Heidenheim / Thomas Grüninger Das alte Jahnstadion von FCH-Gegner Regensburg hatte Kultstatus, doch seit dem Umzug in die neue Arena geht's sportlich steil aufwärts – aktuell mit erstaunlichen Parallelen zu Heidenheim.

Noch gar nicht lange liegt es zurück, da kam der SSV Jahn Regensburg reichlich antiquiert daher.

Das alte Stadion im Stadtteil Prüfening, 1926 eingeweiht und bis 2015 in Betrieb, hatte den Charme von Wettkampfstätten aus den Fünfziger und Sechziger Jahren. Mitten in einem Wohngebiet gelegen, konnten die Nachbarn vom Wohnzimmerfenster aus bis auf den Rasen blicken und beugten sich auf Sofakissen gestützt über den Sims, um kostenlos in die 2. oder 3. Liga zu fensterln.

Journalisten auf Klappstühlen

Die Journalisten durften derweil auf Klappstühlen und an Biergarten-Tischen das Spiel verfolgen, und in dem kleinen Presseraum, der ein bisschen an einen Weinkeller erinnerte, hing einsam an weißer Kalkwand ein eingerahmtes und handsigniertes Foto vom „langen Hans“. Der „lange Hans“ hieß mit Nachnamen Jakob und war als legendärer Torhüter mit der Spezialität der beidhändigen Faustabwehr bislang einziger Regensburger Nationalspieler und WM-Teilnehmer 1934.

Vor allem aber erinnert man sich an den legendären Stadionturm mit dekorativer Uhr im klassischen Zwei-Zeiger-Design, der Toranzeige für „Jahn“ und „Gäste“ und der originellen Werbung der ortsansässigen Luise Händlmaier GmbH mit dem Appell an die Stadionbesucher: „Esst mehr Senf!“ So etwas konnte keinem Regensburger Wurst sein, wenn er in dieselbe biss.

Jetzt: Arena statt Stadion

Inzwischen ist das alte Jahn-Stadion Legende. Man spielt jetzt in der Continental-Arena in Oberisling, und man spielt wieder zweitklassig. 2012 war der Jahn noch eher aus Versehen in diese Spielklasse gerutscht, wurde im letzten Moment plötzlich Dritter und kam mit zwei Unentschieden in den Entscheidungsspielen gegen den Karlsruher SC zum Aufstieg wie die Jungfrau zum Kind.

Erfolgstrainer Markus Weinzierl, einst Nebensitzer von Frank Schmidt an der Kölner Sporthochschule, wurde allerdings zum FC Augsburg abgeworben und schnurstracks ging es für Regensburg wieder runter. Vier Mal schon stand der Jahn in der 2. Liga, konnte sich aber nie länger als ein Jahr halten. Und im glanzlosen letzten Abstiegsjahr soll sich auch die Anwohnerschaft des Jahnstadions nicht mehr über die Fenstersimse gebeugt haben, um das Elend anzusehen.

Fast deckungsgleiche Fieberkurven

Der fünfte Aufstieg im vergangenen Jahr – der Jahn musste sich jeweils über Relegationsrunden aus der Regionalliga über die 3. Liga wieder hocharbeiten – soll nun aber nicht wieder den postwendenden Absturz zur Folge haben. Und spätestens ab hier, also ab der gerade laufenden Saison 2017/18, gibt es frappierende Parallelen zum FCH. Fast deckungsgleich bewegen sich die Fieberkurven beider Klubs durch die aktuelle Spielzeit.

Erste Gemeinsamkeit: schwacher Saisonbeginn. Am 11. Spieltag befand sich Jahn Regensburg mit 9 Punkten auf Platz 15, Heidenheim mit 8 Punkten auf Rang 16. Nicht gerade ein Senkrechtstart.

Zweite Gemeinsamkeit: Beide Klubs erreichten die zweite Runde im DFB-Pokal und trafen hier am 25. Oktober 2017 direkt aufeinander – also just zum Zeitpunkt, als man sich in der Liga in akuter Abstiegsgefahr befand. Der FCH gewann 5:2 in Regensburg und revanchierte sich damit nebenbei für die 1:3-Liganiederlage im eigenen Stadion. Was keiner ahnen konnte: Das Spiel hatte Signalwirkung, und zwar für beide Mannschaften.

Deshalb folgte die dritte Gemeinsamkeit: Nach diesem direkten DFB-Pokal-Aufeinandertreffen ging es für beide Klubs nur noch steil aufwärts. Aus den letzten zehn Spieltagen holten sie jeweils 21 Punkte (was ansonsten nur noch dem MSV Duisburg gelang), sie sind beide mit je zwei Siegen und zwei Unentschieden in die Rückrunde gestartet und spielen nun als „Mannschaften der Stunde“ am Samstag (13 Uhr) in Regensburg wieder gegeneinander.

Ende der Gemeinsamkeiten?

Sollte der FCH (29 Punkte/Platz 9) gewinnen, würde er den Jahn (30 Punkte/Platz 7) überholen. Sollte der Jahn gewinnen, muss er sich fortan allenfalls noch mit dem MSV Duisburg um den inoffiziellen Titel des „Teams der Stunde“ streiten.

So oder so: Es droht das Ende der Gemeinsamkeiten. Es sei denn, die Geschichte geht unentschieden. Statistisch gesehen läge das nahe. Drei von bislang vier Punktspielen, in denen die Klubs bisher in der 3. Liga in Regensburg aufeinandertrafen, endeten mit einer Punkteteilung. Einmal nur kam der Jahn zu einem Heimsieg (2:1) – das war noch im alten Stadion an der Prüfeninger Straße, und vielleicht haben die Regensburger damals mehr Senf gegessen . . .