Warum wechselt Leo Scienza in die zweite englische Liga? Wie soll der Brasilianer mit dem rauen englischen Fußball klarkommen? Diese Fragen stellten sich Anfang September zahlreiche Fans des 1. FC Heidenheim nach dem Abgang des 27-Jährigen zum FC Southampton. Die Antwort hat der Offensivspieler, der in der vergangenen Saison noch beim FCH spielte, in der Hinrunde auf dem Platz gegeben. In einem Interview äußerte er sich jüngst zu seinen Beweggründen für den Abschied vom Schlossberg.
Die Hoffnung der FCH-Anhänger, dass Leo Scienza doch noch auf der Ostalb bleiben würde, zerbrach am 1. September, dem letzten Tag der Transferperiode im Sommer. Am späten Montagabend vermeldete der FC Southampton die Verpflichtung des Relegationshelden, der mit seinem Treffer gegen die SV Elversberg den Klassenverbleib gesichert hatte. Die Wechselentscheidung des Mittelfeldspielers, der Gespräche mit mehreren Interessenten geführt hatte, sei aus voller Überzeugung passiert, wie er dieser Tage im Interview mit „transfermarkt.de“ verriet.
„Bei Southampton dachte ich: ‚Wow, wirklich cool.‘ Normalerweise ist das ein Premier-League-Verein, auch was das Umfeld, das Stadion und das Trainingsgelände anbelangt“, blickte der Offensivspieler zurück. Und sein neuer Club, der aus der Premier League abgestiegen war, investierte im Sommertransferfenster wie ein Erstligist. Mit Ausgaben von rund 60 Millionen Euro war der FC Southampton in der Championship, der zweiten englischen Liga, am spendabelsten – und zahlt seinen Spielern auch üppige Gehälter.
Großes Lob von England-Legende: Frank Lampard schwärmt von Leo Scienza
Scienza war einer von vier Spielern, die im vergangenen Sommer aus der Bundesliga und der 2. Bundesliga in die südenglische Hafenstadt gewechselt waren. Doch während Damien Downs (spielt mittlerweile beim HSV) und Joshua Quarschie (kam von der TSG Hoffenheim) Anpassungsprobleme in der zweiten englischen Liga hatten und haben, spielen Scienza sowie Casper Jander (vom 1. FC Nürnberg) eine Hauptrolle bei den „Saints“, wie der 1885 gegründete Traditionsverein unter Fußballfans genannt wird. Dabei benötigte der Brasilianer eine gewisse Anlaufzeit, ehe er durchstartete.
Nach drei Einwechslungen und einer vollen Partie auf der Bank feierte er am neunten Spieltag sein Startelfdebüt, sicherte sich fortan den Stammplatz und überraschte mit seinen Leistungen sogar prominente Trainer der Liga. „Als ich mir Anfang der Saison ein paar Videos von Southampton ansah, dachte ich: ‚Wer ist dieser Kerl?‘“, sagte Frank Lampard, Coach des Tabellenführers Coventry City, über Scienza, dem er ein „sehr hohes Niveau“ attestierte. „Das ist eine großartige Verpflichtung von Southampton, denn er ist ein Topspieler“, sagte der 106-fache englische Nationalspieler dem „Daily Echo“.

Mittlerweile ist der Brasilianer tatsächlich einer der Topspieler der Liga. Mit vier Assists ist Scienza der beste Vorlagengeber seines Teams, zudem erzielte er selbst fünf Treffer. Dank seiner starken Leistungen scheint ein Sprung in die Premier League – die als beste Liga der Welt gilt – möglich. Bei den Geschäftsgebaren in der englischen Topliga ist es nicht allzu abwegig, dass ein Verein im kommenden Sommer deutlich mehr als die kolportierten neun Millionen Euro, die die „Saints“ an den FCH überwiesen haben, für eine Verpflichtung ausgeben würde. Selbst die englischen Topclubs schauen sich gerne in der Championship um und schlagen bei auffälligen Spielern – wie Scienza in dieser Saison einer ist – zu.
Wechsel zum FC Southampton: „Ein großer und wichtiger Schritt in meiner Karriere“
Dass dieser Schritt von Heidenheim aus gelingen könnte, daran glaubte Scienza wohl nicht. „Für mich ist es ein großer und wichtiger Schritt in meiner Karriere, von Heidenheim zu Southampton in die Championship zu wechseln“, sagte er gegenüber „transfermarkt.de“. Und daraus machte er gegenüber dem FCH nach eigenen Angaben auch kein Geheimnis. „Ich hatte Heidenheim zu Beginn der Saison gesagt, dass ich mir vorstellen kann, den nächsten Schritt zu machen“, so der 27-Jährige. Für seinen Ex-Club hatte er aber noch einige warme Worte übrig.

Das sagt der 1. FC Heidenheim zum Wechsel von Leo Scienza zum FC Southampton
„Ich bin dem Club, Frank Schmidt und Holger Sanwald unglaublich dankbar, weil sie mir als Drittliga-Spieler die Möglichkeit gaben, in der Bundesliga zu spielen. Kein anderer Verein bot mir diese Chance“, sagte er. In Southampton spielt Scienza in dieser Saison ebenfalls unter einem deutschen Trainer. Mit dem erst 32-jährigen Tonda Eckert an der Seitenlinie liegen die „Saints“ nach 29 Spieltagen aber nur auf dem 15. Platz und sind damit ein ordentliches Stück von den Aufstiegsplätzen entfernt. Und somit könnte im Sommer für den nächsten Karriereschritt trotz großer Dankbarkeit ein weiterer Abschied des Brasilianers folgen.


