Heidenheim / Thomas Grüninger Der FCH zieht mit einem 2:1-Sieg gegen Bayer Leverkusen ins Viertelfinale ein. Einem 0:1-Rückstand folgt eine ganz starke zweite Halbzeit.

Mit Superlativen sollte man vorsichtig sein im Sport, aber was dem 1. FC Heidenheim am Dienstagabend gelang, war fraglos einer der bedeutendsten Siege in der bisherigen Fußballgeschichte des Vereins.

Zum zweiten Mal nach 2011, als Werder Bremen in der ersten Runde ebenfalls mit einem 2:1-Sieg eliminiert worden war, bezwang der FCH einen Bundesligisten. Und zum zweiten Mal seit 2016 gelang den Schützlingen von Trainer Frank Schmidt der Einzug ins Viertelfinale des nationalen Cup-Wettbewerbs.

Am vergangenen Samstag noch hatten die Leverkusener mit ihrem 3:1-Sieg gegen Bayern München für Bewunderung gesorgt und dabei auch gezeigt, wie man einen 0:1-Rückstand zur Pause in einen glorreichen Sieg verwandelt. Nur drei Tage später waren die Rheinländer selbst die Gelackmeierten.

Der FCH ließ sich von einem 0:1-Rückstand nicht beeindrucken und kämpfte sich – angetrieben von einem überragenden Nikola Dovedan – verdient auf die Siegerstraße zurück. 11 400 Zuschauer in der Voith-Arena wurden Zeuge eines großen Heidenheimer Fußballabends.

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Die selbstbewussten Leverkusener, die sich den Luxus erlaubten, ohne ihre gefährlichen Angreifer Kevin Volland und Karim Bellarabi und ohne den etatmäßigen Innenverteidiger Jonathan Tah zu beginnen, sorgten in der Anfangsphase für ordentlich Druck. Ganz große Chancen konnte sich der Bundesligist allerdings nicht erspielen. Nur ganz vereinzelt kamen die Heidenheimer vor der Pause vors gegnerische Tor. Die wenigen Kontermöglichkeiten wurden zumeist schlecht zu Ende gespielt.

Erst in der 37. Minute gelang eine vielversprechende Offensivaktion über Marnon Busch, dessen weite Flanke Dovedan auf Arne Feick weiterleitete. Der Schuss des Heidenheimer Linksverteidigers, der später verletzt ausschied, wurde aber zur Beute von Bayer-Schlussmann Lukas Hradecky.

Überhaupt hatten es die letzten acht Minuten der ersten Halbzeit in sich. In der 38. Minute traf Leverkusens Lenker Julian Brandt den Innenpfosten des FCH-Tores. Beim zweiten Versuch hatte der Nationalspieler und WM-Teilnehmer mehr Glück: Vom Chilenen Charles Aranguiz freigespielt, ließ er sich nicht mehr aufhalten und tunnelte Kevin Müller zum 0:1. Der Treffer fiel aus Heidenheimer Sicht denkbar ungünstig – nur eine Minute vor dem Halbzeitpfiff.

Doch der FCH steckte diesen Rückschlag bravourös weg und sollte im zweiten Durchgang noch richtig aufdrehen. Sebastian Griesbeck, der die Kapitänsbinde trug, eroberte nur zwei Minuten nach Wiederbeginn im Mittelfeld den Ball und setzte Dovedan gekonnt in Szene. Der Österreicher ließ im Strafraum noch Innenverteidiger Aleksandar Dragovic aussteigen und vollendete gekonnt zum Ausgleich.

Erst Unterkante, dann Treffer

Nun hatten die Heidenheimer Oberwasser, das Publikum feuerte die Mannschaft vehement an. Und nur fünf Minuten nach dem 1:1 wäre fast das Führungstor gefolgt. Erneut war Dovedan beteiligt. Er passte bei einem Konter gegen die aufgerückten Leverkusener zum mitgelaufenen Multhaup, der freistehend abzog, aber den Ball an die Unterkante der Latte drosch (52.).

Leverkusen versuchte dagegenzuhalten, doch die Heidenheimer verteidigten stark und blieben bei Gegenattacken weiter gefährlich. Außer einem Schuss von Mitchell Weiser ans Außennetz des Heidenheimer Tores hatte der Tabellensechste der Bundesliga nichts an hochkarätigen Chancen zu bieten. Bayer-Coach Peter Bosz brachte nach 71 Minuten mit Volland und Bellarabi zwei weitere Trümpfe im Angriffsspiel – doch der Schuss ging erst einmal nach hinten los.

Kurz nach diesen Wechseln geriet der zuvor noch so glücklose Multhaup zum Heidenheimer Pokalhelden. Nach einer Flanke von Feick hielt er aus spitzem Winkel den Fuß hin. Der Ball hatte die Linie schon überquert, zur Sicherheit drosch Robert Glatzel den Abpraller noch in die Maschen (72.).

Die Schlussphase überstanden die weiterhin konzentriert verteidigenden Heidenheimer unbeschadet. Im immer dichter werdenden Nebel hielt am Ende Kevin Müller gegen Brandt und den eingewechselten Isaac Kiese Thelin die Pokalsensation fest. Auch Glatzel hatte noch eine gute Möglichkeit.