Die jüngste Bilanz des 1. FC Heidenheim in der Bundesliga spricht eine deutliche Sprache. Nur zwei Punkte sammelten die Heidenheimer in den vergangenen sechs Spielen. Die Formkurve bewegt sich wie der Tabellenplatz weiter im Keller. In dieser schwierigen Zeit blüht ein echter Experte im Abstiegskampf bei den Heidenheimern auf. Während sich der FCH „erst“ seit eineinhalb Jahren im Abstiegskampf befindet, ist er für Niklas Dorsch fast schon ein Dauerzustand. „Wenn ich meine Jahre in Augsburg dazunehme, sind es schon fast fünf Jahre“, sagte der 28-Jährige.

Schmidt sieht ein Kopfproblem: Kommt der FCH mit der „Willi-Landgraf-Mentalität“ aus dem Tabellenkeller?
Der Dauerdruck ist ihm dabei kaum anzumerken. Und so wurden seine Leistungen gegen den Trend in der Mannschaft in jüngster Zeit sogar besser. „In den vergangenen Wochen ist er mit Abstand unser bester Spieler“, hob Trainer Frank Schmidt den im Sommer neu bestimmten Vize-Kapitän heraus. „Daran können sich viele orientieren, in Sachen Mentalität, was es heißt, keine Angst zu haben und Verantwortung zu übernehmen“, so Schmidt.
Starke Statistiken im Heimspiel gegen RB Leipzig
Gegen RB Leipzig war Niklas Dorsch am Samstagnachmittag erneut der Aktivposten im Heidenheimer Mittelfeld. Und das ließ sich auch an Zahlen festmachen. Trotz des hohen Drucks des Champions-League-Aspiranten löste Dorsch viele Situationen unter Bedrängnis gut auf, stellte sich vielen Zweikämpfen – und entschied 18 direkte Duelle für sich. Auch beim Thema Fitness ist er wieder auf seinem gewohnt hohen Level. Mit 34,74 km/h war er der schnellste Sprinter unter den Heidenheimern und erreichte seinen Topwert der Saison. „Wenn ich in meinen Rhythmus komme, habe ich mehr Luft und gehe besser in die Zweikämpfe“, sagte der spielstarke Mittelfeldspieler, der in der Vorsaison wegen einer Innenbandverletzung im Knie neun Spiele verpasste.

Auf den ersten Blick gehen die guten Auftritte der Heidenheimer Nummer 30 häufig unter. Seine Ballsicherheit und seinen großen Anteil am Aufbauspiel lassen sich nicht so einfach messen wie Tore oder Vorlagen. Mit einer Passquote von mehr als 89 Prozent liegt er unter den Mittelfeldspielern im Spitzenbereich der Liga.
Ein weiteres gutes Omen bringt ein Blick auf die fußballerische Karriere von Niklas Dorsch mit sich. Aus der Bundesliga abgestiegen ist der Mittelfeldspieler weder mit dem FC Augsburg noch mit dem FCH. „Das stimmt, aber wollen wir es mal nicht verschreien“, so Dorsch. Denn die Nicht-Abstiegs-Garantie hat auch der U21-Europameister von 2021 nicht eingebaut. Sonst wäre er auf dem Transfermarkt bei den Konkurrenten im Tabellenkeller wohl sehr gefragt. Aus seinem Erfahrungsschatz kann er aber vieles an seine Mitspieler weitergeben.
Wertvolle Erfahrungswerte für den Abstiegskampf in der Bundesliga
„Man muss bis zum letzten Spieltag und vielleicht auch länger daran glauben“, sagt er. Genau diese Erfahrung machte der FCH in der Vorsaison, als der Klassenverbleib über den Umweg in der Relegation gelang. Der Verein habe daraus viel gelernt, sagt Dorsch: „Das ist jetzt eine Situation, die wir schon kennen.“ Beim Verarbeiten der negativen Ergebnisse müssten er und seine Teamkollegen aktuell „zäh“ sein, so der Mittelfeldspieler. „Und die positiven Ergebnisse müssen wir auch feiern und mitnehmen“, sagte er. Auch wenn sie selten sind. Mut macht Niklas Dorsch auch der Umgang mit den eigenen Fehlern und schwachen Leistungen innerhalb des Teams. „Wir diskutieren intern sehr viel darüber. Nach der Videoanalyse stecken wir die Köpfe zusammen und hinterfragen viele Dinge“, verrät er und fügt an: „Wenn wir nicht mehr miteinander reden würden, wäre das das falsche Zeichen.“

Auch gegen RB Leipzig: Die Chancenverwertung bleibt beim 1. FC Heidenheim ein Dauerproblem
Ganz frei vom Niederlagenfrust kann sich Dorsch trotz der großen Erfahrung nicht machen, wie er selbst gesteht. „Manchmal kommt man nach Hause und hat eine Krawatte“, sagt er. Doch allzu lange hält die schlechte Laune seit einigen Monaten nicht mehr an. Im vergangenen Jahr wurde Niklas Dorsch erstmals Vater. „Wenn ich den Kleinen sehe, bringt mich das gleich auf andere Gedanken“, sagt Dorsch und beginnt zu strahlen. Und wenn seine Laune mal wirklich schlecht sei, müsse das seine Frau aushalten, sagt er. „Mein Sohn versteht meine Worte zum Glück noch nicht“, so Dorsch, der in seiner Vaterrolle mindestens den gleichen Einsatz zeigt wie aktuell beim FCH auf dem Rasen.
