Heidenheim / Thomas Jentscher Beim 4:2-Erfolg der Heidenheimer Fußballer gegen Ingolstadt gab es am Ende noch unnötig viel Emotionen.

Meine Güte, war da noch einmal was los beim 1. FC Heidenheim. Mit einem 4:2-Sieg über den FC Ingolstadt krönte die Mannschaft von Trainer Frank Schmidt ihre bisher beste Zweitligasaison, während die Gäste nun in die Relegation um den Klassenerhalt müssen. Dass das aus Sicht der Gastgeber relativ bedeutungslose Spiel noch einmal solche Emotionen mit sich bringen würde, war aber nicht zu erwarten.

Ingolstadt musste gewinnen, um die Chance auf den direkten Klassenerhalt zu wahren und gleichzeitig auf eine Niederlage von Sandhausen in Regensburg hoffen. Nach 16 Punkten aus den letzten sechs Spielen startete das Team von Coach Tomas Oral auch selbstbewusst und druckvoll, der FCH hielt aber voll dagegen, wollte die Saison wie immer sportlich zu Ende bringen. Nach fünf Minuten übernahmen die Platzherren auch das Kommando, die vermeintliche Führung durch Robert Andrich wurde wegen Abseits zu Recht nicht gegeben.

Herrlicher Treffer von Mainka

In der 27. Minute klappte es aber und das 1:0 war ein kleines Kunstwerk: Der öffnende Pass von Marnon Busch, die Flanke von Norman Theuerkauf, die schöne Annahme und der Abschluss von Robert Glatzel, die Glanzparade von FCI-Torhüter Philipp Tschauner und schließlich der artistische Abschluss von Patrick Mainka mit der Hacke. Für einen Innenverteidiger ist der Mann ganz schön beweglich.

Einmal auf den Geschmack gekommen, ließen die Heidenheimer wieder spielerische Klasse aufblitzen. Ein herrlicher Pass von Marc Schnatterer auf Andrich, der überlegt ins lange Eck traf, führte schon fünf Minuten später zum 2:0. Auch die Gäste hatten gute Möglichkeiten, scheiterten aber immer wieder am stark reagierenden Kevin Müller im Tor des FCH.

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In Regensburg stand’s zur Pause 1:1 und Ingolstadt war meilenweit vom direkten Klassenerhalt entfernt. Dennoch zeigten die „Schanzer“ bewundernswerte Moral. Eine starke Einzelaktion von Sonny Kittel brachte den Anschluss und nachdem Glatzel die hundertprozentige Chance auf 3:1 verpasst hatte, erzielte Marcel Gaus in der 76. Minute den mittlerweile nicht unverdienten Ausgleich.

Regensburg führte inzwischen 2:1 und so war die Rettung für Ingolstadt plötzlich wieder ganz nahe. Doch der FCH hatte da was dagegen: Arne Feick köpfte nach Eckball von Theuerkauf in der 82. Minute das 3:2. Und nach weiteren Großchancen auf beiden Seiten machte der eingewechselte Robert Leipertz mit einem schönen Schuss in den Winkel nach 88 Minuten alles klar.

Nikola Dovedan war bei der Vorbereitung der Ball an die Hand gesprungen, was zur ersten Rudelbildung führte. Eigentlich war das unnötig, denn Sandhausen hatte mittlerweile ausgeglichen und Ingolstadt hätte nur noch ein Sieg mit vier Toren Vorsprung genützt.

Aber die Gemüter waren nicht mehr zu beruhigen – auf beiden Seiten. In der dritten Minute der Nachspielzeit ließ sich Glatzel nach einem Foul an ihm zu einem heftigen Rempler hinreißen und sah dafür die Rote Karte. Ein völlig unnötiger Platzverweis, der wohl zu einer Sperre in den ersten Spielen der neuen Saison führen wird. Für welchen Klub der Stürmer dann auch immer spielen wird.

In der Pressekonferenz ging es dann schon wieder friedlich zu. Nach dem zwischenzeitlichen 2:2 sei Ingolstadt volles Risiko gegangen, sagte Oral, für den die Einwechslung von Dovedan mit eine Schlüsselszene gewesen sei. Nach Einschätzung des FCI-Trainers habe Dovedan provoziert. Und als der Heidenheimer nach dem vierten Tor gefragt worden sei, ob es Hand war, habe er dies verneint.

„Dabei hat er sich einen klaren Vorteil verschafft“, so Oral, der sich zugleich bei Frank Schmidt entschuldigte. „Wir hatten ein kleines Wortgefecht, was eigentlich nicht so sein darf. Und ich war der Auslöser“, so der 46-Jährige. Nun gehe der FCI in die Spiele, „die wir uns als Ziel gesetzt hatten vor fünf Wochen“, fügte Oral im Hinblick auf die Abstiegs-Relegation an.

Schmidt nahm die Entschuldigung an, betont allerdings, dass Dovedan nicht derjenige gewesen sei, der provoziert habe. Vielmehr sei Dovedan „so verteidigt worden, dass es aufgebauscht wurde“, sah der Heidenheimer Coach die Schuld beim Gegner. Zu einem möglichen Handspiel konnte er bei der Pressekonferenz nichts sagen. Schmidt betonte, dass Emotionen dazugehörten, fügte jedoch an: „Wenn die komplette Ingolstädter Bank auf dem Platz steht, dann bin ich wie ein Wolf. Dann gehe ich vor meine Mannschaft und werde sie auch entsprechend verteidigen.“

Was bleibt, ist die beste Platzierung des 1. FC Heidenheim in der 2. Liga. Einen fünften Rang mit 55 Punkten hätte wohl vor der Saison niemand erwartet. Und sicher auch nicht, dass am Ende nur drei Zähler zum Aufstieg fehlten. Für Schmidt war es eine tolle Saison und im Vergleich zum Vorjahr „fast schon eine Sensation“.