Heidenheim / Edgar Deibert Die Fanszenen Deutschlands haben sich Ende Mai in einem offenen Schreiben wieder zu Wort gemeldet. Auch die Heidenheimer Ultragruppen „Fanatico Boys“ und „Unitas Aquileiae“ teilen den Aufruf.

Bereits Mitte April ging ein bundesweiter Zusammenschluss der Fanszenen im Vorfeld der Fortführung der Bundesliga und 2. Liga an die Öffentlichkeit. Ihrer Meinung nach ist die „Wiederaufnahme des Fußballs, auch in Form von Geisterspielen, ist in der aktuellen Situation nicht vertretbar“.

Nun, Ende Mai, aktualisierten die Ultras ihre Kritik am deutschen Profifußball. Das gemeinsame Schreiben teilten auch die Heidenheimer Ultra-Gruppierungen „Fanatico Boys“ (auf ihrer Homepage) und die „Unitas Aquileiae“ (auf ihrer Facebookseite).

Darin heißt es einführend: „Nein, der Fußball befindet sich in keiner Krise – lediglich das Geschäftsmodell derjenigen kommt ins Wanken, die sich daran eine goldene Nase verdienen. Und nicht erst jetzt, aber aktuell mit voller Wucht, bekommt der Profifußball den Spiegel vor die Nase gesetzt, mit welcher Missgunst ein großer Teil der Bevölkerung auf den Profifußball blickt.“

Das Produkt Fußball habe eine Parallelwelt erschaffen, die viele Fußballfans „mit ausufernden Transfer- und Gehaltssummen, einer unersättlich wirkenden Gier nach Profit, Korruption bei Verbänden sowie dubiosen und intransparenten Beraterstrukturen (2017/18 ca. 200 Mio. €) in Verbindung“ setzten.

Weiterhin sehen die organisierten Fanszenen die Fortsetzung der Saison kritisch: „Wir mögen aktuell nicht beurteilen und abschätzen können, wann ein vertretbarer Zeitpunkt gewesen wäre, den Ball wieder rollen zu lassen“, heißt es in dem Schreiben. Und weiter: „Wir bewerten jedoch das Verhalten der Vertreter des Profifußballs als anstands- und respektlos, sich in der aktuellen Krisensituation derart aggressiv in den Vordergrund zu drängen. Der Gedanke, dass sich mit genügend Geld und ausreichender Lobbyarbeit Sonderwege bestreiten lassen, lässt sich leider nicht von der Hand weisen.“ Die Ultras hätten nach eigener Aussage „vielmehr eine Vorgehensweise erwartet, welche der sozialen Verantwortung und der Vorbildfunktion des Fußballs gerecht wird“.

Zudem werden von den Ultras Forderungen aufgestellt, wie ihrer Meinung nach der Profifußball reformiert werden könnte. So sollen etwa Fernsehgelder gerechter verteilt werden und dadurch der sportliche Wettbewerb und die Attraktivität der Ligen gesteigert werden. Zudem sollen die Vereine dazu verpflichtet werden, Rücklagen zu bilden, „um zumindest kurzfristige Krisen jeder Art überstehen zu können, ohne direkt vor der Insolvenz zu stehen“.

Neben Gehalts- und Transferobergrenzen soll ihrer Meinung nach auch der Einfluss durch Berater beschränkt werden. Auch sollen die Kader der Vereine begrenzt werden.

Das Schreiben in voller Länge gibt es unter anderem auf der Homepage www.fanatico-boys.de zu lesen.

Der Diskussion um eine baldige Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der 1. und 2. Liga erteilen organisierte Fans eine Absage. Sie sind gegen eine Sonderlösung für den Profifußball.