich habe den Versuch gewagt und es hat einfach geklappt.“

Heute halten sie die Mannschaft im Spiel

Mehr als zufrieden mit der Position sind sie heute beide. Die Mannschaft im Spiel zu halten, indem man hinten Chancen vereitle, sei mindestens ein genauso gutes Gefühl wie das, wenn man ein Tor schießt. „Wir sind beide Zocker“, verrät Ibrahim. „Immer anspielbar sein, Bälle flach herausspielen, selbstbewusst auftreten“, lautete Ramajs Devise. Marc-André ter Stegen nennt er als ein Vorbild.

Dürfen wir außerdem vorstellen?

Andrew Owusu und Jonas Brändle. Beide 19 Jahre jung, beide seit Neuestem im Profikader des 1. FC Heidenheim mit dabei. Owusu kommt aus Blaubeuren, Brändle aus Sigmaringen, seit vier Jahren schon kicken sie gemeinsam auf dem Schlossberg.

„Als ich hierherkam, war ich noch Stürmer“, erzählt Owusu, der sich mittlerweile als Sechser wohlfühlt. Brändle ist im linken Mittelfeld daheim, hat aber auch schon links verteidigt. „Ich bin körperbedingt ein flinker, schneller Spieler, nicht so der körperlich robuste“, beschreibt sich Brändle. „Ich bin auch schnell, aber Jonas ist schon schneller“, räumt Owusu ein.

Die Nase vorn an der Konsole

Doch es gibt etwas, bei dem Owusu die Nase vorn hat: beim Fifaspiel an der Konsole. „Ich bin sehr gut darin, gell, Jonas?“, fragt er lachend. Das ein oder andere Duell habe es zwischen den beiden schon gegeben, auch im Internat. „Aber ich verliere nicht immer“, korrigiert Brändle schnell.

Die beiden teilen schon eine Menge Erinnerungen an besondere Spiele in den vergangenen Jahren. Eineinhalb Jahre lang waren sie in der A-Jugend zu Hause ungeschlagen, bei einigen „hitzigen Spielen“ hätten sie viel mitnehmen können. Unvergessen bei beiden ist außerdem das DFB-Pokalspiel in der A-Jugend in Wolfsburg. „Wir waren der klare Außenseiter, lagen nach wenigen Minuten hinten, sind dann aber zurückgekommen und haben kurz vor Schluss das Ergebnis gedreht“, erzählt Brändle, der eines der beiden Tore erzielt hat, euphorisch.

Sechs Minuten 2. Liga

Nie vergessen wird er außerdem seinen ersten Einsatz in der 2. Bundesliga in der vergangenen Saison gegen Bochum, für sechs Minuten durfte er auf den Platz. „Das war unglaublich. Bis Dienstag hatte ich noch bei der U 19 mittrainiert, ab Mittwoch war ich bei den Profis dabei und am Donnerstag hieß es, dass ich mitfahren darf. Das hat mich schon gefreut, aber dass es für einen Einsatz gereicht hat, umso mehr.“

Jetzt im Zweitligakader zu sein, verlangt den beiden mehr ab als in den Jahren zuvor. „Die Intensität ist nicht nur ein bisschen höher, sondern sehr viel höher“, vergleicht es Owusu. Mit der U 19 sei man ins Trainingslager für höchstens fünf Tage etwa nach Bartholomä gefahren, auch die Einheiten auf dem Platz seien weniger anstrengend gewesen.

Alles für den Traum vom Fußball

Für ihren Traum, den Fußball, geben die zwei aber gerne alles. Sollte es doch nichts werden, hat Brändle mit einem Fachabitur die Basis für einen Plan B gelegt, Owusu würde wohl in Richtung Marketing im Büro gehen. „Aber auf die Baustelle könnte ich nicht. Ich habe zwei linke Füße.“